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Führungskräftetreffen im Februar Boston hatte Superspreading-Ereignis

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Längst gelten auch in Boston strenge Hygieneregeln.

(Foto: AP)

International sind bereits mehrere Ereignisse identifiziert, die die Verbreitung des Coronavirus besonders angetrieben haben. US-Forscher finden nun ein weiteres sogenanntes Superspreading-Event. Die Konferenz im Februar hat vermutlich zu Tausenden Ansteckungen geführt.

In den USA haben Forscher ein sogenanntes Superspreading-Ereignis im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus identifiziert. Es handelt sich um eine Konferenz, an der Ende Februar in Boston etwa 200 Personen teilnahmen. Die Zusammenkunft wird inzwischen als frühe Ansteckungsquelle eingeschätzt, die die Verbreitung von Sars-CoV-2 im US-Bundesstaat Massachusetts massiv beschleunigt hat. Mit Stand 1. August gibt es dort der Studie zufolge 111.070 bestätigte Infektionen und 8433 Todesfälle.

"Letztendlich wurden mehr als 90 Fälle bei Personen diagnostiziert, die mit dieser Konferenz in Verbindung stehen, was den Verdacht aufkommen lässt, dass dort ein übergreifendes Ereignis aufgetreten ist", schrieben die Forscher in ihrer noch nicht unabhängig begutachteten Studie. Die Forscher, unter anderem vom Broad Institute of MIT und der Harvard-Universität in Cambridge, hatten für ihre Untersuchung Coronavirus-Proben aus ganz Massachusetts genetisch untersucht.

Sie sequenzierten und analysierten insgesamt 772 vollständige Virusgenome und fanden dabei 80 Virusvarianten, die vorwiegend aus anderen Teilen der USA und Europas in die Region Boston eingeschleppt worden waren. Besonders auffällig waren jedoch "Hunderte von Fällen von größeren Ausbrüchen" in verschiedenen Umgebungen, einschließlich der Konferenz. Die Zusammenkunft fand am 26. und 27. Februar statt und könne mit etwa 20.000 Infektionen in Verbindung gebracht werden, sagte die Virologin Bronwyn MacInnis dem US-Nachrichtensender CNN. Sie hatte am Broad Institute an der Studie mitgearbeitet.

Kaum Risikobewusstsein

Entscheidend für die weite Verbreitung sei der Zeitpunkt der Konferenz gewesen. Ende Februar waren sich die meisten Menschen des Pandemie-Risikos noch nicht bewusst. "Eine Woche später wäre die Veranstaltung wahrscheinlich abgesagt worden", so MacInnis. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch weder Testmöglichkeiten vorhanden, noch wurde auf Abstandsregeln oder das Maskentragen geachtet. Ein weiterer Verbreitungsfaktor sei die Tatsache gewesen, dass die Teilnehmer aus verschiedenen Orten nach Boston gekommen waren, auch aus Gebieten, an denen sich das Coronavirus bereits verbreitete. Bei ihrer Rückkehr trugen sie das Virus dann weiter.

Die Forscher benannten die Konferenz nicht konkret, dem "Boston Globe" zufolge soll es sich um ein internationales Treffen von Führungskräften des Biotechnologieunternehmens Biogen im Marriott Long Wharf Hotel in Boston handeln. Das Unternehmen erklärte, man habe sich an die im Februar geltenden Richtlinien gehalten und die Behörden informiert, als mehrere Erkrankungen bekannt wurden.

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Von dem Ausbruch nach der Konferenz waren mindestens eine Pflegeeinrichtung und eine Obdachlosenunterkunft betroffen. "Unsere Ergebnisse unterstreichen wiederholt die engen Beziehungen zwischen scheinbar getrennten Bevölkerungsgruppen: Viren, die von internationalen Geschäftsreisen mitgebracht wurden, verursachten große Ausbrüche bei Obdachlosen, verbreiteten sich in der gesamten Region Boston und wurden an andere nationale und internationale Standorte exportiert", schrieben die Forscher dazu in der Studie.

Während der Corona-Pandemie wurden immer wieder Superspreading-Ereignisse identifiziert, unter anderem die Skiferien im österreichischen Ischgl, ein Baptisten-Gottesdienst in Frankfurt, eine Veranstaltung in geschlossener Gesellschaft in einem Restaurant in Niedersachsen, ein Wohnheim für Wanderarbeiter in Singapur, ein Zumba-Kurs in Südkorea und ein Ausbruch im Fleischverarbeitungsbetrieb Tönnies. Dabei steckt eine Person überdurchschnittlich viele weitere an.

Quelle: ntv.de, sba

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