Fußball

VfL - FCB: Brutale "Fan-Freunde" Viel Haue um ein bisschen Liebe

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Zwischen dem VfL Bochum und dem FC Bayern München besteht eine "Fanfreundschaft".

(Foto: imago sportfotodienst)

VfL Bochum und Bayern München: Freunde fürs Leben? Fast jeder kennt die Fanfreundschaft beider Klubs, die auf Schalke auf schäbige Weise neu entflammt ist. Doch was ist das Geheimnis dahinter? Und was hat Hermann Gerland damit zu tun?

Die Vorkommnisse vor dem Spiel des FC Bayern München beim FC Schalke 04 am Samstag führten zu 196 Festnahmen. Die Medien schrieben, bei den festgesetzten Personen soll es sich vor allem um Anhänger des FC Bayern und des VfL Bochum gehandelt haben. Beide Vereine distanzieren sich scharf von diesen Fans, der VfL Bochum sprach in einer eigens herausgegebenen Pressemitteilung sogar von "sogenannten VfL-Fans – unserer Meinung nach sind es keine, denn sie schaden dem Verein und seinem Ansehen massiv".

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Unabhängig von den tatsächlichen Ereignissen drängt sich für Fußballanhänger vor allem eine Frage auf: Warum verbünden sich ausgerechnet die erfolgsverwöhnten Supporter aus München mit den eher erfolgsunerfahrenen Bochumern? Eine Frage, die weit in die Geschichte der beiden Klubs zurückreicht. Entstanden ist die Verbindung der Sage nach im Jahre 1973. Bei einem Spiel in Bochum wurden Anhänger des FC Bayern auf der Castroper Straße von VfLern angegangen und verfolgt. Erst das Eingreifen der "Bochumer Jungen", einem der ältesten Fanklubs Deutschlands, verhinderte eine größere Schlägerei. Anschließend tranken die Anhänger miteinander einige Gläser Pils und verbrüderten sich.

"Deutscher Meister wird nur der FCB" in Bochum

Nach und nach entwickelten sich so – teils auch private – Freundschaften. Und eines Tages gipfelte die Zuneigung in einem gemeinsamen Fanschal. Mitte der Neunziger allerdings entstanden erste Risse. Nur noch selten hörte man die früher typischen Gesänge "Deutscher Meister wird nur der FCB" in der Bochumer Ostkurve. Man hatte sich irgendwie aus den Augen verloren.

Im Sommer 1997 gab es schließlich sogar handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen den Unterstützern beider Klubs in der Düsseldorfer Altstadt. Die Bayern waren als neuer Deutscher Meister aus Mönchengladbach angereist, um mit den Bochumern, die gerade in Leverkusen ihren erstmaligen Einzug in den UEFA-Cup gefeiert hatten, den Tag ausklingen zu lassen. Was damals genau geschah und warum, daran kann sich kaum noch jemand richtig erinnern. Aber seit diesem Ereignis war die langjährige Freundschaft für einen Großteil der Fans beider Lager erst einmal passé.

Hohn und Verachtung für die Anhänger-Ehe

Doch die allermeisten Fußball-Anhänger in Deutschland bekamen das Auseinandergehen dieser Freundschaft nicht mit. Unterschwellig klang ohnehin stets eine Spur Hohn und Verachtung für diese spezielle Anhänger-Ehe mit. Denn wer will schon mit dem großen FCB befreundet sein? Auch in Bochum war und ist die Sache unter den Fans nicht so eindeutig. In der Vergangenheit führte die alte Fanfreundschaft zu hitzigen Diskussionen unter den Blau-Weißen.

Vor ein paar Jahren kam es dann zu einem öffentlichkeitswirksamen Revival. Und das hat wohl auch mit einer in Bochum wie München gleichermaßen beliebten Person zu tun: Hermann Gerland. Als der Bochumer Junge Herbert Grönemeyer zur Pokalfeier 2010 nach Berlin einlud, musste sich der Ruhrgebietsbarde noch die Frage gefallen lassen, ob er jetzt zum FC Bayern übergelaufen sei. Grönemeyer antwortete überlegt: "So weit ist es noch nicht. Es gibt aber eine sehr enge Freundschaft zwischen dem VfL Bochum und den Bayern." Der Text erschien prominent platziert auf der Internetseite der Münchener.

Die offizielle Reanimation einer alten schwierigen Liebe erfolgte dann durch die befreundeten Ultra-Gruppierungen der "Münchner Schickeria" und den "Ultras Bochum". Durch sie lebte die Freundschaft in den letzten Jahren neu auf. 2013 wurde diese sogar offiziell durch einen Fanschal "In Freundschaft" besiegelt. Allerdings einseitig. Denn nur der VfL Bochum nahm diesen in seinen Shop auf. Dort sind bis heute weitere Utensilien dazugekommen, die auf eine engere Beziehung zwischen dem Ruhrgebietsklub und dem FC Bayern schließen lassen. Man darf gespannt sein, wie sich nach den Vorkommnissen vom Samstag gerade der VfL Bochum in dieser Frage positionieren wird.

Dass die Fanfreundschaft, die eigentlich beendet schien, vor allem durch die Ultras beider Vereine neu belebt wurde, ist mehr als eine delikate Randnotiz der Ereignisse vom Wochenende. Es bleibt also, wie es immer war: Die Fanfreundschaft zwischen dem VfL Bochum und dem FC Bayern München ist wohl eine der umstrittensten aller Zeiten. Und das nicht erst seit Samstag!

Quelle: ntv.de, bre