Redelings Nachspielzeit

"Rehhagel wird erschossen" Das ekelhafteste Foul der Bundesligageschichte

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Lienen wollte Rehhagel direkt an die Gurgel.

(Foto: picture alliance / Rzepka - Pressefoto)

Saison 1981/82: Die unglaublichen Bilder des 14. August 1981 dürfen noch heute in keiner Bundesliga-Rückschau fehlen - und Ewald Lienen wird immer noch stets auf diesen schmerzhaften Tag angesprochen. Denn das Foul von Norbert Siegmann an Lienen ist nur der Anfang einer abenteuerlichen Geschichte.

Am 14. August 1981 ging ein Bild um die Welt. Ewald Lienen lag am Boden und schaute völlig fassungslos auf seinen aufgeschlitzten Oberschenkel. "Du bist daran schuld, du kriegst von mir eine Anzeige!", schrie Lienen noch von der Trage Rehhagel zu. Der Werder-Trainer, so der Bielefelder, soll seinen Spieler Norbert Siegmann dazu aufgefordert haben, "härter draufzugehen". Beim Rückspiel auf der Alm wurde Rehhagel mit einer kugelsicheren Weste ausgestattet und von Bodyguards aufs Feld begleitet: "So wahr ich lebe, wenn ich den Siegmann im Stadion erwische, schlage ich ihn tot", hatte zuvor ein Mann auf der Bielefelder Geschäftsstelle gesagt und ein anderer bei der Zeitung "Neue Westfälische" in der Lokalredaktion angerufen und in den Hörer geschrien: "Um 16 Uhr wird Rehhagel erschossen!"

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Betont zurückhaltend reagierten die Bremer. Vor dem Spiel gegen die Arminia ermahnte der Werder-Coach seine Mannschaft, in jeder Situation Ruhe zu bewahren: "Entschuldigt euch bei euren Gegenspielern, selbst wenn ihr denen mal unabsichtlich auf die Füße tretet."

Wenige Wochen später wurde die Lienen-Geschichte vom Fall Hasse Borg sogar noch übertroffen. Karlsruhes Emanuel Günther sprang mit beiden vorgestreckten Beinen in einem hohen Bogen in seinen Braunschweiger Gegenspieler hinein und brach dem Schweden dabei das Schienbein. Das Schiedsrichtergespann aus der Schweiz (!) war mit der Situation völlig überfordert und pfiff nur Freistoß für Braunschweig. Eine Tatsachenentscheidung, die für blankes Entsetzen und für noch viel mehr Unverständnis sorgte. Eintracht-Coach Uli Maslo: "Selbst wenn der Schiedsrichter nichts gesehen hat, muss er doch das Krachen gehört haben und Günther rausstellen!"

Meisterfeier mit altersschwachem Bus

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Doch die Spielzeit 1981/82 bot auch ihre kurios-vergnüglichen Seiten - wie die Meisterfeier des HSV in Hamburg zeigte. Der englische Doppeldeckerbus erwies sich als altersschwach und wollte nicht anspringen. Als er dann endlich fuhr, warf ihn gleich die erste Anhöhe aus der Bahn. Hilft ja alles nichts, dachte man sich und beorderte alle HSV-Profis hinaus, mit dem Auftrag, das Gefährt anzuschieben. Doch nach wenigen Metern war klar, hier ging nichts mehr. Ein Traktor tuckerte zu Hilfe und zog den Bus durch die Straßen. Hamburgs Trainer Ernst Happel gewohnt argumentativ trocken: "Hätten wir während der Saison auch immer solche Schwierigkeiten gehabt, wieder übern Berg zu kommen, wären wir jetzt nie Meister!"

Und als dann auch noch die Ampeln plötzlich zu tief hingen und ein besorgter Polizist die Profis warnte, meinte Horst Hrubesch nur: "Keine Angst, die köpf’ ich alle weg!" Da störte es am Ende auch nicht mehr, dass einige Jacketts nach einem Eier-Wurf von Punkern geopfert werden müssen. Eins der Eier bekam Hrubesch auch noch direkt vor die Stirn. Seine Mannschaftskollegen grinsten: "Mensch, Horst, jetzt ist aber auch mal gut. Du musst doch nicht alles mit dem Kopf nehmen." Nur einer lächelte den ganzen Tag komplett gelassen vor sich hin: Franz Beckenbauer. "Ich bin schon oft Meister geworden in meinem Leben, da genießt man das mehr innerlich!"

"Vor Angst die Straßenseite gewechselt"

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  • Mit seinen Fußballprogrammen ist er deutschlandweit unterwegs. Infos & Termine auf www.scudetto.de.

Mit Coach Ernst Happel hatte der HSV einen Volltreffer gelandet. Felix Magath war schon nach der ersten Trainingseinheit vollkommen begeistert vom neuen Coach: "Es war plötzlich wie damals auf der Straße. Da liefen wir auch hinter dem Ball her, um uns auszutollen." Die Entscheidung um die Meisterschaft fiel am 29. Spieltag. Nach einem 3:1-Rückstand gewann der HSV beim zweitplatzierten Titelverteidiger Bayern München durch ein Tor von Horst Hrubesch in der 90. Minute noch mit 4:3. Der grandiose Schlussspurt war das vorgezogene Meisterstück der Hamburger. Jimmy Hartwig erinnert sich, wie die Mannschaft das großartige Gefühl des Triumphs erlebte: "In der Woche nach dem Spiel sind wir mit so breiter Brust durch die Straßen gelaufen, dass Fußgänger vor Angst die Straßenseite gewechselt haben."

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In München verkraftete man die Niederlage im entscheidenden Spiel um den Titel dagegen nur sehr schwer. Der Versuch, es humorvoll zu nehmen, mündete in diesem Witz: "Hast du gestern den Riesenkrach an der Säbener Straße gehört?" "Nein, was ist denn passiert?" "Die Mannschaft des FC Bayern hat sich die Deutsche Meisterschaft aus dem Kopf geschlagen!" Ein überraschendes wie unglaubliches Geständnis machte in dieser Spielzeit Werder Bremens Profispieler Uwe Reinders. Überraschend deshalb, weil der Nationalspieler da bereits ein Mann des lockeren Lebenswandels war - und unglaublich ob des seltsamen Inhalts: "Bis zu meinem 20. Lebensjahr habe ich keinen Tropfen Alkohol angerührt. Dann musste ich wegen Schlafstörungen zum Arzt. Der stellte fest, dass ich wegen der großen Mengen Cola, die ich in mich hineinschüttete, nachts immer aufwachte. Der Arzt empfahl mir Bier als Schlafmittel."

Das Schlusswort dieser Saison sprach der Stuttgarter Alexander Szatmári, der nach einem nervenaufreibenden 1:0-Sieg gegen Darmstadt sichtlich gezeichnet sagte: "James Bond ist ein Kinderspiel gegen die Bundesliga. Wo ist in Stuttgart eine Nervenklinik? Ich muss eine Woche dorthin gehen, um mich zu beruhigen!"

Quelle: ntv.de

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