Fußball

Über 1000 Ausfalltage beim BVB Die ewigen Schmerzen des Marco Reus

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Das Gesicht einer Karriere.

(Foto: imago images/Team 2)

Fast die gesamte Rückrunde der abgelaufenen Bundesliga-Saison verpasst Marco Reus. Erst ist er verletzt, dann wird er nicht mehr richtig fit. Ein Bericht der "Sport Bild" enthüllt nun: Der Kapitän von Borussia Dortmund hat immer noch Schmerzen, das geplante Comeback wackelt.

Marco Reus hat in diesem Jahr tatsächlich schon professionell Fußball gespielt. Und das sehr erfolgreich. Am 18. Januar, am 24. Januar und am 1. Februar etwa entzauberte er mit Borussia Dortmund der Reihe nach den FC Augsburg (5:3), den 1. FC Köln (5:1) und Union Berlin (5:0). Reus erzielte zwei Tore, bereitete zwei Treffer vor. Auch am 4. Februar stand er noch mal auf dem Platz. Ein Tor schoss er nicht und auch mit der Vorbereitung klappte es nicht. Der BVB verlor, schied bei Werder Bremen aus dem DFB-Pokal (2:3) aus - und Reus spielte seither nicht mehr mit. Erst war's eine kaputte Sehne, dann der Trainingsrückstand.

In der vom Portal transfermarkt.de fürsorglich gepflegten Verletzungshistorie stehen für den Kapitän des BVB in diesem Jahr bereits 166 Ausfalltage. Zur Einordnung: der heutige 23. Juli ist der 205. Tag des Jahres. Wann die erneute Leidenszeit des 31-Jährigen endet? Nächste Woche Donnerstag womöglich, wenn die Borussia mit der Vorbereitung auf die neue Saison beginnt? Nun, eher nicht. Wieder einmal nicht. Wie die "Sport Bild" berichtet, hat der Offensivspieler immer noch leichte Schmerzen, vor allem beim Torschuss. Eine erste Trainingseinheit mit der Mannschaft hatte er Mitte Juni nach einer Stunde wieder beendet.

Dabei lässt der Fußballer nichts aus, um möglichst schnell (über den Begriff darf man gerne streiten) wieder auf dem Platz zu stehen. Im Urlaub auf Ibiza absolviert er derzeit mit seinem Freund, dem BVB-Physiotherapeuten Thomas Zetzmann, regelmäßig Übungen zur Athletik und Stabilisierung. Zudem habe er sich zuletzt häufiger von Bio-Statiker Ralph Frank in München behandeln lassen. Die Schmerzen aber sind nicht verschwunden. Es ist ein Satz, der die Karriere von Reus begleitet. Es ist auch ein Satz, der zur Überschrift nach seinem Karriereende zu werden droht.

Über 1000 Tage beim BVB verpasst

Wie die "Bild"-Zeitung bereits Mitte Juni ausgerechnet hatte, verpasste er in seiner Dortmunder Zeit bereits 981 Tage (gezählt werden alle Tage, an denen Reus als verletzt gilt), diese mächtige Zahl ist nun auf deutlich über 1000 angewachsen - das sind bald knapp drei Jahre. Der Körper von Reus, er leidet und leidet. Und immer wieder sind es die Muskeln, Bänder und Sehnen, die der hohen Belastung des Profisports nicht standhalten. Die Innenbänder, die Außenbänder, Faserrisse, das Syndesmoseband, die Adduktoren, das Kreuzband, ein Ödem, Prellungen und das Sprunggelenk - die endlosen Einträge in seiner Krankenakte lesen sich wie die Blitzübersicht einer orthopädischen Jahresbilanz.

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Die Geschichte von Marco Reus, es ist die vermutlich erschöpfendste "Was-wäre-eigentlich-wenn..." in der Bundesliga- und Nationalmannschaftshistorie. Und so steht in der Erfolgsbilanz dieses überragenden Fußballers (neben ein paar persönlichen Ehrungen zum Fußballer des Jahres und zum Spieler der Saison) nur ein großer Titel: der DFB-Pokal-Triumph in der Saison 2016/17. Ein weiterer, ein noch größerer soll sich bald hinzugesellen, die Meisterschaft. Jener Erfolg also, dem die Dortmunder sehnsüchtig hinterherhecheln, den sie im vergangenen Jahr als Ziel ausgerufen hatten. Und an dem sich Trainer Lucien Favre öffentlich regelmäßig messen lassen muss. Was ihn bisweilen arg frustriert. Und was bisweilen auch eine erbitterte Diskussion über dessen Titeltauglichkeit aufkochen lässt.

Für Favre immer noch ein Schlüsselspieler

Reus, der seine spektakuläre Bundesliga-Karriere unter dem Schweizer bei Borussia Mönchengladbach furios startete, hält solche Debatten derweil für unfair. "Seit Lucien Favre gekommen ist, denke ich schon, dass wir die Stabilität für eine ganze Saison haben. Es hat zwar noch nicht für den großen Coup gereicht, aber man kann sehen, dass wir näher rankommen", sagte der 31-Jährige unlängst im Interview mit dem vereinseigenen TV-Sender. "Ich glaube, es fehlt uns nur wenig. Im Prinzip musst du eine perfekte Saison spielen. Da waren wir schon nah dran."

Am Ende, so fand Reus, liege es an der "Kontinuität". Gerade gegen kleinere Gegner ließ die Borussia in den vergangenen Jahren oft Punkte liegen. Die Münchner "gewinnen jetzt auch nicht immer 4:0, 5:0, aber sie gewinnen auch knappe Spiele, wo später keiner mehr fragt, wie das lief. Für mich ist das Wichtigste, dass wir auch diese Kontinuität in unser Spiel und unsere Ergebnisse bringen." Und auch, wenn sich die Borussia vor allem mit den Top-Transfers von Jadon Sancho und Erling Haaland von der Abhängigkeit von ihrem Kapitän emanzipiert hat, so ist Reus entgegen aller in der vergangenen Saison aufkommenden Diskussionen über seine Entbehrlichkeit (angesichts seiner Formschwäche) noch immer ein Schlüsselspieler für Dortmund, für Favre. In 46 gemeinsamen Ligaspielen war er an 45 Treffern direkt beteiligt, 28 erzielte er selbst, 17 legte er auf.

Sein großes Ziel, so sagte Reus in dem Interview mit dem Vereins-TV, sei es "natürlich immer noch, mit dem BVB Meister zu werden. Das treibt mich an". Vermutlich ebenso wie der Gedanke daran, in diesem Jahr noch einmal professionell Fußball zu spielen.

Quelle: ntv.de