Fußball

Zweifel an ehrlicher S04-Hilfe "Das zeigt, was Tönnies für ein Mensch ist"

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Clemens Tönnies hatte stets gesagt, dass er Schalke 04 nicht hängenlassen werde.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Der FC Schalke 04 muss im verzweifelten Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga auf die Millionen von Clemens Tönnies verzichten. Die Hilfe des ehemaligen Klubchefs wird abgelehnt. Nun werden Vorwürfe laut, das Angebot sei eh zum Scheitern verurteilt gewesen.

Es gibt eine gute Nachricht für den FC Schalke 04. Und eine schlechte. Sie lautet: Clemens Tönnies wird dem Fußball-Bundesligisten nicht mit einigen Millionen Euro helfen. Gut ist diese Nachricht für all jene, die standhaft sind, die angesichts der womöglich größten sportlichen Krise in der Geschichte des Klubs nicht umfallen und ihre Überzeugungen gegen den ehemaligen Boss verteidigen. Die nicht vergessen haben, warum sie ihn beim Malocherklub nicht mehr haben wollten. Schlecht ist diese Nachricht für die sportlichen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Vereins. Mit den Millionen von Tönnies wären wertvolle Zugänge für die rechte Abwehrseite und das Sturmzentrum möglich gewesen.

So müssen nun andere Lösungen her. Aber gibt es sie? Eigentlich nicht. Zumindest keinen einfachen oder schmerzhaften. Um nach Sead Kolasinac weitere Verstärkungen zu verpflichten, müssten Spieler verkauft werden. Mindestens einer. Ozan Kabak eventuell, das Abwehrtalent verspricht die derzeit wohl höchste Summe. Um Qualität zu bekommen, muss man sich von Qualität trennen. Eine ziemlich absurde Situation für den Tabellenletzten der Bundesliga, der an diesem Samstag für Aufsehen sorgen wird. Denn entweder stellt die Mannschaft von Christian Gross den ewigen Negativrekord der Berliner Tasmania ein und bleibt auch im 31. Bundesligaspiel in Folge ohne Sieg. Oder sie gewinnt gegen die TSG Hoffenheim und vertreibt damit den tasmanischen Teufel in einem finalen Showdown doch noch.

Ziemlich "scheißegal" ist das Hubertus Koch. Der Journalist, Filmemacher und Fan der Königsblauen sorgt sich vielmehr um den traurigen Fakt, dass "es so aussieht, als würde Schalke in die zweite Liga absteigen." Historische Rekordmarken? Unwichtig. Was kratzt's die königsblaue Sau, ob's dann nun am Ende "30, 31, vierzich oder gar fuffzich Spiele sind", sagt Koch gegenüber ntv/RTL. Überlagert wird in diesen Tagen auf Schalke tatsächlich alles von Clemens Tönnies, selbst die kleine Euphorie um Heimkehrer Kolasnic geht im bitteren Kampf um den vermeintlichen "Retter" ziemlich unter. Und weil Tönnies mit seinem Hilfsangebot eben die Rolle des Retters an- und eingenommen hätte, ist die Situation so explosiv. So brisant.

"Er will die Absolution erhalten"

Denn als großen, selbstlosen Helfer sehen den Fleisch-Guru in Gelsenkirchen tatsächlich viele nicht. Zu viel ist in den vergangenen Jahren zwischen Tönnies und Schalke zerbrochen. Koch würde die Inszenierung des 64-Jährigen als Retter des Klubs nur schwer ertragen, denn "es waren seine jahrelange Misswirtschaft und seine Entscheidungen, die ja überhaupt zu der derzeitigen Situation geführt haben." Und die ist eben bekanntermaßen sportlich und wirtschaftlich existenzbedrohend.

Immer lauter werden derweil auch die Vorwürfe, dass Tönnies' Angebot nicht so großherzig und selbstlos war, wie er im Exklusiv-Interview mit ntv/RTL noch Ende Dezember angekündigt hatte. Vor allem die zwingende Forderung, dass der Aufsichtsrat geschlossen für Tönnies' Unterstützung hätte stimmen müssen, sorgt für reichlich Unmut und Unverständnis. "Diese Einstimmigkeitsklausel zeigt doch, was Tönnies für ein Mensch ist. Er will die Absolution erhalten", sagt Koch. Tönnies wolle nicht einfach nur dem Verein helfen, "sonst könnte er das Geld ja auch schenken oder aber müsste nicht irgendwelche Bedingungen stellen." Auch in den Kommentaren des "Kicker" und bei der "Sportschau" werden Eitelkeit und Inszenierung von Tönnies hart thematisiert.

Wusste Tönnies von der Ausweglosigkeit?

Es werden sogar durchaus deutlich Vorwürfe erhoben, dass das Angebot bereits vorab keine Chance auf Akzeptanz gehabt hätte. Wie es bei der "Sportschau" heißt, soll Tönnies gewusst haben, dass er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kein einstimmiges Votum bekommen würde. Mindestens ein Mitglied aus dem Aufsichtsrat soll sich bereits in Vorgesprächen vehement gegen das Angebot ausgesprochen haben. Nun waren es am Ende sogar zwei. In der "Bild"-Zeitung werden sie sogar namentlich genannt. Damit werden skurrile Verantwortlichkeiten geschaffen. Frei nach dem Motto: Sie verhinderten die Rettung! Sollten die Vorwürfe indes stimmen, dass Tönnies über die aussichtslose Einstimmigkeit wusste, dann wäre es der Fleisch-Baron höchst selbst gewesen, der seine angebotene Mission verhindert hat.

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Nun wirft das die durchaus berechtigte Frage auf: Warum reichte Tönnies eine einfache Mehrheit im entscheidenden Gremium nicht? Noch dazu eine so deutliche wie sie nun erreicht wurde, mit neun zu zwei. Eine zufriedenstellende Antwort darauf gibt es noch nicht. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte er in einer ersten Reaktion auf das abgelehnte Angebot, er habe sicherstellen wollen, dass "alle geschlossen hinter dem Konzept stehen, unter allen Umständen den Klassenerhalt zu sichern." Er beuge sich der Entscheidung: "Obwohl ich sie natürlich bedauere."

Der "Kicker" vermutet derweil eine Scheindiskussion um die Hilfe von Tönnies. Denn selbst ein selbstloses Angebot des Patrons wäre vermutlich gescheitert. Am Veto des Vorstands, der sich im Sommer deutlich gegen Tönnies positioniert hatte.

Quelle: ntv.de