Fußball

Neuer rettet Bayern, Flick klagt "Er ist wirklich in der Form seines Lebens"

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Wieder in bester Form: Manuel Neuer.

(Foto: dpa)

Hansi Flick sieht Manuel Neuer "in der Form seines Lebens", ist mit der Rolle seines Kapitäns als "Lebensretter vom Dienst" bei Bayern München aber alles andere als glücklich. Der 34-Jährige muss gegen mutige Salzburger in der Champions League immer wieder in höchster Not retten.

Natürlich ging der Arm von Manuel Neuer hoch. Wann war es denn auch jemals anders gewesen? Mërgim Berisha hatte den Torwart des FC Bayern am späten Mittwochabend aus kurzer Distanz überwunden, als das Signal des Münchner Kapitäns kam: Es müsse doch wohl Abseits gewesen sein. Und entgegen so vieler anderer Momente könnte der 34-Jährige in dieser 73. Minute des Spiels gegen den FC Salzburg sehr recht gehabt haben. Das Knie des Stürmers könnte wirklich ein My vor dem Knie von Chris Richards gewesen sein. Chris Richards, das nur ganz kurz zur Erklärung, ist ein sehr junger Abwehrspieler des FC Bayern, der an diesem Abend in der Champions League zum ersten Mal in der Startelf des Rekordmeisters stand.

Bayern München - RB Salzburg 3:1 (1:0)

München: Neuer - Pavard (62. Hernandez), Jerome Boateng, Alaba, Richards (79. Martinez) - Roca, Goretzka - Thomas Müller - Gnabry (62. Sane), Lewandowski, Coman (78. Douglas Costa). - Trainer: Flick
Salzburg: Stankovic - Kristensen, Andre Ramalho, Wöber, Ulmer - Camara, Junuzovic (71. Adeyemi) - Mwepu (71. Ashimeru), Szoboszlai (71. Sucic) - Berisha, Koita. - Trainer: Marsch
Schiedsrichter: Orel Grinfeld
Tore: 1:0 Lewandowski (42.), 2:0 Wöber (52., Eigentor), 3:0 Sané (68.), 3:1 Berisha (73.)
Zuschauer: keine
Gelb-Rote Karte: Roca (München) wegen wiederholten Foulspiels (66.)
Gelbe Karten: Neuer - Koita, Camara (2)

Weil es zwischen den Knien von Berisha und Richards wirklich sehr, sehr knapp zuging, wurde diese Szene minutenlang überprüft. Das Ergebnis: Ein strafbares Verhalten, in diesem Fall Abseits, konnte trotz aller technischen Hilfsmittel nicht identifiziert werden. Im Zweifel, und den hatte nicht nur der Reklamier-Arm von Neuer, also für den Stürmer. Fast ein bisschen so wie früher. So richtig wichtig war dieses ewige Brimborium eigentlich nicht, denn die Münchner hatten das Ergebnis vor dieser Szene beruhigend auf 3:0 gestellt. Nun, weil das Tor aber zählte, ging's am Ende 3:1 aus. Mit dem vierten Sieg im vierten Spiel hatte sich die Mannschaft bereits vorzeitig den Gruppensieg gesichert.

Zufrieden waren die Münchner trotz ihrer höchst souveränen Bilanz in der Königsklasse aber keineswegs. Und das lag auch an Neuer. Dessen Akte war gegen Salzburg mit überraschend vielen Arbeitsnachweisen gefüllt. Dass diese Nachweise nahezu alle mit den Vermerken "stark" bis "sensationell" versehen waren, das überraschte indes vermutlich niemanden. "Er ist wirklich in der Form seines Lebens", befand Trainer Hansi Flick. "Es ist sensationell, wie er Großchancen pariert, uns Gegentore erspart. Er hatte das ein oder andere zu tun - für mich zu viel."

Wie schon am vergangenen Wochenende in der Bundesliga gab er wieder den "Lebensretter vom Dienst". Gegen Werder Bremen hatte Neuer schon Bälle pariert, die außer ihm wohl niemand pariert. Und auch gegen Salzburg war er zur Stelle, wenn ihn seine tranigen Vorderleute als letzte Instanz gegen drohenden Schaden anriefen. Nach 15 Minuten hatte sich David Alaba einen wuchtigen Schnitzer geleistet, der in einer Doppelchance endete. Neuer hielt einmal überragend, den Nachschuss dann mühelos.

" ... dann wird das Tor immer kleiner"

Noch spektakulärer verhinderte Neuer in der 70. Minute einen Gegentreffer. Einen verdeckten Schuss von Berisha aus gut acht Metern faustete er überragend weg, ehe er seinen Körper blitzschnell wieder groß macht und den Nachschuss des alleingelassenen Enock Mwepu über das Tor lenkt. Fassungslosigkeit bei den Gästen, lauter Jubel bei den Münchnern, bei Alaba und Thomas Müller. "Manu spielt seit über einem Jahr sensationell", sagte Flick, "wenn die gegnerischen Stürmer auf ihn zukommen, wird das Tor immer kleiner. Er hat wahnsinnige Reflexe. Wir hatten einen Weltklassetorhüter zwischen den Pfosten. Ich bin wirklich froh, dass er in dieser Form ist." Sonst stünden die Bayern wohl nicht vorzeitig in der K.-o.-Runde.

Auch gegen Salzburg habe seine Mannschaft "zu viele unnötige Ballverluste" gehabt, monierte Flick: "Wir müssen unsere Fehler minimieren, das sind die Themen, die ich immer schon angesprochen habe." Sein Team könne sich "das Leben etwas einfacher machen. Wir machen es aktuell ein bisschen zu kompliziert." Gerade im ersten Durchgang waren die Münchner häufig zu "nachlässig" und "unkonzentriert". Da müsse man doch anders auf dem Platz stehen. Doch Flick fällt es mitunter schwer, zu seinen Seriensiegern durchzudringen, wie er gestand: "Ich bin 51 Spiele hier, wir haben 46 gewonnen. Was will ich da zur Mannschaft sagen?"

Robert Lewandowski hatte mit der Führung durch seinen 71. Treffer in Europas Bestenliga den Weg der Bayern geebnet - nur Cristiano Ronaldo mit 131 und Lionel Messi mit 118 Toren sind noch besser. Ein Eigentor von Maximilian Wöber (52.) und ein Kopfball von Leroy Sané (68.) sorgten für die Entscheidung. Zu beklagen gab's neben der Schläfrigkeit der Abwehr dann auch noch den Platzverweis für Königsklassen-Debütant Marc Roca (66.). "Die Gelb-Rote Karte war unnötig", fand Flick. "Aber mit seinem Debüt kann er schon zufrieden sein." Sicher am Ball, überzeugend im Aufbau, da könnte sich was entwickeln. Eine gute und neue Erkenntnis für Flick, der ja noch einige Zeit eine starke Alternative für Joshua Kimmich braucht.

An diesem Abend aber sprachen sie alle über Neuer. Auch in Salzburg. Natürlich auch in Salzburg. "Er ist unglaublich, der beste Tormann der Welt", sagte Trainer Jesse Marsch. "Er hat so viel Kontrolle, versteht das Spiel, den Rhythmus, er ist top, ein super Tormann." Nun, diese Erkenntnis ist indes nicht neu.

Quelle: ntv.de