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Überall zu bekommen Biodrogen als Partyspaß

Muskatnuss, Bilsenkraut, Stechapfel oder bestimmte Pilze: So genannte Biodrogen gelten als harmloser Partyspaß. Um sich zu berauschen, trocknen und essen sie die Pflanzen oder kochen Tee daraus. Was in Omas Vorgarten oder auf der Wiese frei verfügbar ist, kann aber gefährliche Nebenwirkungen haben.

"Das große Problem der Biodrogen ist, dass sie oft nicht verboten sind und deswegen harmlos erscheinen", sagt die Medizinerin Gisela Dahl aus Stuttgart, die lange den Suchtausschuss der Landesärztekammer Baden-Württemberg geleitet hat.

Tatsächlich fallen nur die wenigsten Biodrogen unter das Betäubungsmittelgesetz - sie sind also legal. Kräuter wie Muskatnuss stehen in Mutters Gewürzregal, Blumen wie Engelstrompeten oder gewisse Kakteen, aus denen sich Berauschendes herstellen lässt, werden in jedem Gartencenter an ein breites Publikum verkauft.



In Wirklichkeit sind die vermeintlich ungefährlichen Pflanzen aber alles andere als harmlos. Für den Trip ins Wunderland gehen Konsumenten zum Teil hohe psychische und körperliche Risiken ein, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Denn nicht immer werde die Stimmung durch Halluzinogene euphorisch: "Sie kann auch in Panik und Entsetzen umkippen, da die Erlebnisse Angst bereiten können", heißt es.

Unklar ist, ob die pflanzlichen Halluzinogene abhängig machen können. "Klar ist in jedem Fall, dass die Hemmschwelle zum Gebrauch von Drogen insgesamt gesenkt wird - rund zwei Drittel der Nutzer taucht irgendwann in die härtere Drogenszene ab", sagt Dahl. Und einige der Biodrogen können zu schweren Vergiftungen führen.

"Dabei ist die ungenaue Kenntnis über die Dosierung und Anwendung ein besonderes Problem", sagt Hans-Jürgen Haak von der Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung Nordrhein-Westfalen in Mülheim/Ruhr. Viele ignorieren diese Risiken. Vor allem online forschen sie nach Tipps zur Zucht, Dosierung und Einnahme der Drogen.

Auch ein User namens Stef gibt in einem Forum seine Erfahrungen weiter und erzählt euphorisch von seiner "Reise ins Regenbogenland" - bei der er sich allerdings nicht nur übergeben musste, sondern auch noch einige Zeit später gegen die Wirkung der Drogen anzukämpfen hatte: "Ich brauchte ganze zwei Tage, um mich wieder zurück zu erinnern."

Trotzdem verteidigen die Nutzer ihre Biodrogen: So berufen sich die selbst ernannten Experten unter anderem auf die lange Tradition biogener Drogen. In Ländern Südamerikas oder im Orient sind bewusstseinsverändernde Pflanzen lange bekannt.

"Der Unterschied ist jedoch, dass die Menschen in diesen Ländern ein ganz genaues Wissen über die Wirkung und die richtige Dosierung dieser Drogen haben", sagt Dahl. Dort würden Biodrogen kontrolliert und in Gesellschaft eingenommen. Jugendliche in Deutschland benutzten die Pflanzen dagegen für eine Flucht aus dem Alltag. Das ist keine Lösung: "Das gehört zum Leben dazu: Konflikten nicht durch einen Rausch zu entfliehen, sondern sie langfristig auszuhalten und positiv zu nutzen."

Aliki Nassoufis, dpa

Quelle: n-tv.de