Redelings Nachspielzeit

Swingerbörse für Profis Als Rehhagel auf dem Klo Mario Basler anbaggerte

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Mit Werder gewannen Rehhagel und Basler 1994 den DFB-Pokal und 1995 die Vizemeisterschaft in der Bundesliga.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Genau vor 30 Jahren quatschte der erfolgreiche Werder-Coach Otto Rehhagel den Spieler der gegnerischen Mannschaft, Mario Basler, beim Hallenturnier in Berlin an. Das Ungewöhnliche daran war damals der Ort: am Pissoir. Später wurde aus dieser ersten Begegnung eine echte Liebesgeschichte.

"Der Mario hat alles zusammengeschossen, das war der Wahnsinn", erinnert sich Otto Rehhagel noch heute. Genau vor 30 Jahren stand der spätere Fußball-Nationalspieler mit seinem Klub Hertha BSC in Berlin auf dem Parkett der Deutschlandhalle und nahm an einem Fußballturnier teil, das damals unter dem Namen "Budenzauber" (offiziell DFB-Hallenpokal beziehungsweise Hallenmasters) viele Tausende Fußballfans in der Winterpause begeisterte.

Von 1987 bis 2001 hatte der DFB diese Turniere an wechselnden Orten veranstaltet. Anfangs waren die Hallen-Wettkämpfe nur als Einnahmequelle für die Vereine in der damals noch sehr langen Winterpause gedacht - doch schnell entwickelten sich die Turniere in Deutschland zu einem echten Renner. Die Fans liebten den hautnahen Kontakt zu ihren Stars und das bunte Spektakel auf und abseits des Platzes. Der Budenzauber wurde zu einer echten Legende - und hatte für die Klubs noch einen anderen angenehmen Nebeneffekt.

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Die Spiele in der Halle waren eine Art Swingerbörse für Profis. Transfers, die es sonst nie gegeben hätte, wurden hier unkompliziert angebahnt und anschließend abgewickelt. So auch der Wechsel von Mario Basler in der Sommerpause 1993 von Hertha BSC zum SV Werder Bremen. Doch diese Geschichte ist noch etwas verrückter als so manch anderes altes Seemannsgarn aus 60 Jahren Bundesliga. Denn sie bahnte sich an einem für Transfers doch recht ungewöhnlichen Ort an.

Currywurst soll Gespräch verhindert haben

Auch Mario Basler hat die Turniertage von vor 30 Jahren in der Berliner Deutschlandhalle noch genau im Kopf, wie er in seinem Buch "Eigentlich bin ich ein Supertyp" schreibt: "Ich tobte mich richtig aus und machte mit meinen Gegenspielern, was ich wollte. Das schien nicht unbemerkt geblieben zu sein." Und Basler erinnert sich auch noch daran, was dann geschah: "Nach dem Halbfinale stand ich am Pissoir, als plötzlich Werder-Trainer Otto Rehhagel reinkam. Er wartete, bis ich mir die Hände gewaschen hatte und drückte mir einen Zettel in die Hand."

Beim Rausgehen habe ihm der Coach der Bremer dann schließlich noch zugeraunt, dass er ihn anrufen solle. Dann war die kurze Klobekanntschaft - ohne, dass jemand die beiden entdeckt hätte - auch schon wieder verschwunden. Es ist ganz bestimmt eine der kuriosesten Transferanbahnungen in der Geschichte der Bundesliga.

Wie es schließlich weiterging, darüber sind sich Rehhagel und Basler 30 Jahre später nicht mehr ganz einig, zu viel Zeit ist mittlerweile ins Land gegangen, doch vermutlich ist eine Mischung aus beiden Versionen am wahrscheinlichsten. Rehhagel behauptet zwar steif und fest, dass er mehrmals bei den Baslers anrufen musste, weil Mario unterwegs war (angeblich eine Currywurst essen) und dabei schon ahnte, was ihm da später in Bremen mit dem Lebemensch Basler blühen würde, doch der spätere Nationalspieler glaubt sich zu erinnern, dass er sich selbst noch am Abend des Hallen-Endspiels beim Werder-Coach gemeldet habe.

Der einzige Trainer, der Basler verstanden hat

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Wie dem auch sei: Man traf sich schließlich, einigte sich - obwohl kurz darauf Reiner Calmund für Bayer Leverkusen Basler das Dreifache an Gehalt bot - und nur ein paar Monate später vernaschte der Neu-Werderaner bereits im Trikot der Bremer die Gegenspieler auf dem grünen Rasen. Es entwickelte sich eine echte Erfolgsgeschichte. Und aus der spontanen Begegnung auf einem Klo in der Berliner Deutschlandhalle vor 30 Jahren wurde eine echte Liebe fürs Leben.

Basler hat einmal gesagt, dass Rehhagel vermutlich der einzige Trainer in seiner Karriere gewesen sei, der ihn "wirklich verstanden" habe und "König Otto" meint in Baslers Buch: "Das ist wie in einer Ehe. Wenn man sich für einen Menschen entschieden hat, dann lernt man, sich auch mit den eher anstrengenden Eigenschaften zu arrangieren." Und eins ist sicher: So viele Jahre später können beide über den ungewöhnlichen Ort ihres ersten Treffens - damals beim Budenzauber in der Berliner Deutschlandhalle - herzhaft lachen.

Quelle: ntv.de

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