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Treibhausgas vom Meeresgrund Antarktisches Methan strömt in Atmosphäre

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Wenn sich die Antarktis erwärmt, könnte entweichendes Methan die Klimaerwärmung forcieren.

(Foto: REUTERS)

Forscher entdecken in der Antarktis Methan, das fast ungehindert vom Meeresboden in die Atmosphäre aufsteigt, weil Mikroben fehlen, die sich von dem Treibhausgas ernähren. Da im Südpolarmeer große Mengen Methan vermutet werden, könnte sich der Klimawandel durch die Emissionen deutlich beschleunigen.

Eine neue Studie von Forschern der Oregon State University lässt vermuten, dass in der Antarktis möglicherweise große Mengen Methan freigesetzt werden könnten. Denn einerseits werden im Südpolarmeer große Vorkommen des Treibhausgases vermutet. Andererseits scheinen sich dort Mikroorganismen, die Methan aufnehmen, bevor es in die Atmosphäre dringen kann, nicht schnell genug zu vermehren.

Methan viel schädlicher als Kohlendioxid

Bisher wird bei der Erderwärmung meistens über Kohlendioxid (CO2) diskutiert, aber Methan (CH4) ist ein weitaus effektiveres Treibhausgas, das einen 25- bis 32-mal höheren Schaden anrichtet als CO2. Laut Umweltbundesamt trug CH4 im vergangenen Jahre bereits zu 16,4 Prozent zum Treibhauseffekt bei.

Wissenschaftler der Stanford University ermittelten, dass die Methankonzentrationen in der Atmosphäre von 2000 bis 2017 kontinuierlich auf ein Rekordhoch gestiegen sind. Größtenteils seien die Emissionen menschengemacht und stammen aus dem Kohlebergbau, der Erdöl- und Erdgasförderung sowie der Nutztierhaltung, heißt es in der Studie. Ginge der Trend ungebremst weiter, könnte sich die Erde bis zur Jahrhundertwende alleine durch Methan um drei bis vier Grad Celsius erhöhen.

In der vor rund einer Woche veröffentlichten Arbeit schreiben die Wissenschaftler, Befürchtungen, die Erderwärmung könnte zu verstärkten Methan-Emissionen in der Antarktis führen, hätten sich bisher nicht bestätigt. Doch dabei gingen sie vor allem davon aus, dass dies wie in der Arktis durch abtauende Permafrostböden geschehen würde. Allerdings haben diese in der Antarktis eine geringe Bedeutung, da weniger als 1 Prozent des Festlandes eisfrei ist.

Die weißen Flächen sind Bakterien, die sich von Methan ernähren.

Die weißen Flächen sind Bakterien, die sich von Methan ernähren.

(Foto: Andrew R. Thurber/ Oregon State University)

Die eben veröffentlichte Arbeit der Oregon State University zeigt aber, dass das antarktische Methan sehr wohl noch zu einem großen Problem werden könnte. Dass vom Meeresboden der Antarktis Methan aufsteigt, ist schon länger bekannt. So entdeckten die US-Forscher die Quelle im Rossmeer bereits 2011. 2013 fand eine deutsche Expedition auf dem Meeresgrund vor Süd-Georgien sprudelnde Methanquellen. Doch jüngere Forschungen machten Hoffnung, dass Methan-fressende Mikroben das Treibhausgas davon abhielten, in die Atmosphäre zu entweichen.

Mikroben vermehren sich zu langsam

Zwar fand Forschungsleiter Andrew Thurber auch an den Methanquellen im Rossmeer diese Bakterien. Allerdings habe es fünf Jahre gedauert, bis die Mikroorganismen einen wirksamen "Filter" aufbauen konnten sagte er dem "Guardian". Und selbst dann sei aus dem Meeresboden dort weiter viel Methan entwichen.

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Wie viel CH4 tatsächlich im Meeresboden und unter dem Eisschild der Antarktis verborgen ist, wissen Wissenschaftler bisher nicht. Sie denke, dass dort große Mengen des Treibhausgases lagerten, sagte Jemma Wadham von der University of Bristol dem "Guardian". Die große Frage sei, ob sich die Mikroben schnell genug an immer neuen Methanquellen bilden könnten, wenn sich das Eis zurückziehe.

An anderer Stelle erwiesen sich die Mikroorganismen als sehr effektiv. So fanden US-Wissenschaftler Methan-fressende Bakterien, als sie bei Bohrungen im westantarktischen Eisschild in 800 Metern Tiefe auf einen unterirdischen See stießen. Die Mikroorganismen konnten das Treibhausgas fast vollständig aufnehmen. Allerdings hatten sie dort auch alle Zeit der Welt, denn der See war bis zu seiner Entdeckung seit Urzeiten von der Atmosphäre isoliert.

Quelle: ntv.de

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