Formel1

Rennausfall in 2022 denkbar? Formel 1 fürchtet folgenschwere Lieferprobleme

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Welche drei Teams in Australien fast vergeblich auf Equipment gewartet hätten, ist nicht bekannt.

(Foto: IMAGO/PanoramiC)

Auf dem Weg zum Großen Preis von Australien droht wichtiger Fracht eine spürbare Verspätung. Der deutsche Logistikpartner der Formel 1 interveniert rechtzeitig. Trotzdem wächst unter den Teams offenbar die Sorge, dass gestörte Transportabläufe den engen Zeitplan beeinflussen.

Lieferschwierigkeiten vor dem Großen Preis von Australien hätten fast dafür gesorgt, dass drei Formel-1-Teams an diesem Wochenende auf wichtige Ausrüstung hätten verzichten müssen. Nur dank der Intervention von Logistikpartner DHL konnte dies in letzter Minute verhindert werden, wie "Autosport" berichtet. Demnach reiste mit Paul Fowler eigens der Vizepräsident für Motorsport-Logistik nach Singapur, um eine kurzfristige Verladung vom deutlich verspäteten Frachtschiff in Flugzeuge und damit die rechtzeitige Ankunft in Melbourne sicherzustellen.

Wie groß die Auswirkungen auf das Rennen in Melbourne (Sonntag, 7 Uhr/Sky und im Liveticker bei ntv.de) gewesen wären, bleibt zwar reine Spekulation. In der Formel 1 selbst aber gibt es offenbar längst die Sorge, dass die weltweiten Einschränkungen der Lieferketten und Transportabläufe zu spürbaren Beeinträchtigungen führen könnten. "Momentan kann dir, glaube ich, niemand eine Garantie geben, dass irgendetwas zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt", sagt Haas-Teamchef Günther Steiner dazu, der gemeinhin für seine klaren Worte geschätzt wird.

"Ich denke, die Formel 1 nimmt das [Problem; Anm.d.Red] ernst, aber es ist eines dieser Dinge, die du nicht wirklich kontrollieren kannst", so der Italiener weiter, dessen Rennstall schon vor Saisonbeginn bei den Testfahrten in Bahrain von einer Verspätung beeinträchtigt worden war. Haas durfte die verpasste Zeit auf der Strecke nach Rücksprache mit der Formel 1 zwar nachholen, bei einem Qualifying oder Rennen ist diese Lösung aber natürlich unmöglich. In der Motorrad-Weltmeisterschaft MotoGP musste am vorigen Wochenende ein ganzer Trainingstag abgesagt werden, weil Transportflieger zu spät in Argentinien ankamen.

Kosten mehr als 20-mal so hoch

Der enge Zeitplan der Formel 1 macht selbst geringe Verspätungen, die neben der Corona-Pandemie inzwischen auch auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zurückzuführen sind, problematisch. Zwischen 20. März und 20. November sind innerhalb von 246 Tagen weltweit 23 Grands Prix geplant - im Schnitt also alle 10,7 Tage. Diese enge Taktung macht die Königsklasse des Motorsports verwundbar, sobald wichtige Ausrüstung der Teams oder gar die Autos selbst von einer Verzögerung betroffen sein sollten.

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"Es wird nicht leichter", sagt Steiner mit Verweis auf die laufende Saison, und dürfte damit auch die massiv gestiegenen Transportkosten meinen. Der bereits erwähnte Fowler berichtete "Autosport" in dieser Woche von Preisen, die 20-mal höher liegen als zuvor: Der Versand eines Containers etwa habe vorher "rund 900 US-Dollar" gekostet und liege jetzt "bei knapp 20.000 US-Dollar". Für die zehn Teams der Formel 1 ist das umso problematischer, weil die Transportkosten in die Kostenobergrenze von 140 Millionen US-Dollar einfließen, die in diesem Jahr gilt.

Zwar besitzen die Rennställe viele Teile in mehrfacher Ausführung, die dann im Rotationsverfahren zum Einsatz kommen und deshalb auf zwar zeitlich länger dauernden, aber günstigeren Wegen versendet werden. Dennoch machen sich die zusätzlichen Ausgaben angesichts des begrenzten Budgets bemerkbar. "Alle stehen vor dem gleichen Problem", sagt Steiner, und schlägt vor, über eine Anpassung nach oben zu sprechen. Was der Formel 1 sicher deutlich leichter fiele, als wenn im schlimmsten Fall ein komplettes Rennwochenende aufgrund von Lieferproblemen beeinträchtigt werden sollte.

Quelle: ntv.de, tsi

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