Fußball

"Schrulliger" Plan gegen Real? City zittert vor Guardiolas zerstörerischem Genie

Manchester City ist im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid Favorit - oder vercoacht sich Josep Guardiola doch wieder? Der ewige Vorwurf des "Overthinking" ploppt auch nun wieder auf. Und der Katalane kontert das mit einer rätselhaften Idee.

Josep Guardiola kann es schlicht nicht mehr hören. Dem ewigen Vorwurf, er vercoache regelmäßig die großen Spiele, begegnet der Teammanager von Manchester City nur noch mit Sarkasmus. "In der Champions League denke ich immer zu viel nach", sagte er kürzlich und lächelte dazu spöttisch, "ich liebe es, dumme Taktiken zu erfinden." Das war selbstredend nicht ernst gemeint - und doch wird der Katalane den Makel des "Overthinking" nicht los. Wird er es auch im Halbfinal-Hinspiel gegen Rekordsieger Real Madrid mit Topstürmer Karim Benzema am Dienstag (21 Uhr bei Amazon Prime und im Liveticker bei ntv.de) übertreiben? In Manchester geht die Angst um, dass Guardiola das mögliche Traumfinale gegen den FC Liverpool unnötig aufs Spiel setzt.

Der Katalane, schrieben die "Evening News", bastle an einer "schrulligen" Idee: Angreifer Gabriel Jesus, gerade noch vierfacher Torschütze gegen den FC Watford und von Guardiola fortan mit der Neuner-Legende Christo Stojtschkow verglichen, könnte angesichts der Personalprobleme in der Defensive aushelfen. "Wenn Gabriel Rechtsverteidiger spielen muss, spielt er Rechtsverteidiger, kein Problem", sagte Guardiola schulterzuckend.

Verdammt oft verzockt

Dass der 51-Jährige taktisch gerne hasardiert, ist längst und ausreichend belegt. Im Champions-League-Finale 2021 verzichtete er auf einen echten Sechser und auf Stamm-Linksverteidiger Joao Cancelo. Dessen Vertreter Oleksandr Sintschenko ließ Chelseas Kai Havertz vor dem Siegtor entwischen. In der Saison davor erlitt der Katalane im Viertelfinale gegen Lyon mit einer Dreierkette Schiffbruch. 2019 opferte er in derselben Runde gegen Tottenham mit Kevin De Bruyne seinen besten Mann - und scheiterte. 2018 war ebenfalls in der Runde der letzten Acht Endstation - auch, weil Guardiola gegen Liverpool İlkay Gündoğan völlig überraschend links spielen ließ und damit die Statik des City-Spiels aushebelte.

Guardiola hat mit City seit seinem Amtsantritt 2016 zwar dreimal die Meisterschaft gewonnen, der letzte Champions-League-Triumph ist für ihn aber lange her. 2009 und 2011 war ihm das jeweils mit dem FC Barcelona gelungen. Beim FC Bayern scheiterte der mittlerweile 51-Jährige anschließend ebenso wie bislang auch mit den Engländern. Real habe schon "einige Trophäen im Schrank", sagte Guardiola über die 13 Pokale von Real nur in der Königsklasse. Das soll auch ein Versuch sein, die Favoritenrolle zum Team von Trainer Carlo Ancelotti zu schieben. Doch die Kräfteverhältnisse haben sich längst verändert.

"Wichtig ist, dass City einem Team wie Real Madrid mittlerweile ebenbürtig ist", sagte Carlos Tevez in einem Interview auf der Internetseite des Klubs aus Manchester. Der Ex-Profi sieht das als großen Fortschritt an und kann keinen Grund ausmachen, warum die Engländer Angst vor Madrid haben sollten. City investierte in den vergangenen Jahren jede Menge Geld, um es in Europa endlich ganz nach oben zu schaffen.

"Das ist eine brutale Truppe"

Klappt es diesmal? Nun, Guardiola plant offenbar bereits Großes. "Es wäre doch langweilig, wenn ich immer gleich spielen würde", hielt Guardiola den Kritikern schon Anfang April entgegen, er müsse sich schließlich auch dem Gegner anpassen. Immerhin: Im Achtelfinale 2020 hatte Guardiola die Königlichen ausgeschaltet (2:1/2:1). Auch diesmal hofft er auf "eine besondere Nacht" und forderte: "Wir sollten es genießen und alles geben, was in unseren Seelen steckt." Doch auf der anderen Seite stehen das große Real und Benzema. "Verdammte Hölle", sagte City-Profi Rodri, "dieser Kerl ist in jedem Spiel Wahnsinn. Wir müssen auf der Hut sein!"

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Während Manchester erst zum dritten Mal in der Vorschlussrunde steht, gehört Madrid bereits zum 30. Mal zu den Top Vier. Auf dem Weg dahin hat die Elf um Ex-Nationalspieler Toni Kroos Topteams wie Paris St. Germain und Guardiolas Schreckgespenst, den FC Chelsea, ausgeschaltet. Neben Sechser Casemiro ist zwar auch der Abwehrchef David Alaba angeschlagen, doch Gündoğan warnt vor Leichtsinn: "Das ist eine brutale Truppe."

Und zumindest ein bisschen untermauerten die Königlichen das bei ihrer Generalprobe, die gelang mit einem 3:1-Sieg gegen Osasuna, allerdings verschoss Superstar Benzema dabei gleich zwei Elfmeter. Der Franzose hatte im Viertelfinal-Rückspiel noch das entscheidende Tor geschossen und so für das Aus von Titelverteidiger Chelsea gesorgt. Beim 3:1 im Hinspiel war der Angreifer in London sogar dreimal selbst erfolgreich.

Quelle: ntv.de, tno/sid/dpa

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