Fußball

Wahnsinns-Tor bei Pokalpleite Reyna - das nächste große Ding beim BVB?

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Der 17-jährige Dortmunder Reyna hat mit einem Traumtor gegen Bremen auf sich aufmerksam gemacht.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Borussia Dortmund erlebt gegen Werder Bremen ein bitteres Knockout-Déjà-vu im DFB-Pokal. Dennoch wird der Abend für einen schwarzgelben Fußballer zum Erfolg. Der 17-jährige Giovanni Reyna beeindruckt mit einem phänomenalen Treffer - und emotionaler Robustheit.

Bei Borussia Dortmund sind am Dienstagabend einige ungewöhnliche Dinge passiert. Zum Beispiel hat Sturmwunder Erling Haaland im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Werder Bremen eine spitzenmäßige Chance mal nicht genutzt. Zum Beispiel hat die Mannschaft in dieser Rückrunde tatsächlich mal nicht fünf Tore geschossen. Und sie hat auch noch verloren. Auch das gab's im Pflichtspieljahr 2020 noch nicht. Mit 2:3 ging dieses furiose Spiel im Weserstadion zu Ende. Wobei sich den Zusatz "furios" vor allem die in der Bundesliga heftig kriselnden Gastgeber verdienten - und ein 17 Jahre alter Joker des BVB. Der Amerikaner Giovanni Reyna. Reyna, wie Claudio Reyna. Der ehemalige Spielmacher des VfL Wolfsburg und von Bayer Leverkusen ist nämlich sein Vater.

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Und Reyna, also der junge, hat die kreativen Anlagen seines Vaters offenbar vererbt bekommen. Mit seinem mutigen Spiel und einem zauberhaften Treffer (76.) bekräftigte er zehn Minuten nach seiner Einwechslung mit dem 2:3 nochmal die zarten Hoffnungen der lethargischen Dortmunder auf die Pokal-Wende - letztlich erfolglos. Aber was Reyna da veranstaltete, das war dennoch bemerkenswert. Mit Leonardo Bittencourt, der das 2:0 ebenfalls spektakulär schön erzielt hatte, Yuya Osaka und Davy Klaassen wackelte er drei Gegenspieler mit schnellen Körpertäuschungen kurz vor dem Strafraum aus, den Ball führte er dabei beeindruckend eng an seinen Füßen. Dann legte er sich den Ball schließlich elegant auf den rechten Fuß, hob den Blick, schoss, schlenzte - Tor, Traumtor, Tor des Jahres? Möglich, ja.

Möglich ist auch, dass sich Reyna in der Rückrunde noch zu einem ganz wichtigen Mann für die Borussia entwickelt. Trotz Erling Haaland, der trotz der vergebenen Topchance, es wäre das 3:3 und damit sicher die Verlängerung gewesen, seinen Standard hielt und natürlich ein Tor erzielte. Trotz Emre Can, der dem Spiel der Dortmunder Stabilität und Mentalität geben soll. Und trotz Jadon Sancho, der ja beim BVB den Titel Wunderkind für sich beansprucht. Noch erhebt Reyna natürlich keine Ansprüche. Noch ist er Joker. Aber er hat sich bereits einen festen Platz im Spieltags-Kader des BVB erspielt. In allen Pflichtspielen nach der Winterpause kam er bislang zum Einsatz - wenn auch die eine Minute gegen Köln bloß eine offizielle Notiz ist und kaum als Leistungsnachweis taugt.

"Ganz hervorragenden Eindruck hinterlassen"

Die er hat bereits zu Genüge in den Nachwuchsmannschaften des BVB, zu dem er im Sommer trotz offenbar zahlreichen Anfrage vieler Topvereine in Europa wechselte, und seines Landes geliefert. In der Junioren-Bundesliga steht nach elf Spieltagen bei elf Scorerpunkten, vier Tore, sieben Vorlagen. In der Uefa Youth League erzielte er vier Treffer in vier Spielen und legte einen weiteren auf.

Bremen - Dortmund 3:2 (2:0)

Bremen: Pavlenka - Veljkovic, Vogt, Moisander - Bittencourt, Maximilian Eggestein, Klaassen, Friedl - Osako (89. Bartels), Selke (50. Sargent), Rashica (90.+5 Toprak). - Trainer: Kohfeldt
Dortmund: Hitz - Akanji, Hummels, Zagadou (66. Reyna) - Hakimi, Brandt, Witsel, Schulz - Sancho, Reus (89. Can), Hazard (46. Haaland). - Trainer: Favre
Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)
Tore: 1:0 Selke (16.), 2:0 Bittencourt (30.), 2:1 Haaland (67.), 3:1 Rashica (70.), 3:2 Reyna (78.)
Zuschauer: 41.616
Gelbe Karten: Bittencourt, Moisander - Schulz (2), Reus, Reyna

Trainer Lucien Favre schwärmte noch vor gut zwei Wochen: "Man sieht im Training, dass er etwas hat. Wer das nicht sieht, ist blind. Er bewegt sich richtig, er spielt richtig, er verteidigt auch sehr, sehr clever. Er kann Tore schießen, er kann den letzten Pass spielen. Mit seinen 17 Jahren macht er das wirklich sehr gut. Wenn er so weiter spielt, dann wird er seinen Weg machen." Und auch Sportdirektor Michael Zorc ist sehr angetan von der schnellen Entwicklung des Amerikaners: "Wir hatten 'Gio' schon im Sommer bei unserer Gastspielreise in den USA dabei, da hat er schon einen ganz hervorragenden Eindruck hinterlassen."

Fußballerisch sowieso, aber auch schön körperlich. "Für seine 17 Jahre ist er schon sehr weit", urteilt Zorc. Damit ist er beim BVB nicht allein. Auch der phänomenale Youssoufa Moukoko hat mit seinen 15 Jahren ja bereits eine Körperlichkeit, die seinen Altersgenossen weit voraus ist - aber auch schon Diskussionen ausgelöst hat. Reyna ist davon befreit. Allerdings führte sein Einsatz gegen Bremen im Strafraum, er fiel nach einem Duell mit Werders Kapitän Niklas Moisander und forderte Elfmeter, zu wilden Wortgefechten. Reyna steckte nicht zurück, er wehrte sich, er fiel erneut, sah Gelb. Strafstoß gab's übrigens nicht. So viel Leidenschaft und Einsatz hätte sich Favre auch vom Rest des Teams gewünscht: "Ich war enttäuscht, dass wir fast alle Zweikämpfe verloren haben und dass wir zu wenig in Bewegung waren", gestand er.

Wohin der Weg von Reyna führt, unklar. Womöglich schlägt er eine Karriere ein wie sein Vorbild Christian Pulisic. Der debütierte vor ziemlich genau vier Jahren, ebenfalls mit 17, für den BVB. Er wurde damals in der 68. Spielminute für Adrian Ramos eingewechselt. Mittlerweile spielt Pulisic beim FC Chelsea. Hat dort in 23 Pflichtspielen sechs Treffer erzielt und sechs vorbereitet. Sein Marktwert: 60 Millionen Euro. Der von Reyna: nicht taxiert. Noch nicht.

Quelle: ntv.de