Olympia

Geografie, Teamgeist, Doping Das ist das deutsche Medaillengeheimnis

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Die Deutschen sind wie bei jeden Winterspielen aussichtsreiche Kandidaten auf Medaillen.

(Foto: imago/Bildbyran)

Bei den Olympischen Sommerspielen ernten meist andere Nationen die Lorbeeren, im Wintersport sind die Deutschen ganz vorne dabei. Im ewigen Medaillenspiegel stehen sie gar an erster Stelle. Doch die Führungsrolle hat nicht ausschließlich mit hartem Training zu tun.

Die Olympischen Winterspiele in Südkorea haben gerade erst offiziell begonnen. Doch schon vor den ersten Medaillenentscheidungen müssen die deutschen Athleten einen Titel verteidigen - gegen Neider, gegen Kritik und vor allem gegen andere Nationen. Sie führen derzeit das ewige Medaillenranking der Winterspiele an, doch die Statistik hat einen faden Beigeschmack.

Die Deutschen gelten in den Wintersportdisziplinen als Experten. Vor allem im Biathlon, im Rennrodeln und beim Bobfahren gehört Deutschland historisch gesehen zu den führenden Staaten. "Das liegt auch an den guten geografischen, topografischen und klimatischen Bedingungen", erklärt Sportwissenschaftler Markus Kurscheidt von der Universität Bayreuth. Deutschland gehört zu den alpinen Nationen. "Zwar ist unser Anteil an den Alpen recht klein, dennoch haben wir unsere Mittelgebirge für die nordischen Disziplinen", sagt der Olympia-Experte.

Mit Laura Dahlmeier stellt die deutsche Mannschaft in Pyeongchang eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen auf mindestens eine Goldmedaille im Biathlon. Schon seit Jahrzehnten holen deutsche Biathleten regelmäßig Titel und Medaillen bei internationalen Wettkämpfen. Auch hierfür gibt es laut des Experten eine historische Erklärung: Die eigentliche Erfindung des Biathlons geht auf die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Patenkirchen 1936 zurück, hat also in Deutschland seinen Ursprung. "Damals fand Biathlon noch als eine Art Militärlauf als Show-Wettkampf statt", sagt Kurscheidt. Deshalb seien auch die Norweger stark im Biathlon. "Bei ihnen hat es eine jahrhundertelange Tradition, mit Langlaufskiern unterwegs zu sein und zu jagen."

Entscheidend seien aber auch die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs, erklärt der Olympia-Forscher. "Heutzutage wird strukturierter und systematischer an Medaillenerfolgen gearbeitet." Gelder fließen nicht mehr allein in den einzelnen Sportler, sondern vor allem auch in die Entwicklung von besseren Sportgeräten und Materialien. Daher gelte Kurscheidt zufolge eine Regel: "Je größer und wohlhabender die Nation ist, desto weiter vorne ist sie im Medaillenspiegel vertreten." Nur wer die wirtschaftliche und politische Macht hat, könne um die oberen Plätze im Ranking konkurrieren.

Teamgefühl wird unterschätzt

Neben geografischen, geschichtlichen und finanziellen Vorteilen kann Deutschland zudem mit einer Besonderheit auftrumpfen. "Von Außenstehenden wird oftmals übersehen, dass in den vergangenen Jahren der Teamgeist und das Selbstbewusstsein in der deutschen Mannschaft gewachsen sind", erklärt der Professor für Sportökonomie und -management. Demnach werde häufig unterschätzt, welche Kräfte innerhalb einer Olympia-Mannschaft wirken. "Die Athleten unterstützen sich untereinander über alle Disziplinen hinweg und entwickeln sogar amouröse Beziehungen." Das sei etwa bei den Niederländern, die mit dem Eisschnelllauf nur eine Paradedisziplin haben, anders. Hinzu komme der olympische Gedanke, der die Gleichheit der Sportler betont und zum Frieden aller Nationen aufruft, sagt Kurscheidt. Auch das Zusammenleben im olympischen Dorf und der gemeinsame Einmarsch bei der Eröffnungsfeier stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl. "Das ist ein selbstverstärkender Effekt."

Dennoch gibt es auch eine negative Komponente, die den Medaillenspiegel beeinflusst. "Doping spielt eine größere Rolle als uns lieb ist", sagt Kurscheidt. Nach den Winterspielen in Sotschi wurde enthüllt, dass vor allem die russische Mannschaft systematisch gedopt hat. Viele Sportler wurden daher vom Internationalen Olympischen Komitee für die Wettbewerbe in Südkorea gesperrt und verloren im Nachhinein ihre Medaillen. Russland, das zuvor die Nummer eins war, rutschte im ewigen Ranking abwärts. "Die Dunkelziffer ist sicherlich noch immer hoch. Daher fällt es schwer, die genauen Auswirkungen von Doping auf den Medaillenspiegel abzuschätzen", erklärt der Wissenschaftler.

Illegale Substanzen sind jedoch auch einer der Gründe, warum Deutschland den ewigen Medaillenspiegel aktuell anführt. "Wir brauchen in der Rückschau nicht nur mit dem Finger auf die ehemalige DDR zeigen", sagt Kurscheidt, "denn auch in der BRD wurde gedopt". Im Westen habe es zwar kein systematisches Doping von oben gegeben wie in den Staaten des ehemaligen Ostblocks, "es wurde aber mehrfach signalisiert: Wir dopen auch". Zu einem strikten Vorgehen gegen illegale Substanzen sei es aber erst in den Neunziger Jahren gekommen. "Der Kampf gegen Doping ist aber immer noch ein zahnloser Tiger, denn es mangelt an einer unabhängigen, gut ausgestatteten Instanz", erklärt der Experte. Diese Faktoren müssen in der Statistik berücksichtigt werden. Kurscheidt mahnt allerdings, man dürfe wahren Sporthelden kein Unrecht tun und ihre Leistung herabwürdigen.

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Quelle: n-tv.de

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