Fußball

Riskantes Spiel mit Haaland Der "Unverkäufliche" stresst den BVB arg

231335181.jpg

Erling Haaland wird sich die Situation beim BVB in den kommenden Wochen ganz genau anschauen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei Borussia Dortmund gilt Erling Haaland unabhängig von der Qualifikation für die Champions League als unverkäuflich. Fraglich ist allerdings, ob sich der Torjäger eine Saison ohne die große Bühne Königsklasse antun wollen würde. Für den BVB birgt die Personalie ein Risiko.

So richtig glücklich wirkte Erling Haaland in den letzten Wochen nicht. Hier ein bisschen mehr Abwinken in Richtung der Mitspieler nach missglückten Zuspielen, dort ein bisschen häufiger das Aufsetzen eines Schmollmunds. Kein Wunder, die aktuelle Krise des BVB mit nur einem Sieg und drei Niederlagen aus den letzten fünf Bundesligaspielen dürfte den 20-jährigen Norweger tief in seiner Sportler-Ehre kränken.

Mit seinem überbordenden Ehrgeiz nervt Haaland manchmal sogar die eigenen Mitspieler, wie Thomas Delaney einmal in einem "ESPN"-Interview nur wenig augenzwinkernd eingestand. Alles beim wohl größten Sturm-Talent der Welt müsse "auf den Punkt stimmen", schilderte der Däne - umso bitterer für Haaland, dass beim BVB derzeit so gut wie gar nichts stimmt. Tabellenplatz sechs ist genauso unter der Würde Dortmunds (und Haalands) wie der Rückstand von inzwischen vier Punkten auf Rang vier, der noch zur Teilnahme an der Champions League in der kommenden Saison berechtigen würde.

Bangen um die CL-Quali

Die Qualifikation für die Königsklasse müsse "über allem stehen - bei jedem", alarmierte Sportdirektor Michael Zorc bereits nach der 2:4-Klatsche in Gladbach am 18. Spieltag in "Bild am Sonntag". Dass die Schwarz-Gelben zwei Wochen später nach dem vermeintlichen Befreiungsschlag gegen Augsburg auch beim vormaligen Lieblingsgegner Freiburg verlieren würden, hatte Zorc damals sicherlich noch nicht mit eingepreist.

An Haaland liegt es nicht, dass der BVB seine Ziele in dieser Saison krachend verfehlen könnte. Der Youngster liefert trotz der häufig dürftigen Mannschaftsleistungen und der immer mehr aufkommenden Unruhe um ihn herum beständig ab. 22 Treffer erzielte er in ebenso vielen Pflichtspielen. Hinzu kommen sechs Vorlagen. In der Liga ist Haaland alle 75 Minuten an einem Tor beteiligt - ein überragender Wert.

Fraglich ist allerdings angesichts der jüngsten Entwicklung in Dortmund, wie lange Haaland noch Bock auf den BVB hat. Ein Jahr ohne Champions League oder womöglich gar komplett ohne internationalen Wettbewerb ist in seinem ambitionierten Karriere-Plan sicher nicht vorgesehen.

Unverkäuflich - und trotzdem nicht zu halten?

Dass Haaland beim BVB intern angeblich trotz der Finanz-Sorgen durch die Corona-Krise und ein mögliches Verpassen der Champions League als unverkäuflich deklariert wurde, könnte sich im schlechtesten Falle deswegen schon bald als Makulatur entpuppen. Denn mit welchen Argumenten sollen die Verantwortlichen ihren besten Spieler von einem Verbleib für mindestens eine weitere Saison überzeugen, wenn das im Sommer womöglich ohne größere finanzielle Mittel umgestaltete Team 2021/2022 nur in der Bundesliga und im DFB-Pokal an den Start geht?

Zwar sitzt der BVB bei Haaland vertragsbedingt theoretisch am längeren Hebel, da seine Ausstiegsklausel in Höhe von angeblich 75 Millionen Euro wohl erst ab 2022 gilt. In der Praxis ist es aber selten eine gute Idee, Stars mit Abwanderungsgedanken gegen ihren Willen im Verein halten zu wollen. Die Negativbeispiele Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang sind jedem in Dortmund noch präsent. Auch der zuletzt formverbesserte Jadon Sancho brauchte mehrere Monate, um seinen geplatzten Wechsel im letzten Sommer zumindest einigermaßen aus den Kleidern zu schütteln.

Viele Gerüchte um Haalands Zukunft

Sport.de

Dieser Text ist zunächst bei den Kollegen von sport.de erschienen.

Und wie will der BVB es wirtschaftlich rechtfertigen, sollte eine marktwertgerechte, also dreistellige Millionen-Offerte für Haaland eingehen und gleichzeitig das Champions-League-Geld in der Bilanz fehlen? Schon jetzt kochen wieder zahlreiche Gerüchte rund um Haalands Zukunft hoch. Promi-Berater Mino Raiola wolle seinen Schützling beim FC Barcelona unterbringen, hieß es aus Spanien. Englische Medien berichteten über Avancen von Manchester City und Chelsea. Beim FC Bayern wird der Dortmunder immer mal wieder als möglicher Nachfolger von Robert Lewandowski gehandelt.

Will der BVB sich in Sachen Haaland über den Sommer in einigermaßen ruhigem Fahrwasser bewegen, wäre die beste Option, in den kommenden Wochen in der Tabelle noch mindestens zwei weitere Teams hinter sich zu lassen. Dann dürfte auch die Laune des Torjägers wieder erheblich besser werden.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.