Fußball

Kein Fokuspunkt mehr beim BVB Reus muss von der Landschildkröte lernen

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981 Tage fiel Reus beim BVB aus, seit er 2012 aus Gladbach kam.

(Foto: imago images/Norbert Schmidt)

Marco Reus steht wieder vor dem Ende einer Leidenszeit. Ob Borussia Dortmund ihn noch als Fixpunkt der Mannschaft ansehen kann, ist fraglich. Zum ersten Mal in seiner Karriere wird der BVB-Kapitän während eines Ausfalls nicht wirklich vermisst - wie wird das in der neuen Saison?

Ruhe und Gelassenheit kann sich Marco Reus derzeit am besten bei Donatello und Michelangelo abschauen. Die beiden griechischen Landschildkröten, die er von seiner Ehefrau Scarlett zum 31. Geburtstag geschenkt bekam, sind eher gemächlich unterwegs, sie setzen weniger auf Sprints denn auf ausgiebige Sonnenbäder.

Das immerhin ist ihr Lebensinhalt. Reus hingegen war zuletzt wieder einmal monatelang zur Untätigkeit gezwungen - doch das hat nun endlich ein Ende. Seit Dienstag ist der Kapitän von Borussia Dortmund zurück im Mannschaftstraining, anscheinend besteht sogar Hoffnung auf Einsätze vor dem nahenden Saisonende - allerdings noch nicht am Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei Fortuna Düsseldorf. "Er hat angefangen, wir hoffen alle, dass es so schnell wie möglich geht", sagte Trainer Lucien Favre optimistisch, "und dass er wieder spielen kann".

Reus wurde nicht vermisst

Ob Marco Reus allerdings gegen Mainz 05 oder bei RB Leipzig noch eine halbe Stunde bekommt, wird dieser Saison höchstwahrscheinlich keinen entscheidenden Dreh mehr geben. Wichtiger ist die Frage: Kann Reus, zweifellos einer der talentiertesten Spieler seiner Generation, der in Topform Gegner zur Verzweiflung treiben kann, vom BVB weiter als Fixpunkt der Mannschaft angesehen werden? Oder wird der Nationalspieler endgültig ein Nice-to-have-Spieler, bei dem man sich freut, wenn er mal fünf Spiele in Serie absolvieren kann - mehr aber auch nicht? Eine Waffe für die Momente, in denen sie funktioniert?

"Natürlich planen wir mit ihm für die kommende Saison", sagte Favre energisch. Der Verein teilte mit, der Spieler werde "in den kommenden Tagen große Teile des Mannschaftstrainings absolvieren und sukzessive an seinem Comeback arbeiten".

Zur Wahrheit gehört: Früher zählten sie beim BVB die Tage, bis ihr Kapitän endlich wieder die Mannschaft führte. Diesmal wurde Reus erstmals nicht ernsthaft vermisst, die Qualität im Dortmunder Offensivspiel ist gewaltig. Erling Haaland und Julian Brandt kamen, Jadon Sancho spielt eine herausragende Saison mit bis dato 17 Toren und 17 Vorlagen. Links dreht Raphaël Guerreiro auf, Thorgan Hazard kommt in Schwung. Etwas defensiver ziehen Axel Witsel und Winterzugang Emre Can gekonnt die Fäden.

Zweieinhalb Jahre Ausfallzeit

Eine Abhängigkeit von Marco Reus, sie gibt es nicht mehr. Zu oft hat der Verein erlebt, wie aus einer anfänglichen Ausfallprognose von einigen Wochen doch viele Monate wurden. Laut "Kicker" handelte es sich diesmal nicht um die kommunizierte Muskelverletzung, sondern um einen Sehnenanriss im Adduktorenbereich. Durch die Coronapause habe er "etwas mehr Zeit gehabt, die Verletzung auszukurieren", sagte Reus. Sein letztes Spiel war am 4. Februar.

Die "Bild"-Zeitung hat am Montag mal nachgerechnet, bis inklusive Donnerstag sind es demnach 981 Ausfalltage, seit Reus im Sommer 2012 von Borussia Mönchengladbach nach Dortmund zurückgekehrt war - also zwei Jahre und achteinhalb Monate von insgesamt sieben Jahren und elf Monaten.

Stimmt die Mär, dass eine neue Frisur auch einen neuen Lebensabschnitt anzeigt, hat sich Reus aber Großes vorgenommen. Zu seinem ersten Mannschaftstraining erschien er mit einem veränderten Look, der sehr an die römische Ikone Francesco Totti erinnert.

Quelle: ntv.de, Thomas Nowag, sid

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