Ratgeber

Rechtsbeistand finden Die Chemie muss stimmen

Einen Anwalt finden

Das zentrale Kriterium bei der Suche: Ein Rechtsbeistand sollte sich mit dem jeweiligen Fachgebiet auskennen und dafür den Titel "Fachanwalt" oder "Fachanwältin" tragen.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Wer auf der Suche nach einem Rechtsbeistand ist, findet oft übers Internet eine passende Kanzlei. Rechtssuchende sollten vor allem auf die Qualifikationen einer Anwältin oder eines Anwalts achten.

Im Recht sein, ist das eine. Recht zu bekommen, das andere. Gut, wenn man für solche Lebenssituationen einen versierten Anwalt oder eine versierte Anwältin an der Seite hat. Doch wie den Richtigen oder die Richtige finden? Eine Frage, die sich viele stellen. Zumal vor Gericht mitunter sogar ein Anwaltszwang besteht, sprich: Man muss sich in einem Verfahren zwingend anwaltlich vertreten lassen.

"Ein Anwaltszwang besteht im Zivilrecht, wenn der Fall nicht vor dem Amtsgericht, sondern vor dem Landgericht, Oberlandesgericht oder Bundesgerichtshof verhandelt wird", erläutert Sylvia Ruge, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Anwaltvereins. Das Landgericht etwa ist ab einem Streitwert von über 5000 Euro zuständig.

Daneben gibt es bestimmte Gerichtsverfahren, in denen eine anwaltliche Vertretung vorgeschrieben ist. Etwa bei einer Ehescheidung vor dem Familiengericht. "Ist die Scheidung einvernehmlich, darf es hier aber eine gemeinsame Rechtsvertretung für beide Ehegatten sein", so Ruge.

Im Strafrecht ist eine spezielle Art des Anwaltszwangs die Pflichtverteidigung. Ein Verteidiger oder eine Verteidigerin ist ein Muss, wenn die mutmaßliche Tat etwa eine Strafandrohung von mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe vorsieht, wenn Untersuchungshaft in Rede steht oder wenn die Sach- und Rechtslage übermäßig komplex ist.

Anwälte sollten spezialisiert sein

Wer einen guten Anwalt oder eine gute Anwältin sucht, kann sich beispielsweise im Freundes- und Bekanntenkreis umhören, ob jemand Erfahrungen hat und eine Empfehlung aussprechen kann. "Allerdings eine Gewähr, dass diese Person auch für den eigenen Fall die Richtige ist, gibt es natürlich nicht", sagt Michael Sittig von der Stiftung Warentest. Schließlich ist jedes Rechtsproblem anders.

Das zentrale Kriterium bei der Suche: Ein Rechtsbeistand sollte sich mit dem jeweiligen Fachgebiet auskennen und dafür den Titel "Fachanwalt" oder "Fachanwältin" tragen. Mögliche Fachgebiete können etwa Arbeitsrecht oder Mietrecht sein.

Internetsuche kann helfen

Nach solchen und anderen Fachanwälten und -anwältinnen lässt sich im Internet gezielt suchen. "Die Anwälte, die bei der Internetsuche an den ersten Stellen aufploppen, sind aber nicht unbedingt die Besten", warnt Sittig. Sie haben womöglich Geld in die Suchmaschinenoptimierung investiert, weshalb Userinnen und User unmittelbar auf sie stoßen.

"Oft lohnt es sich, in der Trefferliste nach der Sucheingabe weiter herunterzuscrollen und sich die Websites anderer Anwälte anzusehen", erklärt Sittig. Welchen Eindruck macht die jeweilige Website? Mit welchen Erfahrungen und Qualifikationen punktet die Kanzlei?

Eine andere Option: "Es gibt im Internet Suchplattformen, auf denen Rechtssuchende ihr Problem grob schildern können und dann an passende Expertinnen und Experten verwiesen werden", sagt Ruge. Diese Portale sind allerdings teilweise kostenpflichtig. Suchen kann man aber auch über Portale der Bundesrechtsanwaltskammer oder des DAV.

Bei guten Bewertungen kritisch bleiben

Bei Anwaltsbewertungen im Netz ist eher Vorsicht geboten. Viele gute Bewertungen können zwar ein Indiz für die Qualifikation von Anwältinnen und Anwälten sein - "sie müssen es aber nicht", stellt Ruge klar. Auf der anderen Seite muss ein Anwalt nicht schlecht sein, nur weil ein Prozess verloren wurde. "Jeder Rechtsstreit ist individuell, Rechtssuchende sollten lieber auf ausgewiesene Qualifikationen achten", rät Ruge.

Neben den fachlichen Qualifikationen kommt es auch auf ein gutes Vertrauensverhältnis an. Ob ein Draht besteht, können beide Seiten bei einer anwaltlichen Erstberatung testen. "Für Verbraucherinnen und Verbraucher fallen dafür maximal 190 Euro zuzüglich Umsatzsteuer an", sagt Ruge. Die Summe werde häufig im Fall einer Mandatserteilung angerechnet. "Wenn die Chemie im Erstgespräch nicht stimmt, kann es ratsam sein, sich anderweitig umzusehen", so Ruge.

Kontakt muss nicht persönlich sein

Der Kontakt zwischen Mandant und Anwältin muss auch nicht zwingend vor Ort erfolgen. "Wenn man einen Fachanwalt für das eigene Rechtsproblem findet, der Hunderte Kilometer entfernt seine Kanzlei hat, dann muss das kein Hindernis sein", erklärt Sittig. Schließlich kann die Kommunikation mit dem Anwalt oder der Anwältin über Telefon, Email oder Videokonferenz erfolgen.

Kommt es aber in einem solchen Fall zu einem Prozess, kann es teuer werden, warnt Sittig. Muss der Rechtsbeistand, der etwa in Hamburg residiert, für ein Gerichtsverfahren beispielsweise nach München kommen, muss der Mandant oder die Mandantin zum Beispiel Reisekosten und Tagesspesen zahlen.

Mandanten können Anwalt frei wählen

Wichtig zu wissen: Die Rechtsschutzversicherung, sofern ein Rechtssuchender eine solche Police hat, darf dem Versicherungsnehmer keinen bestimmten Anwalt aufdrängen - "es herrscht freie Anwaltswahl", so Ruge. Nur bei der Vergütung ist zu beachten, dass Rechtsschutzversicherungen nur die Vergütung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz zahlen, mehr nicht.

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In einem laufenden Rechtsstreit können Mandantinnen und Mandanten übrigens jederzeit nach dem Prinzip der freien Anwaltswahl den Mandatsvertrag kündigen. "Ratsam ist, zuerst zu klären, ob die neue Anwältin oder der neue Anwalt das Mandat übernimmt, bevor der laufende Vertrag gekündigt wird, damit man nicht mitten im Verfahren ohne anwaltlichen Beistand dasteht", sagt Ruge.

Andersherum müssen sich Mandantinnen und Mandaten keine großen Sorgen machen: Will ein Anwalt oder eine Anwältin das Mandat niederlegen, müssen sie beachten, dass dies nicht zur Unzeit erfolgen darf. "Mandantinnen und Mandanten müssen die Chance haben, sich eine neue Vertretung zu suchen", so Ruge.

Quelle: ntv.de, Sabine Meuter, dpa

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