Fußball-WM 2018

Erfolg oder Liebe zu Frankreich? Henry ist Belgiens "psychologische Waffe"

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Bleibt bei der WM bislang im Hintergrund: Thierry Henry.

(Foto: imago/Uk Sports Pics Ltd)

Er ist eine Legende des Weltfußballs. Zusammen mit Trainer Roberto Martínez soll Thierry Henry Belgiens Stars zum WM-Titel führen. Dabei ist er verantwortlich für die mentale Stärke, die gegen sein Heimatland Frankreich entscheidend sein könnte.

1998 wird Thierry Henry zusammen mit Didier Deschamps Fußball-Weltmeister im eigenen Land. 20 Jahre später stehen sich die ehemaligen Weggefährten in Russland an der Seitenlinie gegenüber. Deschamps in vorderster Front bei Frankreich, Henry zieht als Co-Trainer Belgiens im Hintergrund die Fäden und soll den entscheidenden Kick geben, um die Roten Teufel zum neuen Weltmeister zu machen.

Weltmeister, Europameister, Champions-League-Sieger und viele nationale Titel: Der ehemalige Weltklasseangreifer in Diensten des FC Arsenal und FC Barcelona hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Der langjährige TV-Experte für die Premier League steht seit 2016 Chef-Trainer Roberto Martínez zur Seite und soll seine Erfahrung vor allem an die Offensivabteilung weitergeben.

In Ehrfurcht vor der Legende

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Eden Hazard, Romelu Lukaku und Co. blicken fast ehrfürchtig zu "Titi" auf. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals so auf meine Eltern gehört habe", twitterte Stürmer Michy Batshuayi nach den ersten Trainingseinheiten mit der Arsenal-Ikone und setzte den Hashtag #LearnFromTheBest. "Er erzählt gerne von dem, was er gemacht hat, wie es war, seine erste WM und all das. Er hat mir viele Tipps gegeben, wie ich mich verbessern kann", sagte Batshuayi während dieser WM-Endrunde, bei der er als Joker einen Treffer erzielen konnte.

Die ersten Früchte der Arbeit des Welt- und Europameisters sieht man aber vor allem an Lukaku. Der bullige Mittelstürmer ist nicht mehr nur der Prellbock und Stoßstürmer, er kommt auch oft aus der Tiefe - so wie es einst Henry gerne gemacht hat. Dazu spielt er viel umsichtiger und hat ein besseres Gefühl für die Räume seiner Mitspieler. Beim 3:2-Siegtor gegen Japan ist er der entscheidende Mann, ohne den Ball zu berühren. Lukaku hat gelernt: Ein Spielzug muss nicht zwingend mit einem Abschluss von ihm enden. Auch Laufwege und Finten können über ein Tor entscheiden.

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Henry ist in Belgiens Training mittendrin statt nur dabei.

(Foto: imago/Belga)

Für derartige Erkenntnisse muss schon ein ausländischer Erfolgs-Experte sorgen, denn aus den eigenen Reihen der belgischen Historie kommt zu wenig. In der Entwicklung ist das belgische Team noch jung, an Erfahrung mangelt es aber eigentlich nicht. Unter den 20 Nationalspielern mit den meisten Länderspielen für Belgien befinden sich neun Profis aus der aktuellen Mannschaft. Der Rekordtorschütze Belgiens ist der 25-jährige Lukaku mit 40 Treffern in 71 Einsätzen.

Erfolg kommt vor Heimatliebe

Henry liefert nun ein Puzzleteil, das Belgien lange gefehlt hat: Das Sieger-Gen - für eine Mannschaft, die seit Jahren voller Talent steckt, es in den entscheidenden Momenten aber nicht abrufen konnte. Die WM-Partien gegen Japan und Brasilien sind die besten Beispiele für das veränderte Selbstverständnis, die neue psychische Stärke - eingeimpft von Henry.

Trainer Martínez ist vom Mehrwert seines französischen Co-Trainers absolut überzeugt: "Er ist für uns eine psychologische Waffe, auf die wir so oft als möglich zurückgreifen werden." Seine Erfahrung sei "unbezahlbar", wenn es darum ginge, "mentale Barrieren" zu überwinden, um Weltmeister zu werden. Mental schwierige Momente wird das Halbfinale gegen Frankreich mit Sicherheit für Belgien bereithalten. Auch für Henry. Das glauben zumindest die französischen Nationalspieler. "Wenn wir gewinnen", sagte Abwehrspieler Lucas Hernandez, "wird er auch glücklich sein. Dann am Ende ist er immer noch Franzose."

Ja, Henry liebt sein Land, aber auch den Erfolg. Um die Champions League zu gewinnen, verließ er seine heißgeliebten Gunners und heuerte beim FC Barcelona an. Die Chance, Weltmeister zu werden und am Erfolg beteiligt zu sein, wird sich auch in seiner weiteren Karriere wohl nicht so oft bieten. Und in einem Spiel, in dem sich die Akteure gegenseitig so gut kennen, braucht es etwas Geniales, um den Gegner zu überraschen. Das war schon zu Spielzeiten ein Fachgebiet des Franzosen - nun könnte sich das auch durch seine Trainertätigkeit bei den Belgiern bemerkbar machen.

 

Quelle: n-tv.de

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