Fußball

"Er will Maradona sein" Lukas Podolski flirtet mit Boca Juniors

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Legendär: Fans und Stadion von Boca Juniors

(Foto: AP)

Er spielt in der Türkei, würde aber gerne zu Boca Juniors nach Argentinien: Lukas Podolski. Läuft er bald in der legendären Bombonera auf? Ein Vermittler gibt entsprechende Interviews. Der Klub äußert sich anders.

Für die logische Argumentation des Vortragenden an der Videowand gibt es Applaus von den TV-Fußballexperten. Lukas Podolski, der 34-jährige deutsche Stürmer, der sich schon alles erfüllt hat, bei den mitgliederstärksten Klubs gespielt, in Italien, in der Türkei, und bereits den Weltmeisterpokal in den Himmel gereckt hat, will zu Boca Juniors? Die Parallelen zum legendenhaften argentinischen Spielmacher können nur eines bedeuten: "Podolski will Maradona sein." Dagegen kann und will niemand der Argentinier argumentieren. Wer will nicht Diego sein und in Blau-Gelb spielen? Eben.

Derzeit ist Podolski in der Türkei für Antalyaspor aktiv. Wie kommt es dazu, dass nun am Rio de la Plata über den Stürmer spekuliert wird? Könnte er tatsächlich beim populärsten Fußballverein Lateinamerikas auflaufen? Es gibt Zitate von Podolski, seiner Kollegen, es gibt Äußerungen von einem Spielervermittler sowie viel Gemurmel drumherum. Auch in der Klubzentrale im Hafenviertel von Buenos Aires gibt es eine Position.

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Setzte eine eindeutige Textnachricht ab: Lukas Podolski.

(Foto: dpa)

Die wohl deutlichste Aussage stammt von Podolski selbst, der offenbar Lust auf ein Abenteuer in Buenos Aires hätte. "Kumpel, vermittle mich zu Boca", soll er an seinen Freund und Abwehrspieler Carlos Zambrano geschrieben haben. Die Bestätigung kam dann von einem argentinischen Mannschaftskollegen bei Antalyaspor. "Stimmt es, was sie über Boca sagen?", fragte Gustavo Leschuk bei einer Trainingspause, wie er selbst berichtet. Podolski bestätigte: "Ja, ja, es ist möglich, obwohl ich noch ein Jahr Vertrag habe."

Lust hat Podolski also, aber zu einem Wechsel gehört mehr. Die Klubs müssen sich über eine Ablöse einigen, Podolski und Boca über ein Gehalt und andere Bedingungen wie ein Vermittlerhonorar. Nur dann könnte Podolski in Zukunft von Maradona auf der Tribüne angefeuert werden und das Beben des Rasens spüren, dass die Fans in der legendären "Bombonera", der Pralinenschachtel, nachgewiesenermaßen erzeugen.

Mittelsmann des kolportierten Coups ist Rodrigo Codas. "Wir haben vereinbart im Juni wieder miteinander zu reden", sagte der Spielervermittler über den Stand der Gespräche mit Podolski. Bei seinem derzeitigen Klub Antalyaspor in der Türkei verdient Podolski laut Medienberichten rund fünf Millionen Euro pro Jahr. Das wäre in Argentinien nahezu unmöglich, aber womöglich fordert der Stürmer auch gar nicht so viel. "Ich bin überzeugt, dass sie sich einigen können", sagte Codas. "Die Zahlen sind für Boca nicht unmöglich." Es ist nachvollziehbar, dass der Vermittler sich positiv äußert, schließlich würde er an dem spektakulären Wechsel verdienen. Also gibt er entsprechende Interviews.

Podolski ist nicht der Erste

Gerüchte wie um Podolski sind nicht ungewöhnlich, vielleicht ist dies sogar zwangsläufig bei einem Klub von Bocas Größenordnung. Die Tageszeitung "La Nación" etwa stufte die Berichte als hanebüchen ein und garnierte die Meldung mit einer Liste der 15 größten Transfergerüchte aller Zeiten: Ob Gianluigi Buffon, Dani Alves, Arturo Vidal, Edinson Cavani oder Luka Modric - sie alle waren schon im Gespräch, fanden aber ihren Weg nach Buenos Aires nicht.

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Irgendwo auf der Haupttribüne der Pralinenschachtel versteckt sich das Idol Diego Maradona.

(Foto: imago/Photogamma)

Kräftig angeschoben wurde das Namenskarussell verdienter Stars von Daniele de Rossi. Der italienische Weltmeister von 2006 wechselte im vergangenen Jahr mit viel Tamtam von AS Rom zu Boca, war aber von Verletzungen geplagt und lief kaum auf. Er beendete seine Spielerkarriere im Januar. Was ist also mit dem Klub, Boca Juniors? Soll Podolski den Flop um de Rossi vergessen machen? Bei den Anhängern wachsen die Träume nach der Meisterschaft der vergangenen Saison, als man nach fulminantem Saisonendspurt dem großen Rivalen River Plate am letzten Spieltag den Titel entriss.

Die Hürden für solch einen Transfer sind derzeit höher als ohnehin schon. Entsprechend gibt es "keine Chance, dass er kommt". Dies erfuhr ntv.de aus dem Umfeld des Klubs. Die schwere argentinische Wirtschaftskrise, verschärft durch die Folgen der Coronavirus-Pandemie, macht auch vor Boca nicht Halt. Etwa ein Drittel der Klubeinnahmen stammen aus Vermarktung. Trikots eines italienischen Weltmeisters wie de Rossi verkaufen sich wesentlich besser als von einem Deutschen wie Podolski. Der Hintergrund leuchtet jedem unabhängig von sportlichen Erfolgen ein: Boca wurde von italienischen Auswanderern gegründet. Die Nachfahren bevölkern heute die Tribünen. Und kaufen das Merchandise.

"Es macht uns stolz, dass Fußballer aus der ganzen Welt bei Boca spielen wollen, aber die heutige Realität erfordert anderes", sagte auch Klubpräsident Jorge Amor Ameal zum Thema. In der Vereinszentrale gibt es andere Prioritäten. Etwa die Neuordnung der Schulden in der Wirtschaftskrise. Und trotz aller Lorbeeren Podolskis stellt sich die Frage, ob er die Meistermannschaft überhaupt verstärken würde. Schließlich hat der Stürmer in den vergangenen Jahren in Japan und nun in der Türkei gespielt. Die sportliche Abteilung hat deshalb wenig Interesse. Ohnehin kennt man in Argentinien - zumindest seit 2014 - eher Mario Götze.

Quelle: ntv.de