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"Verwirrend ähnliches" Imitat Forscher wollen mit Trick Nashörner retten

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Weniger als 5000 dieser Spitzmaulnashörner leben noch in freier Wildbahn.

(Foto: imago/Danita Delimont)

Dem Handel mit Nashorn-Hörnern ist schwer beizukommen - die Nachfrage aus Asien bleibt hoch. Britische Forscher entwickeln nun ein künstliches Horn, das dem echten zum Verwechseln ähnlich sieht. Und sie schlagen einen Trick vor, um damit lebenden Tiere zu retten.

Nach wie vor müssen Nashörner wegen ihrer Hörner sterben. Denn obwohl der Handel mit Nashorn-Horn verboten ist, bleibt die Nachfrage laut der Artenschutzorganisation Traffic vor allem in Ländern Asiens weiterhin hoch - allen voran Vietnam und China. In der sogenannten Traditionellen Chinesischen Medizin wird dem Horn Heilkraft zugeschrieben. Der Besitz eines Horns oder daraus gefertigter Gegenstände gelten zudem als Statussymbol.

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Einem Nashorn in Südafrika wird das Horn entfernt, um es vor Wilderern zu schützen.

(Foto: imago/Gallo Images)

Bisher gab es verschiedene Versuche, mit cleveren Lösungen den Horn-Handel zu unterbinden. Um Wilderern den Anreiz zum Töten der Tiere zu nehmen, werden etwa in Südafrika Tieren die Hörner abgesägt. Allerdings wächst das Horn der Tiere auch wieder nach und macht sie dann erneut zum Ziel. Zudem muss die Prozedur alle Jahre wiederholt werden, und das jedesmal unter Vollnarkose, was die Tiere ebenfalls gefährdet.

Eine andere Idee ist, die Hörner der Tiere mit einer farbigen Injektion zu vergiften und gleichzeitig zu markieren - um sie dadurch unattraktiv für Wilderer zu machen und Konsumenten abzuschrecken. An der Wirksamkeit der Methode gibt es ebenfalls Zweifel, denn Händler könnten die Hörner einfach wieder zurückfärben. Zudem ist es ethisch äußerst bedenklich, Menschen durch das Gift wissentlich zu gefährden.

Einen weiteren Vorschlag präsentieren nun Forscher von der Universität Oxford: Mit künstlich hergestellten Hörnern könnte der Markt überschwemmt werden und dadurch die Nachfrage nach echtem Nashorn womöglich sinken, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Scientific Reports". Freilebende Tiere könnten so geschützt werden. Der Anlass für diesen Vorstoß: Dem Team um Fritz Vollrath gelang es, aus Pferdehaaren und klebrigem Seidenprotein ein künstliches Nashorn-Horn herzustellen.

Dem echten Horn "ziemlich ähnlich"

Biologisch gesehen unterscheidet sich Nashorn-Horn vom Horn anderer Tiere wie etwa dem von Rindern, wie die Forscher erklären. Genau genommen sei das Horn ein Büschel Haare, das auf der Nase der Tiere wachse - eng verpackt und durch ein Sekret aus der Talgdrüse verklebt.

Für die Herstellung von Kunsthorn bündelten die Wissenschaftler Haare aus dem Schwanz von Pferden - Verwandten der Nashörner - und verklebten sie mit einem Eiweiß aus Naturseide. Nach dem Trocknen im Ofen ließ sich das Kunsthorn "sehr schön zu Oberflächen feilen und polieren, die poliertem echtem Horn ziemlich ähnlich, in der Tat verwirrend ähnlich sind", so die Forscher.

Auch die Feinstruktur des Kunsthorns und seine Materialeigenschaften sind mit denen des echten Horns vergleichbar, wie weitere Untersuchungen zeigten. Es sei ziemlich einfach und billig, hornähnliches Material herzustellen, das das "extravagant teure" Horn der Nashörner imitiere, schreiben die Forscher.

"Wir überlassen es anderen, diese Technologie mit dem Ziel weiterzuentwickeln, den Markt zu irritieren, die Preise zu senken und so den Schutz der Nashörner zu unterstützen", sagte Vollrath. Es bleibe allerdings abzuwarten, ob ein Fluten des Marktes tatsächlich die freilebenden Tiere retten könne.

Sorge vor gegenteiligem Effekt

Die Idee der Wissenschaftler ist nicht neu. In den vergangenen Jahren hatten einige Unternehmen angekündigt, solche Kunsthörner zu produzieren und etwa für Kunstschnitzer anzubieten. In Reaktionen auf zahlreiche Medienberichte über eines der Unternehmen hatten sich im Jahr 2015 zahlreiche Organisationen, darunter die International Rhino Foundation und Save the Rhino International in einer gemeinsamen Stellungnahme gegen die Verbreitung von Kunsthorn ausgesprochen.

Es sei nicht auszuschließen, dass solche Produkte die Nachfrage eher noch anfeuerten und sie die Nutzung von Nashorn-Horn legitimierten, so eine der Begründungen. Das damit verbundene Stigma könne wegfallen. Wenn eine Unterscheidung von echtem und gefälschtem Horn nicht möglich sei, könne zudem der Handel mit illegal gewildertem Horn nur schwer verfolgt werden.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa