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Tonnenweise Treibhausgase Alte Bohrlöcher setzen Methan frei

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Gut sichtbar steigen die Gasbläschen an einem inaktiven Bohrloch nach oben.

ROV Kiel600, Geomar

Methan ist ein Klimakiller. Bisher beobachtet man Methan-Rülpser von Kühen kritisch. Doch nun ist es die Nordsee, die das Treibhausgas ausspeit - und zwar nicht natürlicherweise, sondern an Stellen, wo vorher in den Boden gebohrt wurde.

Auch in der Nordsee wird Öl- und Gas abgebaut. Ungefähr 11.000 Bohrlöcher existieren deshalb am Meeresgrund. Diese wurden bislang als ungefährlich eingestuft, doch an den alten, inaktiven Bohrlöchern wird Methan freigesetzt. Das hat das Forscherteam um Lisa Vielstädte vom Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel herausgefunden. Die Forscher entdeckten bei mehreren Expeditionen zu Öl- und Gaslagerstätten in der Nordsee aufsteigende Gasbläschen. Sie maßen daraufhin stark erhöhte Methangehalte an diesen Stellen im Wasser.

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Ölförderplattform in der Nordsee.

(Foto: L. Vielstädte / Geomar)

Die Forscher stellten fest, dass das Gas aus sogenannten Gastaschen stammt, die in weniger als 1000 Metern Tiefe im Meeresboden liegen. Auf der Suche nach Öl und Gas werden diese Gastaschen einfach durchstoßen. Prinzipiell stellen sie bei den Bohrungen keine Gefahr dar und bleiben deshalb weitestgehend unbeachtet. Doch mit den neuesten Erkenntnissen der Forscher könnte sich das ändern.

Bei rund einem Drittel aller ausgedienten Bohrlöcher könnten solche Gastaschen angebohrt worden sein, schätzen die Forscher. Damit könnten nach Hochrechnungen zwischen 3000 und 17.000 Tonnen Methan pro Jahr zusätzlich zur natürlichen Methanabgabe aus dem Meeresboden der Nordsee austreten. "Das wäre ein signifikanter Anteil am gesamten Methanbudget der Nordsee", betont Matthias Haeckel vom GEOMAR. 

Bohrungen sind Störungen im Meeresboden

Das freigesetzte Methan an der Außenseite der Bohrlöcher wird von den Forschern als Nebenwirkung der Bohrungen gesehen. Die Störungen im Meeresboden ist der Grund, weshalb rund um das Bohrloch kontinuierlich Gase aufsteigen können. Normalerweise kann Methan, das in großer Tiefe am Meeresboden entweicht, von Mikroorganismen abgebaut werden. Doch ungefähr die Hälfte aller Bohrlöcher in der Nordsee liegen nicht tief genug für diesen Abbauprozess. Stattdessen steigt das Methan auf und erreicht als klimaschädigendes Treibhausgas die Atmosphäre.

Um den menschlichen Einfluss auf das Methanbudget der Nordsee noch genauer untersuchen zu können, wird ein Team mit dem  Forschungsschiff "Poseidon" im Oktober weitere Gasquellen im Umfeld von Bohrlöchern in der Nordsee untersuchen. 

Ihre bisherigen Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Environmental Science & Technology".

Quelle: n-tv.de, jaz

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