Fußball-EM

Jetzt beugt sich auch London Die UEFA wahrt den schönen EM-Schein

imago1003245222h.jpg

Hauptsache, bunt und fröhlich.

(Foto: imago images/NurPhoto)

Bislang läuft die Fußball-Europameisterschaft wie geplant. Feiernde Fans, zunehmend volle Stadien - und alle Veranstalter machen, was die UEFA verlangt. Auch London beugt sich dem Druck. Es ist eine EM der schönen wie fragwürdigen Bilder.

Glückwunsch, Europäische Fußball-Union! Die Fußball-Europameisterschaft wird laufen wie geplant. Ein Jahr später zwar, aber unter dem Label EURO 2020. Als wäre die Pandemie nicht weiter tragisch, als (zer)störe sie nicht das Leben von Menschen weltweit. Friede-Freude-Eierkuchen-Spiele in Budapest trotz ungarischer Hooligans auf den Rängen und national-rückwärtsgewandter Regierung im Amt. Keine Regenbogen-Flagge auf der Arena in München. Finale in London trotz zunehmender Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus. Die EM wird dem Plan der UEFA folgen. Alles wird aussehen, wie es soll.

Weil alle wissen: Wer nicht spurt, verliert. Zu sehen war das bereits an den Austragungsorten Dublin und Bilbao, die kurzerhand aussortiert wurden, weil sie keine Garantie bei den von der UEFA geforderten Zuschauerzahlen geben wollten. Zu sehen ist es jetzt wieder an London. Die britische Regierung hebt die Quarantäne-Regeln für VIP-Gäste der UEFA auf. Isolation? Ach was, für offizielle EM-Besucher nicht nötig. Weil der Verlust des Finals drohte. Weltweite Aufmerksamkeit verlieren? Besser nicht! UEFA-Präsident Aleksander Ceferin bekommt, was er fordert.

Einzig die Regenbogen-Frage von München hat den schönen Schein etwas angeknackst. Aber das ist natürlich alles gar nicht so gemeint - und München trägt mit seinem politisch gestellten Antrag eh selbst die Schuld am zwingenden Verbot. So und mit dem eigenen Logo in Regenbogenfarben versucht die UEFA auch bei diesem Thema die Deutungshoheit zu wahren.

Überall volle Stadien

Widersprüchliche Bilder gibt es dieser Tage zuhauf. Das gut gefüllte Parken-Stadion in Kopenhagen wirkte beim 4:1-Erfolg der Dänen über Russland wie ein Fenster in die Zukunft. Das Raunen der Fans bei der sich langsam verbreitenden Nachricht vom belgischen Führungstreffer gegen Finnland, die Stille bei der zweifelhaften Elfmeterentscheidung gegen den Gastgeber. Am Ende lagen sie sich auf den Tribünen glückselig in den Armen, Bier flog durch die Luft. Die Sympathien sind den Skandinaviern ohnehin immer gewiss, nach dem Drama um Christian Eriksen noch umso mehr.

Ein paar Tage zuvor gab es ähnliche Bilder aus Ungarn. Nur dort waren es nicht die sympathischen Dänen, die das Stadion füllten, sondern die bedrohlich wirkenden Fans der ungarischen Nationalmannschaft. Sie, wie eben auch Viktor Orban, sind die Bad Boys des Turniers. Niemand möchte den Protestmarsch rechtsoffener Gruppen gegen die mühsam erstrittenen Werte der westeuropäischen Kultur sehen. Aber sie sind Realität und auch diese Bilder senden Signale. Mögen diese auch noch so befremdlich wirken, sie finden ihre Adressaten.

Nun also 60.000 Zuschauer bei den noch anstehenden Halbfinals und dem Finale. Natürlich mit VIPs, ohne Quarantäne. Ceferin zeigte sich bereits nach der Kapazitätserhöhung begeistert. Er sprach von der EM als ein "Leuchtfeuer der Hoffnung" für die Menschen, die sich eine Rückkehr zur Normalität wünschen. Die nun von der britischen Regierung angekündigten 60.000 Zuschauer bei den Finalspielen seien "ein weiterer Schritt auf diesem Weg", sagte Ceferin. Premierminister Boris Johnson jubelte: Das Land freue sich auf "fantastische" Finalspiele, ließ er mitteilen. Sportminister Oliver Dowden ergänzte: "Die Finalspiele versprechen ein unvergesslicher Moment in unserem nationalen Bestreben zu werden, die Pandemie zu überwinden."

Mehr zum Thema

Dabei ist ein Ende der Ausbreitung der Delta-Variante nicht in Sicht. Aber es werde ja ganz harmlos, schließlich gehe es nur um "eine sehr begrenzte Anzahl von Menschen", die nur für ein Spiel anreisen würden, sagt der Minister für Medien, Digitales, Kultur und Sport, John Whittingdale. Seine Begründung: "Wir wären nicht in der Lage gewesen, das Turnier in Wembley auszurichten, wenn wir den Spielern und Leuten, die mit den Teams verbunden sind, nicht erlaubt hätten, hierherzukommen."

Pandemie-Eindämmung? Egal! Wichtiger sind die Bilder, die Wünsche der sehr durchsetzungsfähigen UEFA, das Geld, das damit zusammenhängt. Das gilt zumindest für die Ausrichter und die Veranstaltungsorte. Für andere gilt: Die widersprüchlichen Bilder werden bleiben, die Pandemie auch.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen