Fußball

In der Türkei ein Staatsfeind Ex-Fußballer Sükür lebt verarmt im Exil

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"Ich bin ein Feind der Regierung, nicht des Staats und nicht der türkischen Nation", erklärt Sükür im Interview.

(Foto: imago sportfotodienst)

Als Fußballprofi feiert Hakan Sükür in der Türkei große Erfolge. Doch dann geht der heute 48-Jährige auf Distanz zu Präsident Recep Tayyip Erdogan. Mittlerweile lebt Sükür nach eigenen Angaben mittellos in den USA. Sein Vermögen in der Heimat ist eingefroren.

Einst galt Hakan Sükür als einer der größten Fußballstars der Türkei. Für Rekordmeister Galatasaray Istanbul und die türkische Nationalmannschaft schoss der Stürmer Tore wie am Fließband. Heute lebt der 48-Jährige im Exil in den Vereinigten Staaten. In seiner Heimat gilt der Ex-Profi als Staatsfeind und ist zur Verhaftung ausgeschrieben.

In der Türkei sei sein Vermögen eingefroren worden, erklärte Sükür im Interview mit der "Welt am Sonntag". Um sich über Wasser zu halten, arbeite er in der US-Hauptstadt Washington als Uber-Fahrer. "Erdogan nahm mir alles. Mein Recht auf Freiheit, das Recht, mich zu erklären, mich zu äußern, das Recht auf Arbeit. Ich habe in der Türkei Besitz im Wert von Dutzenden Millionen Dollar. Aber es wurde alles konfisziert."

Sükür soll Erdogan beleidigt haben

Dabei machte Sükür nach seiner Profi-Laufbahn zunächst als Abgeordneter in Erdogans Regierungspartei AKP Karriere, so die "Welt am Sonntag". Doch wegen eines Korruptionsskandals sei er 2013 aus Protest aus der Partei ausgetreten. Dann begannen die Probleme. Als die Boutique seiner Frau mit Steinen attackiert und seine Kinder belästigt wurden, entschied sich Sükür 2015 das Land zu verlassen.

Ein Jahr später wurde Sükür wegen Beleidigung des Präsidenten angeklagt. Die Staatswanwaltschaft warf ihm vor, in Twitter-Nachrichten Erdogan und seinen Sohn Bilal beleidigt zu haben. Zudem wurde er als Anhänger der Gülen-Bewegung bezeichnet, was Sükür in dem Interview dementiert. "Ich habe nur Dinge getan, die in meinem Land legal sind, und zwar in aller Öffentlichkeit. Aber weil ich Hakan Sükür heiße, wurde ich benutzt, um die Gesellschaft einzuschüchtern", erklärt er. Auch im Exil blieb der ehemalige Sportler nach eigenen Angaben nicht von Anfeindungen verschont. Ein Café, welches er betrieb, sei zeitweise vom FBI geschützt worden.

Den Fußballern Mesut Özil und Ilkay Gündogan, die sich in der Vergangenheit öffentlichkeitswirksam mit Präsident Erdogan ablichten ließen, empfiehlt Sükür, ebenfalls in die AKP einzutreten. "Dann werden sie erkennen, was diese Partei wirklich ist. Einfach nur hingehen und ein Foto schießen - dadurch erkennen sie nichts."

Quelle: ntv.de, jpe