Politik

Fragen und Antworten zum Treffen Was Trumps Besuch bei Kim gebracht hat

Manch politischer Beobachter mag heute eine Überraschung erlebt haben: US-Präsident Donald Trump hat sich mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un getroffen. Es war eine historische Begegnung, die offenbar recht spontan zustande kam. Doch wie kam es dazu, worum ging es und kann das Treffen die eingefrorenen Gespräche zwischen beiden Ländern wieder beleben? n-tv.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie kam das Treffen zustande?

Freitag und Samstag trafen sich die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten im japanischen Osaka. Darunter waren Kanzlerin Angela Merkel, Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump. Danach reiste Trump geplant nach Südkorea weiter, zusammen mit dessen Präsidenten Moon Jae In, wie der US-Staatschef auf Twitter schrieb.

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Allerdings fügte er dort noch eine Einladung an Kim an: "Während ich dort bin, falls der Vorsitzende Kim von Nordkorea das sieht, ich würde ihn an der Grenze/DMZ (Demilitarisierte Zone) treffen, nur um Hände zu schütteln und Hallo zu sagen(?)!" Nordkorea sagte schon kurz darauf ein Treffen zu, wie Trump nun erklärte.

Unklar ist, ob die Einladung an Kim eine spontane Entscheidung Trumps war. Möglich wäre, dass Trump vorhatte, in Südkorea ein Zeichen im Nordkorea-Konflikt zu setzen. Dieser war vielleicht auch Thema bei Trumps Treffen mit Xi. Dass es dann tatsächlich ein Treffen mit Kim wurde, dürfte aber nicht geplant gewesen sein. Trump dankte dem nordkoreanischen Diktator ausdrücklich, dass er dem Treffen zugesagt habe. Wäre es nicht zustande gekommen, hätten beide blöd ausgesehen und die Medien hätten auf ihn eingeschlagen, so Trump.

Wie waren die Umstände des Treffens?

Trump, Kim und Moon trafen sich in der Demilitarisierten Zone in Panmunjom an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Das kleine Gebiet mit den markanten blauen Baracken, durch die die Grenze verläuft, ist militärisch stark gesichert. Im vergangenen Jahr fand dort bereits die historische erste Begegnung zwischen Kim und Moon statt.

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Auf den Bildern des Treffens war erkennbar, dass dieses nicht durchgeplant war. US-amerikanische und nordkoreanische Sicherheitskräfte standen durcheinander, zwischendrin liefen Medienvertreter umher, um Zitate und Bilder zu bekommen. Die erst kürzlich ernannte Sprecherin Trumps soll bei einer Rangelei mit Vertretern Nordkoreas sogar verletzt worden sein, als sie Medienvertreter ihres Landes in Position bringen wollte.

Was war an dem Treffen historisch?

Erstmals hat ein amtierender US-Präsident nordkoreanischen Boden betreten. Trump war zunächst von der südkoreanischen Seite aus bis zu der Betonschwelle gegangen, die die Grenze markiert, und wartete dort auf Kim. Dann begrüßten sich beide. Nach Trumps Darstellung fragte er dann Kim, ob er es "wünsche", dass er die Grenze überschreiten würde. Kim antwortete demnach, es sei ihm eine Ehre. Danach betrat Trump kurz das Land, das sich offiziell noch im Krieg mit den USA und Südkorea befindet. Dann gaben beide kurze Statements ab.

Vor Trump waren bereits die Ex-US-Präsidenten Bill Clinton 2009 und im Jahr darauf Jimmy Carter in das Land gereist. Allerdings waren beide zu diesen Zeitpunkten schon nicht mehr im Amt, Carters Reise war sogar als privat deklariert. Die beiden Demokraten bemühten sich damals erfolgreich um die Rückkehr von US-Amerikanern, die in nordkoreanischer Haft saßen. Die südkoreanische Seite der Demilitarisierten Zone haben bereits etliche Präsidenten besucht, darunter auch Trumps Vorgänger Barack Obama und George W. Bush.

Händeschütteln - und das war's?

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Nein, nach der Begrüßung gingen die Staatschefs in ein Gebäude auf der südkoreanischen Seite, wo sie fast eine Stunde lang miteinander sprachen, natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Anschließend brachte Trump Kim zurück an die Grenze, wo sie sich verabschiedeten. Der US-Präsident schilderte danach noch kurz, was besprochen wurde und beantwortete ein paar Fragen. Danach reiste er zum Osan-Luftwaffenstützpunkt, wo er vor US-Soldaten sprach, bevor es zurück in die USA ging.

Worum ging es in den Gesprächen?

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Das Gespräch zwischen Trump und Kim in einem südkoreanischen Gebäude dauerte eine knappe Stunde.

(Foto: REUTERS)

Es dürfte in dem Gespräch vor allem um das nordkoreanische Atomprogramm gegangen sein. Trump will eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel erreichen und ein Ende der Atom- und Raketentests Pjöngjangs. Kim wiederum fordert die Aufhebung der Sanktionen gegen sein Land, die verheerende Auswirkungen auf die dortige Wirtschaft haben. Zudem warnen die Vereinten Nationen vor einer Hungersnot in Nordkorea. Nicht zuletzt könnte ein Friedensvertrag besprochen worden sein, denn offiziell befinden sich die beiden koreanischen Staaten sowie ihre Verbündeten noch im Kriegszustand.

Es ist nicht das erste Treffen der beiden Staatschefs: Nach dem Beginn des politischen Tauwetters in Nordkorea im Januar 2018 und dem Moon-Kim-Gipfel im März hatten sich Trump und Kim im Juni vergangenen Jahres zu einem historischen Gipfel in Singapur getroffen. Die anschließenden Arbeitsgespräche brachten aber wenige Fortschritte. Im Februar dieses Jahres trafen sich Trump und Kim in Hanoi, um den Prozess wieder ins Laufen zu bringen. Das Treffen scheiterte allerdings und wurde frühzeitig abgebrochen. Seitdem herrschte Funkstille.

Hat der erneute Gipfel etwas gebracht?

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Das kommt darauf an, wie man das Ergebnis bewertet: Laut Trump haben sich beide Seiten auf eine Wiederaufnahme der Gespräche verständigt. Zunächst sollen dazu auf beiden Seiten Arbeitsgruppen gebildet werden - auf US-Seite übernimmt dies Außenminister Mike Pompeo. Gemeinsam sollen diese dann Möglichkeiten suchen, wie die Verhandlungen fortgeführt und die jeweiligen Ziele erreicht werden könnten. Die Sanktionen bleiben nach Trumps Worten vorerst in Kraft.

Trump sprach von einem "sehr, sehr positiven Treffen" mit einer Menge gutem Willen. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte er und nannte das Treffen einen "legendären Moment". Er, aber auch Kim, lobten das Verhältnis beider Staatschefs zueinander. Der US-Präsident betonte nach dem Treffen zudem, dass man nicht in Eile sei. Er sprach auch nicht mehr explizit von Denuklearisierung. Im Vergleich zu seinen früheren Treffen mit Kim scheint Trump also weniger Druck machen zu wollen. Der US-Seite könnte es nun eher um kleine Schritte gehen. Zumindest spricht man wieder miteinander - für Trump ist das ein Erfolg.

Quelle: n-tv.de

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