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Dieser Haufen feiert - den Einzug ins WM-Finale.
Dieser Haufen feiert - den Einzug ins WM-Finale.(Foto: AP)
Dienstag, 10. Juli 2018

Nachbar-Duell im Schnellcheck: Einfach #FRABELhaft

Von Anja Rau

Die Nachbarn Belgien und Frankreich duellieren sich ums Fußball-WM-Finale. Auch wenn eine Standardsituation zur Entscheidung herhalten muss - dieses Spiel entschädigt für drögen Turnier-Rumpelfußball. Nur auf der Tribüne hapert es.

Was ist im Krestowski-Stadion von St. Petersburg passiert?

Sie haben sich lieb.
Sie haben sich lieb.(Foto: AP)

Ein  #FRABELhaftes Spiel ist da passiert! Es ist das Aufeinandertreffen der beiden französischen Ex-Nationalmannschaftskollegen Didier Deschamps und Thierry Henry. Der eine ist heute Frankreichs Nationaltrainer, der andere belgischer Stürmertrainer. Es gibt ein liebevolles Wiedersehen. Es gibt ein Fußball-WM-Halbfinale ohne Sprachbarrieren. Es ist das Spiel, das Frankreich zum dritten Mal in ein WM-Finale katapultiert. Samuel Umtiti köpft seine Franzosen mit dem 1:0-Siegtreffer mitten hinein in den Jubeltaumel. Und auch nicht ganz unwichtig: Das Spiel liefert eine Entschädigung für die lahmen Deutschland-Partien und alles was es da bislang bei dieser WM sonst noch so an antiquiertem Rumpelfußball zu sehen gab. Tempo, gutes Passspiel, (über weite Strecken des Spiels) Fairness, massenhaft gute Strafraumszenen - dieses Nachbarschaftsduell zwischen Frankreich und Belgien bietet - zumindest in der ersten Halbzeit - alles, was ein unterhaltsamer Fußballabend braucht. Na gut, der Kollege im Stadion hat dann doch etwas ausgemacht, das fehlt - siehe "So war's im Stadion".

Teams & Tore

Frankreich: Lloris - Pavard, Varane, Umtiti, Hernandez - Pogba, Kanté, Mbappé, Griezmann, Matuidi (86. Tolisso) - Giroud (84. Nzonzi) - Trainer: Deschamps
Belgien: Courtois - Alderweireld, Kompany, Vertonghen - Chadli (91. Batshuayi), M. Dembélé (60. Mertens), Witsel, Fellaini (80. Carrasco), De Bruyne - Lukaku, E. Hazard - Trainer: Martínez
Tore: 1:0 (Umtiti, 51.)
Schiedsrichter: Andres Cunha (Uruguay)
Zuschauer: 65.468 (ausverkauft)

Die Asterix-Tim-und-Struppi-Partie im Spielfilm

13. Minute: Kylian Mbappé ist einfach mal auf und davon. Er hängt im Sprint Jan Vertonghen ab, der Steilpass von Paul Pogba fliegt aber auch für den Supersprinter etwas zu weit, Thibaut Courtois ist zuerst dran. Das war knapp.

16. Minute: Kevin De Bruyne mit dem cleveren Pass zu Eden Hazard, der links im Sechzehner steht und einfach mal abzieht. Sehr spitzer Winkel, der Ball rauscht denn auch am langen Pfosten vorbei.

19. Minute: Raphaël Varane klärt! Hält gerade so den Kopf dazwischen, hilft damit Hugo Lloris aus der Klemme, der damit umsonst durch seinen Strafraum fliegt. Sonst hätte es wohl 1:0 für Belgien gestanden - weil Hazard nach innen zieht und dann draufhält.

22. Minute: Lloris beweist seine Klasse! Er fliegt und fliegt in die linke Ecke und kann den Schuss von Toby Alderweireld noch bravourös parieren. Der Verteidiger lauerte vor dem Strafraum. Hier ist mal so richtig Wumms drin!

31. Minute: Olivier Giroud duckt sich für eine Hereingabe von Benjamin Pavard auf Schulterhöhe, köpft - und das nur knapp vorbei.

33. Minute: Schnappatmung vor dem belgischen Tor. Erneut vergibt Giroud, er trifft die Hereingabe von Mbappé nicht richtig und rutscht mehr am Ball vorbei. Der wiederum rutscht dann rechts am Tor vorbei.

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51. Minute: TOOOOOOOR! Für Frankreich! Samuel Umtiti köpft den Ball mitten rein ins Netz, weil er Marouane Fellaini entwischt, zum Kopfball höher steigt als sein Gegner und dann Courtois überlistet. Natürlich eine Standardsituation, diesmal eine Ecke. 1:0! Da gratuliert Belgiens König Philippe hoch oben in der Loge dem französischen Präsidenten Emanuel Macron - fair.

56. Minute: Giroud muss weiter auf seinen ersten Turniertreffer warten. Näher ran geht's fast nicht mehr. Mousa Dembélé verhindert den Einschlag zum 2:0 in höchster Not. Der feine Pass kam von Mbappé - weitergeleitet mit der Hacke. Wunderschön.

64. Minute: Fast der Ausgleich! Fellaini wird von Dries Mertens bedient und köpft, bedrängt von Pogba, den Ball nur knapp am rechten Pfosten vorbei.

81. Minute: Witsel! Lloris!! Das Duell um den strammen Schuss des Belgiers geht an den französischen Schlussmann, der den Ball aus der Gefahrenzone faustet.

96. Minute: Beinahe wäre Uli Hoeneß in seinem Lehnsessel aufgesprungen - beinahe das erste Turniertor eines Bayern-Spielers! Correntin Tolisso, der letzte verbliebene Münchner in Russland, hat es auf dem Fuß, dann aber rutscht der Ball doch rechts am Eck vorbei.

Was war gut?

Dieses Tempo! Nach dem verzweifelten Kommentar von Bela Réthy im Spiel Deutschland gegen Südkorea - Zuschauer die erst jetzt eingeschaltet haben, sollten sich nicht über die Zeitlupe wundern, das Spiel sei wirklich so langsam - können wir während dieses WM-Halbfinals konstatieren: Das ist keine doppelte Geschwindigkeit, dieses Spiel ist wirklich so schnell! Vor der französischen Führung fällt noch etwas auf: Im Mittelfeld halten sich beide Teams nicht länger als nötig auf. Die Partie erinnert in Hälfte eins gar an ein hochklassiges Handballspiel: von einem Tor geht's direkt zum anderen. Das ändert sich danach selbstredend. Aber Frankreich kann eben auch Verteidigung - sehr zum Leidwesen der Belgier, die so immer wieder ohne Erfolg anrennen. Was aber auch daran liegt, dass etwa Passlieferant Kevin de Bruyne Lieferschwierigkeiten hat.

Was war schlecht?

Weil hier etwas stehen muss: Die Nachspielzeit. Diese gut sechs Minuten verderben dem neutralen Zuschauer ein wenig die hochklassige Partie. Die Franzosen sind clever, abgezockt und spielen kräftig auf Zeit. Nicht schön, aber erfolgreich - und aus Sicht der Franzosen völlig nachvollziehbar. Wer ins Finale will, muss schließlich mit allen Wassern gewaschen sein.

So war's im Stadion

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Etwas kühler als gedacht mit tiefsommerlicher Frische, und auch stimmungstechnisch leicht unterkühlt. Man hätte fast meinen können, die DFB-Elf hätte es doch ins WM-Halbfinale geschafft, nicht nur einige optimistische Fans aus Deutschland. Mit fröhlich-euphorischem "Здравствуйте!", "Bonjour!" und "Hallo!" geschweige denn Emotions-Eruptiönchen war es erstmal nix im Krestowski-Stadion-Ufo in der Newa-Mündung, berichtet unser WM-Reporter Christoph Wolf - trotz weltmeisterlicher Kopfbedeckungen. 20 Minuten vor Anpfiff sah es auf den Rängen aus wie im Berliner Olympiastadion beim Anpfiff, also halbleer statt stimmungsvoll. Lag aber nicht am Spiel, sondern am weitläufigen Stadion-Biergarten, wo offenbar sogar alkoholfreies Sponsoren-Bier schmeckt - und das änderten die 64.286 Zuschauer pünktlich zum Anpfiff noch, schließlich waren ja extra Stahlrohrtribünen in die Arena gebaut worden, schließlich war WM-Halbfinale. Richtig laut wurde es erst in der 17. Minute, als hinter dem belgischen Tor "Rossija"-Sprechchöre angestimmt wurden. Und bei Frankreichs 1:0 schmetterte der französische Mini-Fanblock tatsächlich beglückt "Allez, les Bleus!" Als das Stadion in der Schlussviertelstunde Fehlentscheidungen und Zeitspiel witterte, wurde tatsächlich, Huch!, gepfiffen, Verlängerung wollte man dann doch ganz gern. Es ist ja schön und gut, dass die WM jetzt eine EM und Fußball-Europa darauf mächtig stolz ist: Aber die Fans aus Mittel- und Südamerika, ihre Euphorie, Begeisterung und Fußballfreude, die fehlen jetzt halt, im Stadion, in den Spielorten, überall. Russische Fans flippen nunmal auch nur bei Russland-Spielen aus - also bei dieser WM nicht mehr.

Wie war der Schiedsrichter?

Dass Andrés Cunha mit der Leitung dieses Halbfinals betraut wurde, war durchaus eine Überraschung, wie unser Schiedsrichter-Experte Alex Feuerherdt von "Collinas Erben" befindet. Denn der Uruguayer hatte bei seinen ersten beiden Einsätzen in diesem Turnier nicht unbedingt herausgeragt. Doch er war in diesem hochklassigen und temporeichen Spiel meist ein guter Schiedsrichter. Lange Zeit nur wenig gefordert - den ersten Freistoßpfiff gab es erst nach 17 Minuten -, ließ Cunha bis etwa 20 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit eine angenehm großzügige Linie bei der Zweikampfbeurteilung obwalten, die der Partie bis dahin auch angemessen war. Die Spieler dankten dem Referee dieses Entgegenkommen mit einer fairen Spielweise. Als die Begegnung in ihre entscheidende Phase trat und die Zweikämpfe härter wurden, bekam auch der Unparteiische mehr zu tun und zog die Zügel richtigerweise straffer, auch in Form von Gelben Karten. Dabei war er allerdings nicht immer konsequent, so hätte beispielsweise auch Axel Witsel für sein hartes Foul gegen Antoine Griezmann in der 74. Minute verwarnt werden müssen. Gegen Ende des Spiels manchmal nicht mit dem nötigen Nachdruck in seinen Entscheidungen - und einem gravierenden Fehler in der 80. Minute: Obwohl Cunha gut postiert war, übersah er das klare Foulspiel von Olivier Giroud an Eden Hazard kurz vor dem französischen Strafraum in zentraler Position. Nicht so souverän wie viele seiner Kollegen zuletzt, dennoch kein Spiel, nach dem viel über den Schiedsrichter geredet werden wird.

Der Typ des Spiels

Zu Mbappé ist doch eigentlich bereits alles geschrieben. Nachzulesen hier, hier und hier. Nun steht der 19-Jährige im WM-Finale - ach was, er wird dort nicht stehen sondern spielen. Und rennen, nein rasen, preschen, sprinten. Zu schnell ist er für so viele Gegenspieler - auch für die flinken Belgier, die ihn in der Partie ein ums andere Mal ziehen lassen müssen. Das einzige, was Mbappé noch lernen sollte, ist, dass er diese elende Schauspielerei nicht nötig hat. Wandelt er fußballerisch auf den Spuren seines Teamkollegen Neymar, nimmt er sich offenbar auch theatralisch ein Beispiel am Brasilianer. Dabei soll er den sieben Jahre älteren Mitspieler bei Paris Saint-Germain doch gar nicht leiden können ...

Sonst noch was?

Der FC Bayern kann sich auf eine Serie verlassen: Seit 1982 ist der deutsche Rekordmeister bei jeder Weltmeisterschaft immer mit mindestens einem Spieler im Finale vertreten. In diesem Jahr sorgt Correntin Tolisso für den Mini-Erfolg. Damit können die Bayern auch weiterhin noch auf einen Turnier-Treffer hoffen.

Der Tweet des Spiels

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Quelle: n-tv.de