Kino

Was wäre wenn? "Photograph" lässt ein Foto Schicksal spielen

Rafi und Miloni in

Finden zufällig zueinander und verlieben sich: Rafi und Miloni in "Photograph".

(Foto: Amazon Studios)

Ritesh Batra, bekannt geworden mit dem Film "Lunchbox", holt seine Zuschauer in "Photograph" zurück in das Herz Mumbais. Im sich wandelnden Indien treffen zwei Fremde aufeinander, die zunächst nichts weiter verbindet als ein Foto. Eine Liebesgeschichte - mehr nicht?

"Photograph" ist der neue Film des Regisseurs Ritesh Batra, der mit "Lunchbox" internationale Bekanntheit erlangte. In dem Streifen erzählt er eine Liebesgeschichte, die in der Welt des modernen Mumbais spielt. Der Wohnsitz bleibt allerdings die einzige Gemeinsamkeit der beiden Protagonisten.

Rafi (Nawazuddin Siddiqui) kommt vom Land und arbeitet als Straßenfotograf vor Sehenswürdigkeiten. Er teilt sich mit vier anderen Männern ein Zimmer und schickt möglichst viel Geld nach Hause, um seine Familie zu unterstützen. Miloni (Sanya Malhotra) hingegen ist die Tochter wohlhabender Eltern und auf dem besten Weg, ihr Studium als Wirtschaftsprüferin abzuschließen. Ihr an sich sorgenfreies Leben wird jedoch durch die Zwänge des reaktionären Indiens eingeengt, zu denen noch die ehrgeizigen Erwartungshaltungen ihrer wirtschaftlich aufstrebenden Familie kommen.

Die Idee der Sehnsucht

Von links nach rechts: Regisseur Ritesh Batra, mit Hauptdarstellern Sanya Malhotra und Nawazuddin Siddiqui.

Regisseur Ritesh Batra mit Hauptdarstellern Sanya Malhotra und Nawazuddin Siddiqui (v.l.).

(Foto: imago/Seeliger)

Es ist ein wiederkehrendes Thema in Batras Filmen: Zwei völlig unterschiedliche Menschen, die sich sonst nie über den Weg laufen würden, kommen zufällig in Kontakt. Dieses Was-wäre-wenn-Gedankenspiel ist für ihn "die Idee der Sehnsucht", die von Menschen unterschiedlich ausgedrückt werden kann, "sowohl lustig als auch traurig", und die er gerne in seinen Filmen zeigt.

Rafis Großmutter, die ihren Enkel gerne verheiratet sehen würde, droht damit, ihre Medizin abzusetzen, falls er sich noch weiter gegen eine Heirat sträubt. In dieser Zwickmühle erzählt Rafi ihr, er habe eine Freundin und legt dem Brief ein zufällig aufgenommenes Foto der ihm fremden Miloni bei. Als Rafis Großmutter darauf besteht, sie kennenzulernen, gelingt es ihm, Miloni aufzuspüren. So nimmt die Geschichte der beiden ihren Anfang: Miloni, die sich in ihrem Umfeld eingesperrt fühlt, lässt sich schließlich von Rafi überreden, der Großmutter etwas vorzuspielen.

Liebe zum Detail

Es ist eine Geschichte, wie sie schon oft erzählt wurde. Sie handelt von Liebe, die gesellschaftliche Hürden überwindet. Ritesh Batra gelingt es jedoch, den Ort der Handlung authentisch abzubilden und so die altbekannte Thematik für den Zuschauer interessanter zu machen. Mit einer Hauptdarstellerin, die von Rafis Realität fast genauso weit entfernt ist wie die Zuschauer selbst, lassen sich die Gräben aufzeigen, die durch die indische Gesellschaft verlaufen.

Eine Liebe zum Detail zeigt sich auch in der Sprache. Der Regisseur arbeitete eng mit der Schauspielerin Nimrat Kaur zusammen, um die Dialoge in den Sprachen seiner Kindheit möglichst realitätsgetreu einzufangen. Hindi, mit Englisch die offizielle Sprache Indiens, und das in Mumbai häufig gesprochene Gujarati werden durch Untertitel ergänzt.

Mit sich angenehm aneinanderreihenden Bildern lässt man sich gerne von der langsamen Erzählung mitnehmen. Allerdings fehlt es dem Film an Zeitgeist und Inspiration. Die Geschichte bietet keinen eigenen Blickwinkel und wird erst in der letzten Szene selbstironisch. Keine schlechte Idee eigentlich, aber die kommt ein wenig zu spät.

Quelle: n-tv.de

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