Fußball-WM 2018

Franzose soll Liga-Krösus retten Tolisso - der letzte WM-Münchner

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Corentin Tolisso ist der letzte FC-Bayern-Vertreter bei der WM.

(Foto: imago/PanoramiC)

Auf Corentin Tolisso lastet im Viertelfinale seiner Franzosen gegen Uruguay eine schwere Bürde: Er soll als letzter verbliebener Vertreter die Ehre des FC Bayern München retten. Für den deutschen Fußball-Rekordmeister ist die WM ein völliges Debakel.

Freitag, 16 Uhr, Nischni Nowgorod, WM-Viertelfinale: Wird es beim FC Bayern ein internes Rudelgucken der Partie Frankreich gegen Uruguay geben? Schon vor Anpfiff werden wohl bange Blicke auf die Startelf von Frankreich-Trainer Didier Deschamps geworfen werden. Steht Corentin Tolisso im Aufgebot? Der 23-Jährige soll die Ehre des Klubs retten. Nicht weniger lastet auf seinen Schultern.

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Dass er von der Bank ins Geschehen eingreift, kennt Tolisso auch vom FC Bayern.

(Foto: imago/ULMER Pressebildagentur)

Dabei ist noch nicht einmal sicher, dass er überhaupt spielt. Im Achtelfinale gegen Argentinien durfte Tolisso erst in der Schlussviertelstunde ran, in der Gruppenphase gegen Peru und Dänemark gar nicht. Weil er im Eröffnungsspiel gegen Australien nicht überzeugen konnte und der französische Kader riesige Alternativen bietet.

Dass die Bayern so auf ihren Tolisso schauen, liegt nicht daran, dass er mit 41,5 Millionen Euro der Rekordtransfer des Klubs ist. Sondern am Mangel an Alternativen - alle anderen Bayern-Spieler sind bereits sang- und klanglos aus dem Turnier ausgeschieden. Ein Makel, der den deutschen Rekordmeister peinigt. Bei der WM 2014 in Brasilien waren 15 Spieler des Klubs für ihre Nationen dabei, zum Start der WM in Russland waren es nur 11 Spieler. Die 7, die den DFB vertreten, sind raus. Ebenfalls in der Gruppenphase ausgeschieden ist Robert Lewandowski mit Polen. Im Achtelfinale wurden dann Spaniens Thiago Alcantara und Kolumbiens James Rodriguez rausgekickt. Und so ist Tolisso der Einzige, der für den FC Bayern noch einen Achtungserfolg erringen kann.

Null Bayern-Tore gab es zuletzt 1990

Der soll jetzt nicht nur spielen, sondern auch noch ein Tor schießen! Denn davon steht für den FC Bayern München bei dieser WM noch überhaupt keins zu Buche. Null, niente, nada. Das hat es seit 28 Jahren nicht gegeben, zuletzt leer ausgegangen ist der FC Bayern bei der WM 1990. Deutschland wurde Weltmeister mithilfe vierer Treffer von Lothar Matthäus und jeweils dreier Tore von Jürgen Klinsmann, Andreas Brehme und Rudi Völler. Alle spielten damals in der italienischen Serie A, die drei Erstgenannten zusammen bei Inter Mailand, Rudi Völler bei AS Rom. Im WM-Kader des DFB standen damals übrigens sechs Bayern-Spieler, die zuvor in der Bundesliga Meister geworden waren.

Und diesmal? Gab es für den DFB bekanntlich überhaupt nur zwei mickrige Tore beim Last-Minute-Sieg gegen Schweden - die gehen auf die Konten von Marco Reus und Toni Kroos. Robert Lewandowski stand für Polen dreimal 90 Minuten auf dem Platz, die zwei Tore für Polen schossen andere - und Lewandowski beschwerte sich hinterher bitterlich. Spaniens Coach Fernando Hierro gestand Thiago nur eine Nebenrolle zu - wechselte ihn im Auftaktspiel gegen Portugal in der 70. Minute ein und gegen Marokko in der 74. Minute aus - gegen den Iran sowie im Achtelfinale gegen Russland musste der 27-Jährige zuschauen.

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James hat es besonders bitter getroffen: Der 26-Jährige durfte im Auftaktspiel Kolumbiens nach 59 Minuten ran, spielte dann gegen Polen durch, bevor er im abschließenden Gruppenspiel nach einer halben Stunde verletzt ausgewechselt werden musste - und aufgrund eines Blutergusses in der rechten Wade auch das Achtelfinale gegen England verpasste. So war auch die Möglichkeit dahin, den Ehrentreffer für seinen Klub im entscheidenden Elfmeterschießen klarzumachen.

Tolisso hat gute Einsatz-Chancen

So müssen die Verantwortlichen beim FC Bayern nun alle Hoffnung in Tolisso legen. Seine Franzosen sind nach dem sagenhaften 4:3 gegen Argentinien noch im Turnier, treffen auf Uruguay - und dürften damit nicht die schlechtesten Karten haben, auch das Halbfinale zu erreichen. Mit einem spielenden Tolisso? Die Chancen stehen recht gut, denn sein ärgster Konkurrent Blaise Matuidi hat gegen Argentinien seine zweite Gelbe Karte gesehen und darf deswegen gegen Uruguay nicht mitmischen.

Zwar wollte Deschamps Assistent Stéphane noch nicht einmal andeuten, ob die Wahl auf Tolisso fällt. Die Zeitung "L'Equipe" aber etwa schreibt, dass er die "natürliche Lösung" sei. Dass er es von den Bayern gewohnt ist, auch auf die Bank rotiert zu werden, "das hilft" Tolisso nach eigenen Angaben im Nationalteam ebenfalls. "Ich sage mir, dass ich einfach besser sein muss als die anderen, mich selbst übertreffe", erklärte er. "Wenn ich meine Chance bekomme, liegt es an mir, zu zeigen, dass es gerechtfertigt ist." Dann könnte er seine Statistik-Werte aufpolieren: Laut transfermarkt.de ist er derzeit nur auf Platz 68 der wertvollsten WM-Spieler gelistet.

Paris Saint-Germain erzeugt Neid

Von München aus könnten also bange Blicke Richtung Frankreich gehen - neidische jedenfalls. Denn begutachtet man die Kader der verbliebenen acht Nationalmannschaften, fällt auf: Paris Saint-Germain mischt ganz groß mit. Bei Brasilien stehen Neymar, Thiago Silva und Marquinhos im Aufgebot, bei Uruguay Edison Cavani, bei Belgien Thomas Meunier und in der Équipe Tricolore Kylian Mbappé, Alphone Areola sowie Presnel Kimpembe. So heißt es im Grunde genommen nur noch: Welcher Thomas-Tuchel-Star wird Weltmeister?

Eine Situation, die die Bayern noch aus 2014 kennen - damals waren Rot und Weiß nicht nur im DFB-Team, sondern auch bei den weiteren Halbfinalisten aus Brasilien (Dante) und den Niederlanden (Arjen Robben) dabei. Die Bayern werden diesem Vereinsrekord schmerzlich hinterhertrauern.

Quelle: n-tv.de

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