Fußball

Stürmer wechselt und trifft Lasoggas Debüt begeistert Erlöser Schäfer

217066561.jpg

Pierre-Michel Lasogga, noch im Trikot seines Ex-Klubs Al-Arabi SC.

(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Pierre-Michel Lasoggas Karriere soll in Katar nicht ausklingen, drohte aber zuletzt, einfach zu versanden. Nun darf der Stürmer wieder stürmen und sorgt für den fruchtbaren Start einer überraschenden Zusammenarbeit. Sein Erlöser: ein alter Bekannter.

Nein, das Abenteuer Katar soll für Pierre-Michel Lasogga nicht am Ende einer Karriere stehen, die mal, ganz am Anfang, die Träume Hamburger Fans befeuerte und dann schnell buchstäblich versandete. Im Sande Katars eben. Nach dem verpassten Aufstieg des HSV 2019 war der Stürmer in die Liga des Wüstenstaates gewechselt. Eine Karrierestation, kein gemütlicher, gut alimentierter Lebensabend in der Wärme. "Wenn diese Chance", auf ein Engagement in Europa eben "noch mal käme, will ich ready sein", sagte der Fußball-Profi im Januar bei Sky. Er würde es "den Leuten gerne zeigen, noch einmal zurückzukommen." Da war er gerade von seinem Klub Al-Arabi SC aus dem Kader gestrichen worden, weiter kann man von einem Europa-Comeback nicht entfernt sein.

Doch wenige Tage später erreichte den Torjäger a.D. wohl ein Anruf eines in Deutschland bestens bekannten Trainers: Winfried Schäfer, selbst seit Kurzem für Al-Arabis Ligakonkurrenten Al-Khor SC verantwortlich, hatte es eilig. Ein Gespräch, das das Schicksal des aussortierten Lasogga zumindest kurzfristig drehte.

Denn Lasogga brach flugs seine Zelte bei Al-Arabi ab, wo er nach einem letzten Kurzeinsatz Anfang September nicht mehr zum Einsatz gekommen war. Wenige Tage später stand Lasogga schon für Schäfers Al-Khor SC auf dem Platz - und entschied gleich das Spiel gegen Al-Kharitiyath SC. 2:1 hieß es am Ende, Lasogga traf einmal, bereitete den anderen Treffer vor - und begeisterte seinen neuen Trainer: "Das war eine tolle Leistung von Pierre. Er hatte fünf Monate beim Ex-Verein nicht mehr gespielt. Er ist genau der Spieler, den wir hier brauchen. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung. Er hat nicht nur ein Tor gemacht, sondern auch die Bälle gut kontrolliert. So darf es gerne weitergehen."

"Echter Pott-Junge mit tollem Charakter"

Auch für Schäfer war es das erste Spiel für den Al-Khor SC. 386 Mal hatte Schäfer in der Bundesliga für den Karlsruher SC und den VfB Stuttgart an der Seitenlinie gestanden, nach einem unglücklichen Engagement bei Tennis Borussia Berlin war der einstige Gladbacher Profi dann auf sportliche Weltreise gegangen: Nationaltrainer in Kamerun, Thailand und Jamaika war Schäfer schon, mehrere Stationen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Iran stehen in der Vita des 71-Jährigen. Nun soll er also Al-Khor aus dem Keller führen, eine seiner ersten Amtshandlungen erhöht nun offenbar die Chancen für eine erfolgreiche Mission.

Lasogga kennt die Liga, in seiner ersten Saison traf der einstige Bundesliga-Stürmer immerhin siebenmal und bereitete fünf Tore vor. "Wir sind sehr zufrieden mit Pierre. Er ist ein echter Pott-Junge mit tollem Charakter. Wir sind sehr froh, dass er nun bei uns ist", erklärte Schäfer, der Lasogga aus dem Abseits geholt hatte.

Worte, die Lasogga freuen dürften. Der Abschied aus Europa verlief weniger freundlich. Obwohl Lasogga den HSV mehrfach vor dem Abstieg bewahrte, verlief sein Abschied im Sommer 2019 nicht ganz reibungslos. An dem Wechsel ins fußballerisch eher wenig glamouröse Katar habe man gesehen, "dass wir vielleicht nicht so falsch liegen bei dieser sportlichen Entscheidung", trat Präsident Marcell Jansen gegen den Ex-Profi nach. Lasogga ließ ebenfalls kein gutes Haar an seinem Ex-Klub. Bei den Hanseaten sei es "sehr chaotisch" zugegangen. "Vielleicht hätte meine Karriere einen anderen Verlauf genommen, wenn ich bei einem Topklub gespielt hätte, bei dem nicht so viel Unruhe herrschte. Es war nicht immer einfach beim HSV", stichelte der Offensivspieler nach seiner Trennung vom HSV.

"Es ist im Moment sicherlich nicht die beste Situation", hatte Lasogga nun im Januar gesagt, inzwischen ist seine Situation zumindest etwas besser geworden. Eine Rückkehr aus dem fußballerischen Niemandsland nach Europa - wenn auch nicht zum HSV - kann sich Lasogga durchaus vorstellen, wie er der "Sport Bild" sagte: "Es gibt einige Spieler, die bewiesen haben, dass das möglich ist." Ein Teil der wunderbaren Geschichte vom Traum-Debüt ist allerdings noch nicht ganz so glanzvoll: Al-Kharitiyath SC war schon vor dem Spiel abgeschlagener Letzter der eher dürftig besetzten Stars League. Der Weg zurück nach Europa ist weiterhin weit, aber der Moment ist schöner als viele andere vorher in den letzten Monaten. Und Lasogga ist zumindest für den Moment auch froh, in Katar zu spielen. Also überhaupt zu spielen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.