Fußball

Ex-Weltmeister fühlt sich einsam Schürrle beendet überraschend seine Karriere

imago16952931h.jpg

Vor sechs Jahren schossen Schürrle und Götze die DFB-Elf zum Titel.

(Foto: imago/BPI)

Vor fast genau sechs Jahren spielt er den finalen Pass zu Mario Götzes WM-Tor in Brasilien, jetzt beendet André Schürrle mit gerade einmal 29 Jahren seine Karriere. In einem Interview berichtet der Ex-Weltmeister, er habe sich oft leer gefühlt, aber in der Fußballbranche diese Gefühle nicht zeigen können.

2014. WM in Brasilien. Im Finale gegen Argentinien läuft die 113. Spielminute. André Schürrle, der in diesem Spiel erst eingewechselt wurde, bekommt auf der linken Außenbahn den Ball, stürmt los, flankt in die Mitte. Bevor Mario Götze das Tor seiner Karriere erzielt, gibt Schürrle die wichtigste Vorlage seines Lebens. Beide machen die DFB-Elf zum Weltmeister und holen den vierten Stern.

Der Fußball-Weltmeister und Vorlagengeber von damals beendet nun im Alter von nur 29 Jahren überraschend seine Karriere als Profi. Eine große Karriere war ihm vorausgesagt worden, mit gerade einmal 18 Jahren hatte er in der Bundesliga debütiert. Beim FSV Mainz 05 startete er fulminant durch, auch bei Bayer Leverkusen wusste er zu überzeugen. Mit dem Wechsel zum FC Chelsea, ein Jahr vor seiner Weltmeister-Vorlage, gerät seine Karriere aber ins Stocken. VfL Wolfsburg und der FC Fulham folgen als Stationen, zuletzt steht Schürrle bei Borrusia Dortmund unter Vertrag, wird dort aber nicht gebraucht, sondern verliehen. Viel wurde spekuliert, als seine Leihe bei Spartak Moskau vor Kurzem beendet wurde und auch das Kapitel Dortmund abgeschlossen war: Wohin wechselt der Ex-Weltmeister?

"Die Tiefen wurden immer tiefer"

Nun aber meldet sich Schürrle selbst zu Wort. Und die Antwort des 29-Jährigen haben viele so nicht erwartet: "Ich höre auf." Immer noch im besten Fußballeralter verabschiedet sich der Ex-Weltmeister komplett aus der Fußballbranche. "Die Entscheidung ist lange in mir gereift", sagte Schürrle dem "Spiegel". "Ich brauche keinen Beifall mehr." Die Wochen in Brasilien seien "die geilste Zeit meines Lebens gewesen." Die Nationalmannschaft hat er dabei immer "als Nest" empfunden. "Es war eine Flucht aus dem Trott, den man Tag für Tag im Verein hat", sagte Schürrle, der in seiner Zeit bei Chelsea in "ein tiefes Loch gefallen ist. Ich wollte nicht mehr Fußball spielen, ich war völlig am Ende."

Er sei oft einsam gewesen, berichtete Schürrle, gerade als "die Tiefen immer tiefer wurden und die Höhepunkte immer weniger". Die Fußballbranche habe es aber nicht erlaubt, diese Gefühle zu zeigen. Es ist eine Abrechnung zum Abschluss seiner Karriere: Der Rio-Weltmeister kritisierte die Fußballbranche scharf. "Man muss ja immer eine gewisse Rolle spielen, um in dem Business zu überleben, sonst verlierst du deinen Job und bekommst auch keinen neuen mehr", sagte Schürrle. Im Fußballgeschäft zähle "nur die Leistung auf dem Platz". Dabei dürften "Verletzlichkeit und Schwäche zu keinem Zeitpunkt existieren".

In den Medien wurde er teils als "ausrangierter Weltmeister" bezeichnet. Diese Kritik hat ihn hart getroffen. "Darunter waren Sachen, die ich mir sehr zu Herzen genommen habe. Entweder ist man Depp oder Held. Dazwischen gibt es nichts", erklärte Schürrle, der 57 Länderspiele (22 Tore) absolvierte. Rücktrittsgedanken kamen daher immer wieder, daran änderte auch die Zusammenarbeit mit einer Mentaltrainerin nichts. Schon in Wolfsburg habe er daran gedacht, "alles hinzuschmeißen". Auch 2017 gab es Überlegungen, die Karriere zu beenden. "Diese gesellschaftliche Erwartungshaltung hat schon gedrückt, dass man bis Mitte 30 eigentlich nicht aufhören kann."

Quelle: ntv.de, dbe/dpa