Fußball

Götze und Schürrle, vereinslos Die entbehrlichen WM-Helden des BVB

Das Schicksal von Mario Götze und André Schürrle ist offenbar eng miteinander verknüpft. Im Positiven wie auch im Negativen. Vor genau sechs Jahren machten die Fußballer Deutschland zum Weltmeister - nun sind sie (vorübergehend) ohne Arbeitgeber.

Vor sechs Jahren und zwei Tagen, am späten Abend des 13. Juli 2014, klang die gemeinsame Welt von André Schürrle und Mario Götze noch so: "Schürrle. Der kommt an. Mach' ihn, mach' ihn, er macht ihn! Mario Götze! Das ist doch Wahnsinn! Und er ist gekommen, dieser eine Moment für Mario Götze! Da ist alles andere egal, irre!" Elfeinhalb Minuten später ist klar: Deutschland ist Fußball-Weltmeister, zum vierten Mal.

Mario Götze, er ist nun der Wunderzwerg. Der Weltmeistermacher. Der Mann, der vom Bundestrainer den Auftrag bekam, der Welt zu zeigen, dass er besser ist als Lionel Messi. Und André Schürrle, der wird oft vergessen, dabei war es eben sein Antritt, seine Flanke, die Götze den goldenen Moment seines Fußballerlebens bescherte. Götze und Schürrle - diese beiden sind in der deutschen Geschichte auf ewig miteinander verbunden.

Und diese Geschichte bekommt nun, sechs Jahre und zwei Tage nach der magischen Nacht von Rio, eine besonders bittere Pointe: Nachdem Götze seine Systemrelevanz bei Borussia Dortmund verlor und den Klub zum 30. Juni zum zweiten Mal, dieses Mal indes leise und schleichend, verließ, ist auch Schürrle nun offiziell entbehrlich beim BVB. Der Vertrag des 29-Jährigen wurde an diesem Mittwoch aufgelöst. Mit kaum warmen Worten vonseiten des Klubs.

"Es war für beide Seiten definitiv keine Erfolgsgeschichte. Aus diesem Grund war es das Beste, dass wir den Vertrag nun vorzeitig aufgelöst haben", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Sport1.de. Schürrle war im Sommer 2016 vom VfL Wolfsburg zum BVB gekommen und absolvierte in zwei Jahren nur 51 Pflichtspiele für Dortmund. Dabei kam er auf acht Tore und zehn Vorlagen - in Zahlen eigentlich keine schlechte Bilanz. Sei's drum. Was vorbei ist, ist vorbei. Und so sparen sich die Dortmunder nun einen Großverdiener und Schürrle womöglich die Peinlichkeit, Gott weiß wohin verramscht zu werden.

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Der 1702.-wertvollste Spieler der Welt

30 Millionen Euro zahlten die Dortmunder damals für ihn, diese Summe war zugleich der höchste Marktwert seiner Karriere (Quelle: Transfermarkt.de). Erreicht hatte er ihn - natürlich - nach dem Triumph in Brasilien. Mittlerweile, nach eher verkorksten Jahren bei der Borussia und ebenfalls nur bestenfalls mäßig erfolgreichen Leihen zum FC Fulham und zu Spartak Moskau ist der Marktwert auf 4,5 Millionen Euro abgesackt. In der Liste der derzeit wertvollsten Spieler rangiert er damit auf Rang 1702 - was aber ehrlicherweise eine sinnlose Statistik ist.

Aber was kommt nun? Diese Frage ist leitend für beide Fußballer, die sich längst aus dem Kreis der DFB-Spieler verabschiedet haben, für die der WM-Titel eher Karrierebremse denn Karriereschub war. Während sich der Weltmeistermacher vor Gerüchten kaum retten kann - sie kommen aus Berlin (die Hertha ist gemeint), aus Italien (AS Rom, Lazio Rom, Inter Mailand, AC Florenz), aus Spanien (Atlético Madrid), aus Frankreich (OGC Nizza) und sogar aus der Türkei (Galatasaray Istanbul) -, ist beim Weltmeisterwegbereiter Schmalhans Gerüchtemeister. Benevento Calcio geistert als möglicher Arbeitgeber durch Zeitungen und Internetportale.

Hertha für Götze die wahrscheinlichste Option?

Benevento Calcio, das ist ein Klub, der gerade aus der Serie B in Italiens höchste Liga aufgestiegen ist. Aber offenbar mit stabilen Ambitionen. Denn das sehr erfahrene (alte) Team, dessen größter Star Coach Filippo Inzaghi ist, soll prominent verstärkt werden. Neben Schürrle werden auch Vize-Weltmeister Mario Mandzukic, Chelsea-Legende John Obi Mikel und der ehemalige Liverpooler Daniel Sturridge als Verstärkungen gehandelt.

Und Götze? Wie ist da der aktuelle Stand? Laut Transfermarkt.de gilt ein Wechsel zur Hertha derzeit tatsächlich als wahrscheinlichste, wenn auch nicht besonders wahrscheinliche Variante. In Berlin bekäme der 28-Jährige große internationale Ambitionen geboten, vermutlich auch ein sehr anständiges Gehalt (beides dank Investor Lars Windhorst) und ganz sicher einen Trainer, der voll auf ihn setzt. In der "Sport Bild" hatte Bruno Labbadia zuletzt bekannt, ein "großer Fan" des Spielmachers zu sein. In dem jungen Team um die schnellen Angreifer Matheus Cunha, Dodi Lukebakio und Javairô Dilrosun könnte Götze mit seiner Technik und Erfahrung ein wichtiges zentrales, ordnendes Element sein.

Viele Experten sehen eine erfolgreiche Zukunft des Mittelfeldspielers indes eher in Italien - unter anderem wegen seiner mittlerweile ausgeprägten und unübersehbaren Defizite im Tempospiel (wohl auch seiner Stoffwechselkrankheit geschuldet). Unser Taktikfachmann Constantin Eckner hatte bereits vor einigen Monaten die Serie A als Königsweg für Götze erkannt - denn dort, so hatte er analysiert, könne der Spielmacher mit seiner überragenden Technik und seiner Spielintelligenz immer noch ein Unterschiedsspieler sein.

Nun also womöglich Italien - die Wege von Götze und Schürrle, soweit sie sich bisweilen trennen, sie treffen sich scheinbar immer und immer wieder. Nur vermutlich nie wieder so erfolgreich wie vor sechs Jahren und zwei Tagen.

Quelle: ntv.de