Fußball

Sportvideos für die Quarantäne Als der Bayern-Traum im Trauma endet

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Blankes Entsetzen: Die Bayern hatten das Spiel doch quasi schon gewonnen.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Der Live-Sport steht still, die Coronavirus-Krise stoppt die Ligen, Wettkämpfe sind abgesagt. Auf Sport aus dem TV muss trotzdem niemand verzichten, schließlich gibt es Aufzeichnungen von historischen Ereignissen. Heute: Wie der FC Bayern in 102 Sekunden die Champions League verliert.

Dieser Schmerz vergeht wohl nie. Für Oliver Kahn ist diese eine Pleite sogar die "Mutter aller Niederlagen". Am 26. Mai 1999 verliert der FC Bayern München im Champions-League-Finale gegen Manchester United 1:2. Nicht irgendwie, sondern so dramatisch wie nur irgend möglich. Selbst das verlorene "Finale Dahoam" von 2012 kommt nicht dagegen an - und das war schon grausam.

Sogar die Siegertrophäe ist schon in bayrischen Farben vorbereitet, so dominiert das Team des damaligen Bayern-Trainers Ottmar Hitzfeld die ersatzgeschwächten Engländer. Bis zur Nachspielzeit führen die Münchner mit 1:0 dank eines Freistoßtreffers von Mario Basler. Doch dann: "Das darf nicht wahr sein", ruft RTL-Kommentator Marcel Reif. Nach 90 Minuten und 36 Sekunden steht es durch ein Tor von Teddy Sheringham 1:1. Im Camp Nou entfernen die Uefa-Mitarbeiter hastig die Bayern-Flatterbänder vom Pokal.

Zu Recht: In der 93. Minute fällt das 2:1 für Manchester. Ole Gunnar Solskjaer lässt Oliver Kahn im Bayern-Tor keine Chance. Das Spiel ist gedreht, aber noch nicht vorbei. Stefan Effenberg schlägt den Ball nach vorn, doch Markus Babbel kommt nicht mehr heran, United klärt, das Spiel ist aus. Bayern hat verloren. Zwei Tore in der Nachspielzeit, innerhalb von 102 Sekunden, enden alle Münchner Träume.

Niemand kann es fassen, auf beiden Seiten nicht. Manchesters Trainerlegende Sir Alex Ferguson stammelt in die Mikrofone: "Ich kann es nicht glauben. Ich kann es einfach nicht glauben. Fußball, bloody hell!" Basler fragt völlig entsetzt seinen Präsidenten Franz Beckenbauer: "Ist das wirklich wahr oder träume ich das hier nur?" Es ist wahr. Und für Beckenbauer mindestens genauso schwer zu begreifen.

Der hat die Tragödie nämlich nicht einmal mit eigenen Augen gesehen: Gemeinsam mit dem damaligen Uefa-Präsidenten Lennart Johansson und Tennis-Idol Boris Becker macht er sich von der Ehrentribüne auf zur Siegerehrung.

Bayern-Fan Becker erzählt noch Jahre später: "Als wir in den Aufzug stiegen, stand es 1:0 für Bayern. In der Aufzugskabine hörten wir Jubel. Wir dachten: Okay, der Abpfiff. Als wir kurze Zeit später durch die Katakomben in Richtung Rasen gingen, sahen wir die Man-United-Spieler jubeln, die Bayern lagen am Boden. Ich dachte: Mist, doch der Ausgleich. Kurz darauf blinkt es an der Anzeigetafel: 1:2! Wir haben uns angeguckt und konnten es nicht glauben." Und doch ist es wahr. Ein Spiel, das Reif nur so kommentiert: "Wissen Sie was, ich habe gar keine Lust, das hier zu analysieren."

Quelle: ntv.de