Technik
Warnsysteme wie Katwarn sind nützlich, haben aber Macken.
Warnsysteme wie Katwarn sind nützlich, haben aber Macken.(Foto: Fraunhofer-Institut Fokus)
Dienstag, 26. Juli 2016

Katastrophen-Warnsysteme mit Macken: Katwarn und NINA können Leben retten

Zwei Smartphone-Apps warnen in Deutschland bei Katastrophen, Amokläufen und Terroranschlägen. Katwarn und NINA funktionieren eigentlich gut - doch beide haben entscheidende Schwachstellen und sind nicht für alle nützlich.

Für die meisten Bereiche des alltäglichen Lebens gibt es inzwischen Apps, die versprechen, Probleme zu lösen oder zumindest dabei zu helfen, das Leben einfacher zu machen. Warum also nicht auch eine App schaffen, wo Warnungen von Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdiensten zusammenlaufen? Katwarn und NINA sind genau das: Informationssysteme, mit denen Behörden die Bevölkerung per Push-Benachrichtigung warnen können.

Nach den jüngsten Ereignissen in Würzburg, München und Ansbach haben zahlreiche Smartphone-Nutzer in Deutschland die App Katwarn installiert, um im Ernstfall früh und verlässlich informiert zu werden. Dabei geht es nicht nur um Gewalttaten - auch Unwetter, Großbrände, Chemieunfälle oder Bombenfunde werden über die App gemeldet. Außerdem bekommen Nutzer Verhaltensempfehlungen für den Ernstfall. Aber wie funktioniert Katwarn (kurz für Katastrophenwarnsystem) eigentlich und wie entscheidet sich, wer eine Push-Benachrichtigung erhält? 

Warnungen auch per SMS und E-Mail

Das Warnsystem gibt es bereits seit 2009. Es wurde vom Fraunhofer-Institut Fokus im Auftrag der großen Versicherer in Deutschland entwickelt und wird derzeit in 70 Städten und Kreisen genutzt. Wer es nutzen will, muss sich beim Dienst anmelden; das haben aktuell etwa 1,5 Millionen Menschen getan. Warnmeldungen werden entweder über die Smartphone-App oder via SMS und E-Mail verschickt. Die App gibt's kostenlos für iOS, Android und Windows Phone, die Systemanforderungen sind so niedrig, das wohl jedes Smartphone den Dienst nutzen kann. Hier geht's zur Anmeldung.

Wer sich per SMS anmelden will, schickt den Text "KATWARN [Postleitzahlengebiet]" an die Service-Nummer 0163-7558842. Für Warnungen per SMS und E-Mail wird folgendes Schema befolgt: "KATWARN [Postleitzahl] hans.mustermann@email.de". Zur Abmeldung reicht der Text "KATWARN AUS". Nutzer können auch mehrere Postleitzahlengebiete angeben, hierzu wird je eine SMS pro Postleitzahl verschickt. Warnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) werden jedoch nicht per SMS verschickt. 

App ermittelt Standort

Wer eine Warnung bekommt, entscheiden die Behörden im Einzelfall: Sie wählen die betroffenen Postleitzahlengebiete aus. Ein Vorteil der Smartphone-App: Über Mobilfunknetz und WLAN wird optional auch der aktuelle Standort des Nutzers ermittelt. Wer sich in einem Gefahrengebiet aufhält, bekommt so automatisch relevante Informationen. Meldungen können außerdem über soziale Netze wie Twitter geteilt werden.

Das System existiert zwar schon seit mehreren Jahren, doch am Abend des Amoklaufs in München stieß es an seine Grenzen: Weil es am Freitag zeitgleich in anderen Teilen Deutschlands zu Unwettern kam, war die Zahl der Nutzer, die mit Informationen versorgt werden mussten, zu hoch - es kam zu Ausfällen, der Dienst war zeitweise nicht erreichbar. Damit ist Katwarn im entscheidenden Moment gescheitert, nämlich dann, als der Bedarf am größten war und der Dienst seine Nützlichkeit unter Beweis hätte stellen können. Die Macher versprechen aber Besserung - die Kapazitäten des Systems sollen schnellstmöglich erweitert werden.  

Katwarn oder NINA?

Eine Alternative zu Katwarn kommt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App, kurz NINA, ist der offizielle Informationskanal des Bundes für die Smartphone-Nutzer im Land, die nicht über Radio und Fernsehen erreicht werden können. NINA basiert auf dem Modularen Warnsystem (MoWaS), einer vom Bund betriebenen Infrastruktur mit zahlreichen Sendestellen. Der Dienst funktioniert ähnlich wie Katwarn - damit gibt es in Deutschland zwei Systeme, die beide aber keine komplette Sicherheit bieten.

Welche App man nutzen sollte, hängt auch davon ab, in welcher Region man sich aufhält. Das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen empfiehlt NINA, Katwarn ist im bevölkerungsreichsten Bundesland kaum verbreitet. Das Problem ist auch hier: Städte und Kommunen können NINA nutzen, müssen es aber nicht. Die Sendestellen sind zudem nicht flächendeckend im Bundesgebiet verbreitet. Aktuell ist der Dienst nur in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Brandeburg sowie in Berlin, Hamburg und Bremen verbreitet. Die übrigen Bundesländer haben von NINA vorerst nichts. Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, installiert am besten beide Apps - und hofft, dass sie niemals Alarm schlagen werden.  

Quelle: n-tv.de