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Donnerstag, 30. Mai 2013

Koloss-Reste mit Muskelgewebe und Blut: Mammut-Sensationsfund weckt Klon-Hoffnung

Forscher entdecken in Sibirien Überreste eines Mammuts mit Muskelgewebe und flüssigem Blut. Es sei der am besten erhaltene Mammutfund aller Zeiten, jubeln sie. Der Fund weckt die Hoffnung, das Tier klonen zu können. Aus Angst vor Dieben wird er nun an einem geheimen Ort gelagert. Andere Forscher halten die Überlegungen für "Unsinn".

Nachgebildetes Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) mit einer Schulterhöhe von etwa vier Metern und einem Gewicht von etwa fünf Tonnen.
Nachgebildetes Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) mit einer Schulterhöhe von etwa vier Metern und einem Gewicht von etwa fünf Tonnen.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Fund eines gut erhaltenen Mammutkadavers hat bei russischen Forschern die Hoffnung geweckt, das vor tausenden Jahren ausgestorbene Tier eines Tages klonen zu können. Die auf einer abgelegenen Insel im Arktischen Ozean entdeckten Überreste des Tiers enthielten noch flüssige Blutreste und rotes Muskelgewebe, wie Expeditionsleiter Semjon Grigorjew sagte. Es handle sich um den am besten erhaltenen Mammutfund aller Zeiten.

"Das ist die erstaunlichste Entdeckung meines Lebens", sagte Grigorjew, demzufolge der Kadaver des mit etwa 60 Jahren verendeten Wollhaarmammutweibchens etwa 10.000 bis 15.000 Jahre alt ist. Der Unterkörper des Säugetiers blieb demnach gut erhalten, weil er unter der Wasseroberfläche eines später zugefrorenen Teichs lag. Der obere Teil inklusive Kopf und Rücken sei hingegen von Raubtieren in Mitleidenschaft gezogen worden. "Die Vorderbeine und der Magen sind gut erhalten, der hintere Teil ist bloß noch Gerippe", sagte Grigorjew.

"Eine kleine Sensation"

Nach dem Fund zu Monatsbeginn hätten die Expeditionsmitglieder ihren Augen kaum getraut. "Als wir das Eis unter dem Magen entfernten, floss sehr dunkles Blut heraus", schilderte Grigorjew, der als Wissenschaftler an der staatlichen Universität im nordöstlichen Jakutsk forscht.  Der Fund von Blut sei bei Lufttemperaturen von minus zehn Grad "eine kleine Sensation". "Und auch das Muskelgewebe ist rot, wie frisches Fleisch", fügte er hinzu.

Spektakulär klingt auch seine Schlussfolgerung: "Damit haben wir eine wirklich gute Chance, lebende Zellen aufzuspüren, die uns beim Klonen eines Mammuts helfen könnten." Im vergangenen Jahr hatte Grigorjews Universität einen Vertrag mit der Biotechnologiestiftung des südkoreanischen Klonpioniers Hwang Woo Suk geschlossen. In den kommenden Monaten sollen nun Spezialisten aus Südkorea, Russland und den USA den Mammutkadaver untersuchen. Wo die sterblichen Überreste des Tiers bis dahin aufbewahrt werden, wollte Grigorjew nicht verraten, "sonst werden sie noch gestohlen".

Einige Forscher sind skeptisch

Der russische Forscher und Mammut-Experte Maschtschenko im Paläontologischen Institut in Moskau vor einem Mammut-Skelett.
Der russische Forscher und Mammut-Experte Maschtschenko im Paläontologischen Institut in Moskau vor einem Mammut-Skelett.(Foto: dpa)

"Ja, wir planen, das gefundene Mammut zu klonen. Ob das möglich ist, werden die Analysen von Blut und Gewebe zeigen", sagte Sergej Fjodorow vom Mammut-Museum in Jakutien der Agentur Interfax. Andere Forscher äußersten sich dazu aber skeptisch. "Die Wissenschaft lebt von Visionen. Im Moment aber ist die Wiedergeburt eines Mammuts ein Wunschtraum", sagte der Mammut-Experte Jewgeni Maschtschenko vom Paläontologischen Institut der Akademie der Wissenschaften.

Sein Kollege Sergej Saweljew von der Russischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften sieht keine Erfolgsaussichten. "Nein, das ist unmöglich", sagte der Experte, der in Moskau gerade das erste überhaupt gefundene Gehirn eines Mammuts untersucht. "Aus meiner Sicht sind solche Erörterungen Unsinn", sagte er. Weil es keine lebenden Zellen gebe, seien solche Versuche aussichtslos.

Video zeigt "Jahrhundert-Fund"

Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti veröffentlichte ein Video über den "Jahrhundert-Fund". Darin ist neben ihm selbst unter anderem zu sehen, wie ein Wissenschaftler Proben entnimmt und wie der 500-Kilogramm-Koloss zu einem Hubschrauber gebracht wird. Dem Bericht zufolge wurde das Mammutweibchen auf der Kleinen Ljachow-Insel in Jakutien gefunden und bei einer Expedition vom 29. April bis 22. Mai ausgegraben.

Im Zuge der globalen Erwärmung tauchten in Russlands Norden bereits mehrfach Mammutskelette auf, wenn der üblicherweise rund ums Jahr gefrorene Permafrostboden an einigen Stellen auftaute. Erst im vergangenen Jahr entdeckte dort ein jugendlicher Nomade die Überreste eines Wollhaarmammuts. Wissenschaftlern zufolge handelte es sich um den besterhaltenen derartigen Fund seit mehr als 110 Jahren.

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Quelle: n-tv.de