Fußball

US-Trainer kommt aus Salzburg Jesses langer Marsch nach Leipzig

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Gerne glücklich: Der neue Leipzig-Coach Jesse Marsch

(Foto: imago images / Eibner Europa)

Mit dem US-Amerikaner Jesse Marsch setzt Fußball-Bundesligist RB Leipzig auf einen alten Bekannten. Der 47-Jährige hat die Konzernschule durchlaufen, die Welt bereist. Er ist ein großer Motivator und hat sich einiges von Ralf Rangnick abgeschaut.

Mit dem US-Amerikaner Jesse Marsch präsentiert RB Leipzig bereits einen Tag nach der Vollzugsmeldung in Sachen Julian Nagelsmann den Trainer für die kommende Saison. Es ist eine logische Wahl. Auch andere Top-Vereine sollen an ihm interessiert gewesen sein, doch sein nunmehr über sechsjährige Weg beim umstrittenen Brausegiganten ist noch nicht beendet. Der 47-Jährige kehrt nach zwei Jahren als Chef beim Schwesterverein Red Bull Salzburg zurück zum deutschen Spitzenverein. Für den ehemaligen US-Nationalspieler ist es ein logischer Schritt. Erst in diesem Monat hatte er auch öffentlich damit geliebäugelt. Für den Konzern ist es ein altbekanntes Manöver. Bereits 19 Spieler machten sich nach teils knallharten Ablöseverhandlungen auf den Weg von der Salzach an die Elster.

So ist es also kein Zufall, dass der im US-Bundesstaat Wisconsin geborene Marsch am Cottaweg auf zahlreiche ihm bekannte Spieler treffen wird. Einige von ihnen trainierte er als Co-Trainer in Leipzig, andere als Chef-Trainer in Salzburg oder New York. So trifft Marsch auf seine ehemaligen Salzburg-Spieler Hee-Chan Hwang und Dominik Szoboszlai. Der koreanische Stürmer hatte vor der aktuellen Spielzeit den Sprung in die Bundesliga gewagt. Der 20-jährige Ungar, der auch von AC Mailand und Arsenal umworben wurde, folgte ihm im Januar, blieb verletzungsbedingt jedoch noch ohne Einsatz. Mit dem vielseitigen US-Amerikaner Tyler Adams verbindet ihn, neben der gemeinsamen Zeit in Leipzig, auch eine Vergangenheit beim MLS-Ableger New York Red Bulls.

Nach der Weltreise: Der Schritt zu Red Bull

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Marsch und sein Mentor Ralf Rangnick

(Foto: imago/Picture Point LE)

Nach einer vierzehnjährigen Spielerkarriere in der US-Profiliga MLS als Mittelfeldspieler für D.C. United, Chicago Fire und Chivas USA beendete er seine aktive Laufbahn im Februar 2010 und wechselte direkt an die Seitenlinie. Unter seinem ehemaligen Chivas-Trainer Bob Bradley war er von Februar 2010 bis zur Inthronisierung Jürgen Klinsmanns im Juli 2011 Co-Trainer der US-Nationalmannschaft, danach verbrachte er zwei Spielzeiten beim damals neugegründeten MLS-Franchise Montreal Impact. Nach einer Auszeit, auf der er mit seiner Familie 32 Länder in sechs Monaten bereiste, um die Menschheit verstehen zu lernen, landete im Januar 2015 bei den New York Red Bulls. Dort überzeugte ihn der damalige RB-Chef Ralf Rangnick im Sommer 2018 von der neuen Aufgabe in Leipzig.

"In taktischen Dingen habe ich viel von Rangnick gelernt", sagte Marsch dem US-Sender ESPN im vergangenen August. "Als ich in das erste Mal in New York traf und er über seine Ideen, Konzepte und die kleinen Details des Spiels sprach, hat er meine Fantasie beflügelt. Ich mag es, schnellen Fußball zu spielen, aber ich habe so viel mehr von ihm gelernt, wie man seine Mannschaft darauf vorbereitet, wie man dieses Tempo in jedem Moment des Spiels erreichen kann."

Nach einem Jahr unter Rangnick und der Ankunft Julian Nagelsmanns aus Hoffenheim, zog es Marsch im Sommer 2019 in die österreichische Bundesliga zum Schwesterverein Red Bull Salzburg. Dort steht er nach dem nationalen Double in der ersten Saison erneut vor dem zweifachen Titelgewinn. In der Liga enteilt, treffen die Mozartstädter am kommenden Samstag im Pokalfinale auf den LASK. In seiner ersten Saison stieß er ins Achtelfinale der Champions League vor.

Bei RB Salzburg führte Marsch die Tradition des Konzernfußballs weiter. Er legte hohen Wert auf ein intensives Pressing im eigenen Angriffsdrittel, auf die Umschaltmomente bei eigenen Ballverlusten und überfallartige Konter. Dabei legte der Amerikaner jedoch ebenfalls hohen Wert auf die Mentalität. ESPN sagte er, das Spiel sei zu 25 Prozent von Taktik und 75 Prozent von Mentalität geprägt.

In der Halbzeit wurde er berühmt

Einen ersten Eindruck davon vermittelte Marsch während seiner Halbzeitansprache im Champions-League-Spiel bei Liverpool. Jürgen Klopps Mannschaft hatte einen 3:1 Vorsprung mit in die Pause gebracht. Doch mit einem wilden Mix aus Englisch, Deutsch, Flüchen und Zeichensprache motivierte er seine Spieler, die binnen 15 Minuten ausgleichen konnten, am Ende jedoch mit einer 3:4-Niederlage im Gepäck aus Anfield abreisen mussten. Das Video der Halbzeitansprache ging in den darauffolgenden Tagen viral.

Zu seinen Motivationstricks zählt Marsch die Michael-Jordan-Dokumentation "The Last Dance" und den Erfolgshunger des Jahrhundertboxers Muhammad Ali. "Schon zu meinen New Yorker Zeiten habe ich viel über Ali gesprochen. Er redete sehr viel mit der Presse. Er erzählte später dann, dass er das tat, um sich davon zu überzeugen, dass er ein Champion war", erzählte Marsch und erinnerte sich an ein Gespräch mit Salzburgs Serienmeister Andy Ulmer. "Wir schufen diese Terminologie um Andy, dass er der größte österreichische Spieler ist, der jemals gespielt hat."

Quelle: ntv.de

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