Fußball

Acht Trainer aus Bullen-Kosmos Wie RB den deutschen Fußball verändert

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Erfolgreiche RB-Lehrlinge.

(Foto: imago images / Picture Point LE)

Fast die Hälfte der Trainer-Posten in der Fußball-Bundesliga werden in der kommenden Saison von Leuten besetzt, die im Red-Bull-Kosmos tätig waren. Das gefällt vielen Fans nicht, ist aber offenbar Qualitätsmerkmal. Und der nächste läuft sich Salzburg bereits warm.

Matthias Jaissle - diesen Namen sollte man sich merken. Jaissle ist 33 Jahre alt, war früher Abwehrspieler bei der TSG Hoffenheim - und ab der kommenden Saison übernimmt er das Trainer-Amt bei Red Bull Salzburg. Warum dieser Name wichtig ist? Weil Jaissle schon bald in der Bundesliga einen Trainer-Job finden wird - wenn sich der momentane Trend fortsetzt.

Nach der Verpflichtung des Noch-Salzburgers Jesse Marsch durch RB Leipzig stehen nach aktuellem Stand kommende Saison 2021/22 in der Bundesliga insgesamt acht (!) Trainer an der Seitenlinie, die im Red-Bull-Kosmos tätig waren. Neben Marsch sind das auch Julian Nagelsmann, Oliver Glasner, Adi Hütter, Bo Svensson, Marco Rose, Frank Kramer und Sebastian Hoeneß. Und Ralf Rangnick, der einstige Ober-Bulle, scharrt bekanntlich schon mit den Füßen.

"Offensichtlich ist die Tatsache, wenn man ein, zwei Jahre bei uns gearbeitet hat, für andere Vereine ein Qualitätsmerkmal", hatte Rangnick, der das System im Red-Bull-Imperium bis zu seinem Ausstieg vor einem Jahr maßgeblich mitbestimmt hatte, einmal gesagt.

Dieser Trend dürfte vielen Fans, die dem Projekt des österreichischen Getränke-Herstellers ablehnend bis feindlich gegenüberstehen, nicht schmecken. Aber er ist Ausdruck eines gelungenen Scoutings und einer zielgerichteten Ausbildung im Trainerbereich. Jaissle zum Beispiel stieg nach seinem Karriereende zuerst in der U16 in Leipzig ein und dann über die U18 von Salzburg und den Cheftrainer-Posten beim Farmteam FC Liefering zum Headcoach des österreichischen Serienmeisters auf.

RB-Schule prägt deutschen Fußball

Der Fußball, den die Trainer dort spielen lassen, trägt mehr oder weniger die gleiche Handschrift: aggressives Pressing, schnelles Umschaltspiel, Ballbesitz ist hier kein Mittel zum Zweck. Auch das ist ein Punkt für die Kritiker: Der Fußball in der Bundesliga wird auch durch den Einfluss der RB-Schule immer ähnlicher. "Es gibt die Philosophie, die Strategie, die Art und Weise, wie gespielt wird", sagte Svensson, der vor seinem Wechsel nach Mainz ein Jahr in Liefering war: "Ich bin auch mit meinen eigenen Ideen gekommen und musste teilweise feststellen, dass es einen Weg gibt, den ich einfach umsetzen muss."

Doch auch die Trainer sind Profiteure dieses Systems. "Wir reduzieren 'The next Generation' nicht auf die Spieler", sagte Bernhard Seonbuchner, der Sportliche Leiter der Red-Bull-Akademie. Dass Marsch jetzt zu RB Leipzig und nicht zum ebenfalls interessierten Klub Tottenham Hotspur wechselt, hat natürlich Gründe. Eine Art "Vorgriffsrecht" darf es laut UEFA-Regularien offiziell nicht geben. Doch natürlich verhandelt es sich einfacher, wenn der gleiche Sponsor das Geld bereitstellt. Und auch die Eingewöhnung in bekannte Strukturen und Philosophien machen solche Wechsel für die Beteiligten attraktiv.

Doch auch andere Klubs wie Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt oder VfL Wolfsburg haben gute Erfahrungen mit Trainern aus dem Red-Bull-Imperium gemacht. Dass inzwischen auch Millionen-Summen für Trainer aus diesem Zirkel fließen, ist eine logische Konsequenz. Eine große Fluktuation auf der Trainerbank gibt es deswegen aber keineswegs, sondern eher "eine gewisse Beständigkeit", betonte Seonbuchner: "Oder eben die Trainer sind für Höheres bestimmt."

Quelle: ntv.de, tno/sid

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