Fußball

Enthüllung um Katars WM-Stadien Arbeiter müssen Milliarden an Anwerbegebühren zahlen

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Arbeiter in Katar sind oft gefangen in einer Art Schuldknechtschaft.

(Foto: picture alliance / Andreas Gebert/dpa)

Während FIFA-Präsident Infantino Katar in Sachen Menschenrechten mal wieder verteidigt, enthüllt ein Bericht bombastische Zahlungen, die Migrantinnen und Migranten aufbringen müssen, um in Katar zu arbeiten. Nach diesem illegalen Prozess landen sie oft in modernen Sklaverei-Verhältnissen.

Am Donnerstag verteidigte FIFA-Präsident Gianni Infantino auf dem Kongress des Fußballweltverbands in Doha seine katarischen Freunde einmal mehr energisch und lobte angebliche Fortschritte in Sachen Menschenrechte und Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter in dem Emirat. Zeitgleich veröffentlichte die britische Zeitung "Guardian" eine Untersuchung, die ergeben hat, dass Niedriglohn-Wanderarbeiterinnen und -arbeiter in den letzten zehn Jahren Milliarden von Euros an Vermittlungsgebühren zahlen mussten, um sich ihre Arbeitsplätze im WM-Gastgeberland Katar zu sichern.

Für einen Platz im von Missbrauch durchseuchten Arbeitssystem in Katar, auch um auf den Stadionbaustellen auf anderen Bau- und Gastgewerbeprojekten im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Winter zu arbeiten, mussten die Migrantinnen und Migranten demnach tief in die Tasche greifen. Dafür machten sie oft Schulden bei ihrem Arbeitgeber in Katar und bezahlten dann über einen Zeitraum von einem Jahr ihre Schulden ab.

Dadurch sind sie oft gefangen in einer Art Schuldknechtschaft - eine Form der modernen Sklaverei -, da sie ihre Jobs nicht verlassen können, bevor die Schulden zurückgezahlt sind. Arbeiterinnen und Arbeiter aus Bangladesch und Nepal, die etwa ein Drittel der zwei Millionen ausländischen Arbeitskräfte in Katar ausmachen, zahlen in der Regel jeweils Gebühren von umgerechnet 2700 bis 3600 beziehungsweise 900 bis 1350 Euro, verdienen anschließend aber nur etwa knapp 250 Euro im Monat.

Zahlen, um gefangen gehalten zu werden

Im Januar hatte auch Hiba Zayadin, leitende Golf-Expertin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), im Gespräch mit ntv.de bestätigt, dass in Katar "die Mehrheit der Arbeiter weiterhin unter Missbrauch leidet". Die Arbeitgeber verfügten nach wie vor über "verschiedene Kontrollinstrumente", die sie einsetzen würden, "um die Arbeitnehmer in ausbeuterischen und missbräuchlichen Bedingungen gefangen zuhalten". Letztere müssten etwa manchmal monatelang vergeblich auf ihren Lohn warten und trotzdem schuften.

Die Arbeitskräfte kommen hauptsächlich wegen eines Mangels an Arbeitsplätzen und noch niedrigeren Löhnen in ihren Heimatländern nach Katar. Insgesamt mussten laut der Enthüllung des "Guardian" bangladeschische Männer, die nach Katar zum Arbeiten auswanderten, zwischen 2011 und 2020 umgerechnet rund 1,35 Milliarden Euro an Gebühren zahlen, möglicherweise sogar bis zu 1,8 Milliarden. Nepalesische Männer haben demnach in den vier Jahren zwischen Mitte 2015 und Mitte 2019 insgesamt etwa zwischen 300 und 360 Millionen Euro zahlen müssen.

Die Zeitung schätzt die kompletten Zahlungen, die Katars Niedriglohnmigrantinnen und -migranten aufbringen mussten, noch weitaus höher ein, da es sich bei den obigen Zahlen nur um die Kosten der Männer handelt und außerdem Arbeiterinnen und Arbeiter aus anderen Entsendeländern in Südasien und Afrika ebenfalls hohe Gebühren zahlen müssen.

Laut des Berichts sind die berechneten Zahlen eine Schätzung, die auf der Verbreitung und den Kosten von Anwerbegebühren und damit verbundenen Ausgaben basiert, die von zahlreichen Menschenrechtsgruppen und Arbeitsexperten zwischen 2014 und 2022 gemeldet wurden. Eine Reihe von Arbeitsrechtsgruppen hätten dem "Guardian" die Zahlen bestätigt. Die Erhebung von Anwerbegebühren ist in Katar illegal, aber die Praxis ist weit verbreitet und tief verwurzelt. Sie ist in allen Golfstaaten gang und gäbe.

Quelle: ntv.de, dbe

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