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Hannover: Besonders zur Weihnachtszeit ist die Stadt auch abends taghell erleuchtet.
Hannover: Besonders zur Weihnachtszeit ist die Stadt auch abends taghell erleuchtet.(Foto: picture alliance / Hauke-Christi)
Mittwoch, 22. November 2017

Die Erde wird immer heller: LED verstärken die Lichtverschmutzung

Wer meint, früher deutlich mehr Sterne gesehen zu haben, liegt nicht falsch. Über den immer stärker beleuchteten Städten verblasst das Funkeln am nächtlichen Himmel. Daran ändern auch LED nichts. Ganz im Gegenteil.

Der Siegeszug der LED, der Light Emitting Diodes, ist nicht mehr aufzuhalten. Straßen und Plätze, Wohngebäude und Stadtwerbungen, aber auch Weihnachtsdekorationen leuchten taghell und können auf LED nicht verzichten. "Viel zu viel Licht, was nicht immer notwendig ist", sagt Christopher Kyba, Wissenschaftler am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Unter seiner Leitung entstand eine im Fachjournal "Science Advances" veröffentlichte internationale Studie, nach der die Umrüstung auf LED-Beleuchtung zu steigender Lichtverschmutzung führt.

Kommunen, Unternehmen und Haushalte, die auf LED umsteigen, wollten zunächst sparen. Während Glühbirnen eine Lebensdauer von 1000 Stunden haben, können LED-Lampen bis zu 100.000 Stunden strahlen. Auch in der Energieeffizienz ist die neue Lampen-Generation überlegen. Doch oft verkehre sich die Ersparnis ins Gegenteil, wenn dann das Geld für weitere und noch hellere Lampen ausgegeben werde, sagt Kyba.

Intensität und Fläche nehmen zu

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Neue Satellitenaufnahmen belegen jetzt die Befürchtung, dass es auf der Erde immer heller wird. Die Forscher haben die Entwicklung der Lichtabstrahlung von 2012 bis 2016 verfolgt. Dabei habe die Intensität des künstlichen Lichts und die Größe der beleuchteten Fläche zugenommen, sagt Kyba. Seit 2012 seien es weltweit rund zwei Prozent pro Jahr, heißt es in der Studie. Global betrachtet sei das Maß des Anstiegs der künstlichen Beleuchtung mit dem Wachstum des Bruttosozialproduktes verknüpft, stellten die Wissenschaftler fest.

Die Forscher nutzten für die Studie ein Radiometer namens VIIRS, das Licht im sichtbaren und nahe dem Infrarotbereich erfasst. Es kreist seit Oktober 2011 auf dem Satelliten Suomi-NPP um die Erde. So entstanden Kyba zufolge sehr genaue Karten. Licht mit Wellenlängen unter 500 Nanometer jedoch könne der Sensor an der Kamera nicht "sehen". Beim Vergleich mit Aufnahmen vor Beginn des Projektes erschienen einige Städte damit sogar dunkler, obwohl sie gleich hell oder heller strahlten. Die Lichtverschmutzung sei somit noch stärker als von VIIRS gemessen. "LED-Licht bietet viele Möglichkeiten und kann super sein", sagt Kyba. Er befürchtet aber eine steigende Lichtverschmutzung weltweit.

Weniger wäre mehr

"Beim Menschen kann das Licht sogar die innere Uhr durcheinanderbringen", sagt Franz Hölker, Projektleiter beim Forschungsverbund Verlust der Nacht. LED-Licht am Abend gaukle dem Körper vor, es sei bereits Tag, der Rhythmus komme durcheinander. Lichtverschmutzung wirkt sich auch auf nachtaktive Tiere aus, die sich nur schwer orientieren können. Es müsse über nachhaltigere Formen der Verwendung des Lichts nachgedacht werden, sagt Hölker: "Wo ist wie viel in welcher Intensität erforderlich?"

Die Kommunen haben derzeit vor allem Einsparungen an Kosten, Energie und CO2 im Blick, wenn sie sich für LED entscheiden, betont Friedrich Henckel, emeritierter Inhaber des Lehrstuhls Stadt- und Regionalökonomie an der Berliner Technischen Universität. "Es fehlt oftmals die Kompetenz und das Know-how, um auch die Qualität des Lichtes zu bewerten", sagt er. Es müsse Lichtplanungsprojekte geben, in denen Sozialwissenschaftler, Planer und auch Naturschützer zusammenarbeiten. Vor Ort sollten sie das Thema gemeinsam angehen.

Kyba sieht Möglichkeiten, dank moderner LED-Technik die Lichtemission um zwei Drittel zu senken, ohne dass Menschen es als dunkler empfinden. Er sehe ein großes Potenzial bei der LED-Revolution. "Wir müssen aber lernen, es maßvoll und punktgenau dann einzusetzen, wenn es notwendig ist."

Weniger wäre in diesem Fall mehr. Dann lohnt auch der Blick in den Sternenhimmel wieder.

Quelle: n-tv.de

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