Panorama

"Hinweise" auf helfende Mittel Spahn hofft auf Bayers Malaria-Medikament

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Der Plan: Atemschutz und Abstand gegen Infektionen, Infizierte mit bekannten Medikamenten behandeln und so Zeit für die Impfstoff-Entwicklung gewinnen.

(Foto: imago images/photothek)

Einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 wird es wohl erst im nächsten Jahr geben. Bis dahin sollen bereits bekannte Medikamente bei der Symptombehandlung helfen. Gesundheitsminister Spahn ist in beiden Fällen zuversichtlich, warnt aber vor "falschen Hoffnungen".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hofft, dass zur Behandlung der Lungenkrankheit Covid-19 bald auch zielgerichtete Medikamente eingesetzt werden können. "Es gibt erste Hinweise, dass bestimmte Medikamente zu helfen scheinen", sagte der CDU-Politiker in "Bild live". Dazu sollten Studien "schnellstmöglich möglich" gemacht werden. Allerdings müsse auch aufgepasst werden: Die Patienten müssten geschützt werden, da jedes Medikament auch Nebenwirkungen habe.

Es gebe auch in Deutschland bereits eine Reihe von Studien, auch zu dem "alten Malaria-Mittel" Resochin (Wirkstoff Chloroquinphosphat) des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer. Es gebe aber auch weitere Medikamente, die helfen könnten. Auf jeden Fall werde deutlich früher ein Medikament als ein Impfstoff auf dem Markt sein, sagte Spahn, und ist damit auf einer Linie mit vielen Experten. "Die Impfstoffentwicklung ist noch mal herausfordernder. Das Malaria-Medikament kennen wir seit Jahren und Jahrzehnten. Da kennen wir Wirkungen und Nebenwirkungen", sagte Spahn.

"Wäre der glücklichste Gesundheitsminister der Welt"

Diese Wirkungen und Nebenwirkungen müsse man nun neu für den Einsatz zur Behandlung von Coronavirus-Erkrankungen abwägen. "Der Impfstoff ist eher eine Frage von mehreren Monaten als von wenigen Monaten." Er wolle sich aber nicht festlegen, sagte Spahn und fügte hinzu: "Ich wäre der glücklichste Gesundheitsminister der Welt, wenn wir in drei oder sechs Monaten einen Impfstoff hätten. Ich bin aber auch Realist genug und genug von Fachleuten beraten, um zu wissen, es kann auch zwölf Monate dauern." Deshalb dürfe die Politik keine falschen Hoffnungen wecken.

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Bayer hatte mitgeteilt, in Europa Produktionsmöglichkeiten für den Wirkstoff Chloroquin im Kampf gegen die Lungenkrankheit Covid-19 zu schaffen. Das bereits in den 1930ern entwickelte Medikament zur Malariaprophylaxe ist schon seit einigen Wochen im Gespräch, nachdem Tests an Zellkulturen eine Hemmung der Vermehrung des neuartigen Coronavirus gezeigt hatten.

Die Wirkstoffe Chloroquin und Hydroxychloroquin gelten als mögliche Mittel gegen die vom neuartigen Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19. Forscher aus China und Frankreich berichteten nach ersten kleineren klinischen Studien mit Coronavirus-Patienten von positiven Ergebnissen. Allerdings wird über den Einsatz derzeit heftig diskutiert. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hatte davor gewarnt, Coronavirus-Patienten damit zu behandeln. Die beiden noch nicht zum Einsatz gegen das Virus zugelassenen Arzneimittel sollten nur bei klinischen Tests oder in Notfällen genutzt werden, erklärte die EMA.

Novartis: Jakavi kann Intensivstation ersparen

Zusätzlich warnen Ärzte vor möglichen Engpässen bei den Mitteln. Begrenzter Zugang zu Chloroquin und Hydroxychloroquin könnte alle Hoffnungen auf deren flächendeckenden Einsatz gegen das Coronavirus zunichtemachen, warnten Ärzte aus Italien in der Zeitschrift "Annals of Rheumatic Diseases".

Außerdem warnen die Ärzte davor, dass Menschen, welche die Medikamente jetzt schon gegen andere Krankheiten nehmen müssen, plötzlich keinen Zugang mehr zu ihnen hätten. Das müsse unbedingt verhindert werden. "In manchen europäischen Ländern sind HCQ und CQ schon jetzt in Apotheken nur noch begrenzt verfügbar."

Derweil will der Schweizer Pharmakonzern Novartis ein Medikament gegen eine Knochenmarkserkrankung zur Behandlung von Coronavirus-Patienten einsetzen. Zusammen mit der amerikanischen Firma Incyte plane Novartis eine Phase-III-Studie mit Jakavi, wie das Basler Unternehmen mitteilte. Es gebe Hinweise, dass Jakavi gegen lebensbedrohliche Überreaktionen des Immunsystems bei Covid-19-Patienten wirksam sei. Die Arznei könnte zu einer schnelleren Genesung führen und einigen Patienten eine künstliche Beatmung auf der Intensivstation ersparen. Nach Abschluss der letzten Studienvorbereitungen würden die Firmen mit der Patienten-Rekrutierung beginnen.

Quelle: ntv.de, mra/dpa/AFP/rts