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Montag, 27. November 2017

Für immer der Größte: Jimi Hendrix, Gitarrengott

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Er ließ seine Fender Stratocaster zärtlich singen und wild aufjaulen, brüllen und in Rückkopplungen fast explodieren. (Foto: AP)

Er ließ seine Fender Stratocaster zärtlich singen und wild aufjaulen, brüllen und in Rückkopplungen fast explodieren.

Er ließ seine Fender Stratocaster zärtlich singen und wild aufjaulen, brüllen und in Rückkopplungen fast explodieren.

Am Morgen des 17. August 1969, zum Abschluss des Woodstock-Festivals, ahmte die elektrische Gitarre von Jimi Hendrix den infernalischen Lärm von Armeehubschraubern nach, ...

... sie zerschredderte die US-Nationalhymne - für viele Zeitzeugen ein Zeichen des Zorns über den Vietnamkrieg.

Er spielte mit den Zähnen und der Zunge, ...

... hinter seinem Kopf. Am Ende vieler Konzerte ...

... ging sein Instrument in Flammen auf, mithilfe von Feuerzeugbenzin, als ein Akt der kultischen Opferung des Allerliebsten. (im Bild: Gitarre, die Hendrix beim Miami Pop Festival 1968 angezündet hatte)

Jimi Hendrix hat die Rockgitarre revolutioniert wie kein Zweiter - und das in nur wenigen Jahren von 1966 bis 1970, die ihm für seine im Wortsinn rauschhaft intensive Weltkarriere blieben.

Nun wäre das für Pop, Blues und Jazz gleichermaßen einflussreiche Genie, einer der wichtigsten Musiker des 20. Jahrhunderts, 75 Jahre alt geworden.

Geboren am 27. November 1942 in Seattle ... (im Bild: sein Vater Al und seine Schwester Janie im Museum of Pop Culture in Seattle)

... gestorben am 18. September 1970 in London, wo er nach Drogenkonsum am eigenen Erbrochenen erstickte - ... (im Bild: seine Sterbeurkunde)

... soweit die Eckdaten eines kurzen, intensiven, verzehrenden Lebens.

"Ich bin nicht sicher, ob ich meinen 28. Geburtstag noch erleben werde. (...) Wenn ich nämlich nichts mehr durch meine Musik mitzuteilen habe, dann gibt es für mich nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt." Das sagte er im September 1970, wenige Tage vor seinem Tod.

Die Frage "Was wäre, wenn ..." stellt sich bei allen Musikern, die wie Hendrix dem berühmt-berüchtigten "Club 27" der mit nur 27 Jahren Gestorbenen angehören: Janis Joplin, Brian Jones von den Rolling Stones, Jim Morrison von The Doors, Kurt Cobain von Nirvana.

Das unzeitgemäße Ende wurde Teil ihres Mythos. (Hier wird Hendrix im Januar 1968 in Stockholm verhaftet wegen "Trunkenheit" - er war im Vollrausch in seinem Hotelzimmer ausgerastet und hatte ziemlich viel zertrümmert. Seine rechte Hand ist bandagiert.)

Bei Hendrix ist die Frage besonders interessant, weil er nach dem Ende seiner Zeit mit dem Trio The Jimi Hendrix Experience 1969 ...

... und dem kurzen Intermezzo mit der Band Of Gypsys auf dem Weg zu neuen Ufern war. (im Bild: Bassist Billy Cox, der in beiden Bands mitspielte)

Er hätte wohl gern Musik in einer größeren Band gemacht, sagt Hendrix-Biograf Klaus Theweleit.

"Außerdem hatte er eine Zusammenarbeit mit Miles Davis angefangen, der dann diese Fusion-Geschichte von Jazz und Rock durchgebracht hat. Da hätte Hendrix gut reingepasst." (im Bild: Davis bei Hendrix' Beerdigung am 1. Oktober 1970 in Seattle)

Er hatte "jede Menge musikalischer Pläne im Kopf. Was dabei entstanden wäre, können wir nur vage ahnen. Aber seine Energie hätte er nicht verloren, so ein Typ hört nicht auf, der muss zwangsweise weiter erfinden."

Gerade bei Hendrix "brannte die Kerze nicht nur an zwei Enden, sondern auch noch in der Mitte", sagt Theweleit.

Spannend auch, sich den Afroamerikaner Hendrix als politischen Künstler vorzustellen, in einer Zeit neuer Rassenkonflikte in den USA.

Wäre die antirassistische Bürgerrechtsbewegung "Black Lives Matter" heute sein Ding? "Absolut", sagt Theweleit. "Da hätte er sich mit Sicherheit irgendwo reingefügt."

Hendrix selbst hat von einer versöhnenden Rolle seiner Musik zwischen (schwarzem) Blues und (weißem) Rock geträumt: ...

... "Stell dir mal vor: Schwarz und Weiß nebeneinander, jeder mit einem Hammer in der Hand, bereit, auf den anderen einzuschlagen - und dann kommt die Musik und hat die Macht ... sie ist jedenfalls eine universelle Sprache."

Naiv? Naivität wurde dem mit seinen nur fünf Alben zu Lebzeiten von Erfolg zu Erfolg eilenden Hendrix auch für manche Zitate zum Vietnamkrieg vorgeworfen.

Beispielsweise im Februar 1967: "Die Amerikaner kämpfen in Vietnam für die gesamte freie Welt. (...) Natürlich ist Krieg was Furchtbares, aber im Moment ist er immer noch das einzige sichere Mittel, den Frieden zu bewahren."

Biograf Theweleit warnt indes davor, einzelne Hendrix-Aussagen isoliert zu bewerten.

"Seine Art zu spielen war politische Avantgarde, gegen rückwärtsgerichtete Politik, gegen Krieg. Er hasste diese Bombardements und diesen Krieg."

Jenseits aller Spekulationen, bis hin zum elenden Drogentod im Apartment einer seiner vielen Geliebten, der Deutschen Monika Dannemann (im Bild, 1972): ...

... Was an Hendrix bis heute fasziniert, sind sein unfassbar virtuoses Gitarrenspiel, seine Studio-Innovationen, seine fast immer furiosen Live-Shows (527 sollen es in nur knapp vier Jahren gewesen sein).

"Einen Gitarristen, der heute nicht irgendwie Hendrix verarbeitet hat, kann ich mir nicht vorstellen", sagt Theweleit.

Veit Marx-Haupenthal war einer der Letzten, die Jimi Hendrix noch im Konzert erleben konnten - im September 1970, als 21-jähriger Fan unter rund 20.000 Besuchern beim Festival "Love and Peace" auf der Ostseeinsel Fehmarn. "Darüber bin ich sehr froh", sagt er.

Daran ändere auch nichts, dass der Live-Eindruck von Hendrix im bunten Anzug eher zwiespältig war. "Er hat natürlich hervorragend gespielt, insofern war der Gig klasse", erinnert sich Marx-Haupenthal. Andererseits: "Es hat nicht gefunkt zwischen dem Star und seinem Publikum. Hendrix war ein bisschen giftig, weil vor der Bühne Zelte standen. ...

... Er hatte keine große Lust und nach gut einer Stunde war das Konzert vorbei." Keineswegs habe man an jenem denkwürdigen Festival-Sonntag erkennen können, "dass der Mann so auf Droge war".

Wie so viele Zeitgenossen hat ihn Hendrix' wilde, laute Musik nie wieder losgelassen: "Er war der größte aller Gitarrengötter und das wird er auch bleiben."

Experten sehen das genauso: In der Liste "Die 100 besten Gitarristen aller Zeiten" platziert das Magazin "Rolling Stone" ...

... Jimi Hendrix auf Platz eins, vor Eric Clapton, Jimmy Page, Keith Richards und Jeff Beck.

Und auch Kollegen preisen Hendrix: "Wer ihn allein anhand seiner Aufnahmen beurteilen muss, kann einem nur leid tun. Erst in Fleisch und Blut war er wirklich einmalig - ein Alchemist, der sich auf der Bühne ständig häutete, sich sogar körperlich zu verändern schien. (...) Er machte die E-Gitarre zu einem ästhetischen Erlebnis", so The-Who-Gitarrist Pete Townshend.

Eric Burdon erinnert sich: "Es war schon beklemmend, wie gut er war. Wir hielten den Atem an und staunten."

Und Richie Havens, der wie Hendrix 1969 in Woodstock auftrat, berichtet: "Da steht dieser Typ auf der Bühne und beißt in seine Gitarre. Zum Teufel, was macht der da, denke ich. Und ich sehe mich nach dem zweiten Gitarristen um - weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass er die Töne allein produzierte. Wo ist also der andere Gitarrist? Es gibt keinen! ...

... Ich kroch unter die Bühne, Mann, und die war höchstens einen Meter hoch. Ich rutsche auf den Knien rum, um unter der Gitarre dieses Typen nachsehen zu können. Was macht der da?"

"Hendrix tat genau, was ich wollte. Ich konnte bloß nicht", bekennt Jeff Beck.

Und Brian Eno fragt: "Warum wird Jimi Hendrix eigentlich nicht als einer der wichtigsten Komponisten des Jahrhunderts anerkannt? Von den Musikwissenschaftlern, meine ich. Warum wird über ihn nicht wie über John Cage gesprochen?" (abe/dpa)

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