Fußball

Warum die Idee für Schalke passt Neururer als überraschende Gratis-Lösung?

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Macht er's noch einmal?

(Foto: imago sportfotodienst)

Die üblichen Namen kursieren wieder einmal auf Schalke. Seit der Entlassung von Trainer David Wagner gelten Manuel Baum, Marc Wilmots und Ralf Rangnick als erste Wahl. Doch vielleicht gibt es da noch eine andere spektakuläre Idee für den Bundesligisten?

Wie häufig haben sich die Fußballfans in Deutschland schon feixend Bilder hin und her geschickt, auf denen der ehemalige Bundesliga-Trainer mit seinem Porsche vor einer Vereinsgeschäftsstelle vorfährt und grinsend verkündet: "Wer hat mich gerufen? Hier bin ich!" Der Witz ist eigentlich durch. Endgültig. Dachte man wenigstens bis heute Morgen.

Denn seit der Entlassung von David Wagner auf Schalke am frühen Sonntagvormittag gibt es überraschend gute Gründe, warum die Konstellation Peter Neururer und dem S04 nach über dreißig Jahren doch noch einmal zustande kommen könnte. Und vieles erinnert dabei an den FC Schalke 04 des Jahres 1989, als der Verein finanziell so mausetot war, dass, so Klub-Unikat Charly Neumann später, noch nicht einmal mehr "Geld für Waschpulver" dagewesen sei.

Und dann? Dann kam der "Sonnenkönig" Günter Eichberg aus Düsseldorf, pumpte Kohle in den Verein und überzeugte mit seinen Moneten auch das aufstrebende Trainertalent Peter Neururer zu einem Klubwechsel. Der nahm nicht nur das offerierte Geld (man hatte ihm sogar 1 Mark pro Zuschauer im Parkstadion in den Vertrag geschrieben) gerne mit, sondern führte den auch sportlich am Boden liegenden Klub schrittweise wieder nach oben. Bis es schließlich eines Tages zu einer immer noch kuriosen wie speziellen Trennung kam. Doch das ist ein anderes Thema.

Was für ein zweites Engagement spricht

Und nun? Die Situation auf Schalke ist in vielerlei Hinsicht ähnlich chaotisch wie in diesen mittlerweile legendären Tagen vor dreißig Jahren. Damals schlingerte der Klub gefährlich nah am Abgrund entlang. Und insbesondere die finanzielle Lage war katastrophal - genau wie heute. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass der S04 so lange wie möglich die Trennung von David Wagner hinauszögerte, weil schlicht und ergreifend kein Geld mehr für einen neuen Trainer in der Kasse ist. Und genau an dieser Stelle wird es plötzlich spannend.

Denn, was kaum einer mitbekommen hat: Peter Neururer hat vor über vier Monaten offiziell seinen Abschied als Trainer und Sportdirektor vom Fußball erklärt. Hintergrund war ein neues Engagement, so der ehemalige Bundesligacoach: "Ich habe mich der Stölting Service Group angeschlossen und bin da ab 1. Mai im Bereich Personal und Sportmanagement unterwegs."

Stölting? Wer gestern aufmerksam die Partie in der Arena auf Schalke verfolgt hat, wird an diesem Namen nicht vorbeigekommen sein. Der Sponsor der Königsblauen ist omnipräsent - und hat mit dem gebürtigen Marler Jung einen potentiellen Trainerkandidaten bei sich unter Vertrag. Sprich: Es könnte ein Arrangement mit dem finanziell so klammen FC Schalke 04 geben, dass sich das Unternehmen in größerem Umfang an dem Gehalt des Coachs beteiligt - wenn es dieses nicht sogar ganz übernimmt.

"Die können jederzeit anrufen"

Und Neururer selbst? Hat der nicht mit dem Trainer-Kapitel komplett abgeschlossen? Nicht so ganz. Denn bei der offiziellen Pressekonferenz damals bei Stölting ließ er sich ein kleines Hintertürchen offen - und das war, genau, der FC Schalke 04: "Die können jederzeit anrufen. Es gibt immer Ausnahmen, die man machen kann."

Ab jetzt beginnen die Spekulationen - doch sie sind wahrscheinlich von der Realität gar nicht mal so weit entfernt, wie viele außenstehende Beobachter vermuten würden. Denn eines ist klar: Der Trainerposten auf Schalke ist momentan weder Ponyhof noch Wunschkonzert. Er ist vor allem die Aufgabe für einen Mann, der sehr schnell aus dem vorhandenen Material Ergebnisse herauszaubern kann. Früher hätte man diese Position "Feuerwehrmann" genannt, dann ging man dazu über diese eher "Motivator" zu nennen. Doch egal, wie man das Kind auch beim Namen nennen mag: Peter Neururer ist und kann beides.

Für diesen ganz speziellen Moment des Übergangs, das hat Neururer häufig genug in seiner Karriere bewiesen, ist er genau der richtige Mann, wie auch diese berühmte Geschichte eines früheren Spielers des VfL Bochum über seinen Trainer Neururer zeigt: "Der holt dich zu sich und erzählt dir eine halbe Stunde lang, was für ein überragender Fußballer du bist. Stärken ohne Ende hättest du. Wenn das so weiter geht, und er wüsste bei bestem Willen keinen Grund, warum nicht, sei die Nationalmannschaft nur noch eine Frage von Stunden, maximal Tagen. Du gehst von ihm weg und glaubst tatsächlich, dass du einer der ganz Großen bist - im deutschen Fußball ohnehin und eigentlich auch im Weltfußball. In dem Bewusstsein spielst du dann in den kommenden Wochen. Bis zu dem Tag, an dem du dich zu wundern beginnst, warum eigentlich noch nicht Real Madrid oder wenigstens der FC Barcelona bei dir angerufen hat. Ab diesem Moment fängst du an nachzudenken. Stimmt das eigentlich, was der Coach da über dich gesagt hat? Bist du wirklich so ein überragender Fußballer? Und kaum, dass du dich versiehst, zweifelst du unbewusst an den Worten deines Trainers. Und irgendwann ist es dann vorbei!"

Doch an dieses dicke Ende sollte man im Augenblick auf Schalke noch nicht denken. Der Moment und die kurzfristige Zukunft zählen. Und auch wenn der altbekannte Witz um Peter Neururer längst schon wieder durchs Netz geistert - nie war er so nah an der Realität wie in diesen Stunden.

Denn auch auf Schalke sollten sich die Entscheider gut durch den Kopf gehen lassen, wie jeder potentielle Coach bei den eigenen Fans ankommen wird. Die Wahl "Peter Neururer" mag auf den ersten Blick für viele wie ein schlechter Scherz erscheinen - aber manchmal sollte man Dingen auch eine Chance geben. Ob einem das Lachen hinterher im Halse stecken bleibt oder man als Letzter lacht - im Fußball weiß man nie so genau.

Quelle: ntv.de