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Mittlerweile ist Clapton 73 Jahre alt. Sein letztes Studioalbum heißt "I Still Do" und erschien 2016.
Mittlerweile ist Clapton 73 Jahre alt. Sein letztes Studioalbum heißt "I Still Do" und erschien 2016.(Foto: AP)
Freitag, 08. Juni 2018

Soundtrack zu "Life in 12 bars": Wie der Blues Eric Clapton rettete

Von Volker Petersen

Der Dokumentarfilm "Life in 12 Bars" zeigt, wie Eric Clapton zu einem der größten und legendären Rock- und Bluesgitarristen wurde. Nun erscheint der Soundtrack dazu, der einer Zeitreise durch die frühen Jahre des Ausnahme-Künstlers gleicht.

Eric Clapton, ach du Schreck. Einer dieser Typen, die ihr Leben auf dem Rock-Olymp verbracht haben, ganz oben, neben George Harrison und Jimi Hendrix. Einer dieser göttergleichen Superstars, verehrt von vielen, für nachwachsende Generationen vielleicht auch mal ein wenig zu groß. Etliche über 50 scheinen davon auszugehen, dass dieser Mann einfach der Allergrößte ist. Wer damals, in den 60er- und 70er-Jahren, nicht dabei war, konnte im vergangenen Jahr lernen, warum eigentlich.

Eric Claptons "Life In 12 Bars" erscheint am 8. Juni.
Eric Claptons "Life In 12 Bars" erscheint am 8. Juni.

Denn der abendfüllende Dokumentarfilm "Life In 12 Bars" zeigte das Leben des jungen Clapton. Wie er als Kind bei seinen Großeltern aufwuchs, beim Zeichnen und Gitarrespielen vom Leben als Künstler träumte. Wie er den Blues in einer Radiosendung für Kinder entdeckte. Wie er schon als Teenager mit den Yardbirds Erfolg hatte und seinen späteren besten Freund George Harrison kennenlernte. Später folgten dann die überaus erfolgreiche Band Cream und viele andere – bis zu diesem legendären Unplugged-Konzert 1992, als er mit "Tears In Heaven" den Song des Jahres spielte.

Mittlerweile ist er 73 Jahre alt und kann sich nun über eine neue CD freuen, die einer Zeitreise durch sein Leben gleicht. Es handelt sich um den Soundtrack für besagten Film. Auf den zwei CDs ist ganz viel Clapton, aber glücklicherweise nicht nur. Die Eröffnung machen ein paar Bluesstücke, die auch im 21. Jahrhundert noch nahe gehen. Wenn Muddy Waters "My Life Is Ruined" singt, versteht man, warum diese Musik den kleinen Eric ansprach. Den Jungen, dessen Mutter nichts von ihm wissen wollte, weil er das unerwünschte Ergebnis eines One-Night-Stands war. Eine Mutter, die ihm einmal sagte, er solle sie nicht "Mum" nennen. 

"Layla", "I Shot The Sherrif", "Tears In Heaven"

Anschließend zeigt der Soundtrack dann Claptons Weg zum Ruhm. Wie er mit den Yardbirds rockte, "I Wish You would" und "For Your Love" atmen den Geist der frühen 60er, sie zeugen von Aufbruch, Sehnsucht nach Wildheit und zeigen vor allem das große Talent des Teenagers Eric. Spätestens bei den Cream-Stücken klingeln die Glocken des Classic-Rock-Gedächtnisses. Die Klassiker "Crossroads", "White Room" und "Spoonful" finden sich in Live-Versionen darauf, weitere Nummern wie "Strange Brew" sind als Studioaufnahmen vertreten.

Den Abschluss der ersten CD bildet das wunderschöne "Presence Of The Lord", das Clapton mit seiner späteren Band Blind Faith aufnahm. Im Film sieht man an dieser Stelle einen grandiosen Mitschnitt eines Konzerts im Londoner Hyde Park mit Steve Winwood am Klavier und einem nachdenklich und unglaublich cool wirkenden Clapton auf der Bühne und einem noch neugierig und interessiert aussehenden Mick Jagger in der ersten Reihe. Auf der zweiten CD folgen dann Claptons Höhepunkte der 70er-Jahre, Hits wie "Layla", "I Shot The Sheriff" und das unvermeidliche, viel gehörte "Tears In Heaven", in dem er die Trauer über den Unfalltod seines vierjährigen Sohnes besingt, der in New York aus dem Fenster der Wohnung seiner Mutter gestürzt war.

Diese Compilation macht aus, dass die Stücke nicht nur von Clapton sind, sondern auch ein paar Songs von anderen Künstlern mit dabei sind. Da findet sich ein Muddy Waters ("My Life Is Ruined"), eine Aretha Franklin ("Good To Me As I Am To You"), da ist der Beatles-Song "While My Guitar Gently Weeps" und George Harrisons  "My Sweet Lord", an dessen Entstehung Clapton maßgeblich beteiligt war.

Das macht die CD interessant als Überblickswerk, zumal neben den obligatorischen Hits auch interessante Liveaufnahmen darauf sind, wie die schier endlose Version von Creams "Spoonful", die erst nach 17 Minuten und 36 Sekunden endet. Bislang unveröffentlichte Stücke sind auch dabei wie der Hendrix-Song "Little Wing", live gespielt mit Derek and the Dominos. Von der Combo ist auch der ebenfalls noch nicht erschienene Instrumentaltitel "High" auf der Platte. Schade ist dagegen, dass das Booklet eher lieblos ist, viel mehr als ein paar Infos zu den beteiligten Musikern der einzelnen Tracks findet sich dort nicht. Dennoch eine interessante CD.

Quelle: n-tv.de