Fußball

Einfach mal in den Sack hauen Respekt, Monsieur Zidane!

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Adieu.

(Foto: imago/Agencia EFE)

Er kommt, sieht und siegt - und nun hört er auf. Das überrascht dann doch. Aber Zinédine Zidane mag nicht länger Trainer der Fußballer von Real Madrid sein. Warum nur? Zu viel Arbeit für einen wie ihn?

Na, keine Lust mehr? Es ist viel zu heiß und Ihre Arbeit erfüllt Sie nicht mehr? Vorschlag: Gehen Sie doch einfach zu Ihrem Chef und sagen ihm, dass Sie nicht mehr wollen und dass er Ihren Vertrag wegschmeißen kann. Sagen Sie ihm, dass Sie alles erreicht haben. Und dass Sie den Eindruck haben, die Belegschaft brauche einen neuen Kollegen - und Sie selbst suchen eine neue Herausforderung. Aber keine Bange: Vielleicht sei es ja kein Abschied für immer.

Keine gute Idee? Zinédine Zidane hat es so gemacht. Der Trainer der wenn nicht besten, so doch zumindest erfolgreichsten Fußballmannschaft Europas ist zurückgetreten - fünf Tage, nachdem er mit Real Madrid zum dritten Mal in Folge die Champions League gewonnen hat. Einfach so. Warum? Weil er es kann. Und genau das unterscheidet ihn von einem normalen Arbeitnehmer. Der 45 Jahre alte Franzose hat schon als Spieler von sehr großer Klasse und nahezu betörender Eleganz fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. 1998 wurde er mit der Auswahl seines Landes Weltmeister und zwei Jahre später Europameister.

Und seine Karriere als Trainer hat sich auch ganz gut angelassen. Seit er vor zweieinhalb Jahren den Job bei den Königlichen antrat, hat er sage und schreibe elf Titel gewonnen. Das ist die härteste Währung im Profisport. Kaum einer ist so hoch in diesen Beruf eingestiegen wie er, kaum einer war so erfolgreich. Über die Motive für seinen Rücktritt ließe sich nur spekulieren. War ihm der Job zu stressig? Ist er einfach satt, das Binnenklima im Starensemble zu moderieren?

Chef? Cheeeef!

Schwante ihm, dass er die Erfolge mit Real im Grunde nicht mehr hätte übertreffen können? Dass die Mannschaft auf dem Zenit steht und ein Umbruch nottut? Das hatte sich in dieser Saison in der spanischen Primera División bereits angedeutet, mit 16 Punkten Rückstand auf den FC Barcelona landete Real nur auf Platz drei. Schließlich ist Superstar Cristiano Ronaldo 33 Jahre alt, Abwehrchef Sergio Ramos nur ein Jahr jünger, der defensive Mittelfeldspieler Luka Modrić auch. Torwart Keylor Navas ist 31, Stürmer Karim Benzema, der im Finale der Königsklasse gegen den FC Liverpool ein Tor erzielte, 30 Jahre alt, dito Linksverteidiger Marcelo. Zu viel Arbeit für einen wie Zidane?

Wir wissen es nicht. Wie soll man sich auch in jemanden hineindenken, der in den 45 Jahren seines Lebens auf seinem Gebiet so extrem erfolgreich war? Also nehmen wir es, wie es ist - und sagen: Respekt, Monsieur Zidane! Einfach aufzuhören, wenn es doch eigentlich am Schönsten ist, das hat Klasse. Chef? Cheeeef!

Quelle: ntv.de