Fußball

Erster Auftritt seit Monaten Beckenbauer staunt beim Stadion-Comeback

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Franz Beckenbauer konnte das torreiche erste Geister-Heimspiel des FC Bayern in Ruhe genießen.

(Foto: Peter Schatz / Pool )

Franz Beckenbauer meidet öffentliche Auftritte seit langer Zeit, seine Rückkehr in die Bundesliga - wenigstens auf der Tribüne - kommt überraschend. Sein Kommen bereut der Ehrenpräsident des FC Bayern nicht.

"Ich werde das Geisterspiel genießen und mich ganz auf die Aktionen auf dem Platz konzentrieren", hatte Franz Beckenbauer vor seiner Rückkehr in die Allianz Arena der "Bild"-Zeitung gesagt. "Sonst werde ich immer wieder gefragt: Franz, wie hast du das gesehen? Dabei mag ich es viel mehr, Fußball zu schauen, ohne viel reden zu müssen."

Und was der Ehrenpräsident des FC Bayern von den eigenen Spielern und denen der Gäste aus Frankfurt geboten bekam, taugte ihm, wie er nach dem 5:2 des Tabellenführers gegen den Abstiegskandidaten "Sport1" verriet: "Die Bayern sind in einer sehr starken Verfassung. Aber die Frankfurter haben auch sehr gut gespielt", sagte Beckenbauer. "Unter diesen Umständen, ohne Fans und Atmosphäre, war das ein hervorragendes Fußballspiel. Kompliment an beide Mannschaften, das war wirklich sehr, sehr guter Fußball."

Der Besuch der Vereinsikone war natürlich dem Personal auf und neben dem Rasen nicht entgangen: "Ich kenne ihn schon länger und habe ihn auch öfter bei der Nationalmannschaft getroffen und auch hier in München. Es freut mich, dass er im Stadion war", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Er ist ein Mensch, der im Fußball eine große Vergangenheit hat, gerade auch beim FC Bayern München. Ich freue mich, dass er so ein Spiel gesehen hat, und hoffe, dass er noch öfter kommt." Leon Goretzka, Torschütze zum 1:0, freute sich ebenfalls: "Es ist schön, unter seinen Augen zu spielen. Ich hoffe, er hat Spaß dabei gehabt."

"Verlasse die häusliche Umgebung"

Beckenbauer, der von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gemeinsam mit Uli Hoeneß zu dem Geisterspiel eingeladen worden war, saß mit Kappe und Mundschutz auf der Tribüne und lobte anschließend das Niveau. "Es ist zwar für den Fußballfan nicht ganz befriedigend, weil er nicht ins Stadion darf. Von der Leistung der Spieler her gibt es aber keinen Unterschied", sagte er. Grundsätzlich befürwortet Beckenbauer, dass die Bundesliga während der Coronavirus-Pandemie ihren Spielbetrieb wieder aufgenommen hat.

Zuschauer sind in den Bundesliga-Stadien mindestens bis Saisonende grundsätzlich nicht erlaubt. Gastgebende Mannschaften dürfen eine Delegation von acht Personen auf der Tribüne haben. Den Gäste-Klubs ist eine Gruppe von vier Personen gestattet.

Am Freitag hatte Beckenbauer seinen überraschenden Besuch angekündigt: "Nach längerer Zeit verlasse ich mal wieder die häusliche Umgebung", wurde er von der "Bild"-Zeitung zitiert. In den letzten Jahren hatte sich der wegen seiner ungeklärten Rolle in den Millionen-Schiebereien rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 in die Kritik geratene "Kaiser" kaum noch in der Öffentlichkeit gezeigt. Auch aus gesundheitlichen Gründen.

Im gerade zu Ende gegangenen "Sommermärchen"-Prozess spielte Beckenbauer keine Rolle: Das Verfahren gegen den 74-Jährigen wurde im vergangenen Jahr abgetrennt. Seine Ärzte attestierten ihm, dass er weder vernahme- noch verhandlungsfähig ist, die Vorwürfe sind inzwischen verjährt. Mittlerweile geht es dem Weltmeister-Trainer von 1990 offenbar wieder besser.

Quelle: ntv.de, ter