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Haben aktuell Verspätung: Backofen-Uhren.
Haben aktuell Verspätung: Backofen-Uhren.(Foto: imago stock&people)
Mittwoch, 07. März 2018

Fast sechs Minuten: Warum die Backofen-Uhr zurzeit nachgeht

Von Andrea Schorsch

Der gute, alte Radiowecker geht neuerdings spürbar nach. Und nicht nur er tickt falsch, auch Mikrowelle und Backofen zeigen nicht die korrekte Zeit. Wer sich nach diesen Uhren richtet, ist gut fünf Minuten zu spät dran. Warum? n-tv.de fragt einen Netzbetreiber.

Es ist ein Problem, das aktuell ganz Europa betrifft: Die Uhren an Küchengeräten wie Backofen und Mikrowelle gehen falsch, und der einfache, nicht funkbetriebene Radiowecker macht es ihnen nach. Sechs Minuten Verspätung kann man sich mit diesen Geräten einhandeln. Doch wie kommt es, dass sie alle gleichzeitig und in gleichem Maße aus dem Takt geraten?

"Das liegt an einer ganz leichten Frequenzabweichung", sagt Ulrike Hörchens von der Tennet TSO GmbH in Bayreuth im Gespräch mit n-tv.de. Das Unternehmen betreibt ein Höchstspannungs-Stromnetz zwischen Schleswig-Holstein und Bayern. Laut Hörchens ist die Frequenzabweichung schon seit etwa Mitte Januar zu beobachten. "Normalerweise haben wir europaweit konstant 50 Hertz im Stromnetz, doch seit mehreren Wochen pendelt sich die Frequenz ganz, ganz leicht unterhalb von 50 Hertz ein", sagt die Tennet-Sprecherin. In der Folge gehen Uhren, die sich an der Netzfrequenz ausrichten, mittlerweile etwas mehr als fünf Minuten nach. Das ist die Ungenauigkeit, die sich über die vergangenen Wochen aufaddiert hat.

Politischer Konflikt führt zur Versorgungslücke

Ursache für die Frequenzabweichung ist der Entso-E zufolge, dem Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber, letztlich der politische Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo. Er führt dazu, dass zu wenig Strom ins Netz eingespeist wird. "Dort gibt es ein Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch", erklärt Hörchens. "Das heißt, es wird konstant etwas weniger erzeugt als verbraucht wird." Eine Gefahr für die Versorgungssicherheit bestehe aber nicht. Dass das Licht flackert, der Kühlschrank Probleme bekommt oder gar der Strom ausfällt, ist also nicht zu erwarten.

Bemerkbar macht sich die Unterversorgung im Stromnetz nur an der einen oder anderen Uhr, sofern sie die Netzfrequenz nutzt, um genau zu gehen. Wer diese Uhren jetzt stellt, ist erstmal wieder auf der sicheren Seite. Erst in sechs Wochen wären dann abermals gute fünf Minuten Verspätung erreicht. Bis dahin aber sollte die nötige 50-Hertz-Frequenz wieder erreicht sein. Entsprechende Maßnahmen müssen vor Ort - in Serbien und dem Kosovo - ergriffen werden. "Wir Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland und den anderen europäischen Ländern können da leider nichts zur Lösung beitragen", sagt Hörchens. Doch dadurch, dass sich das Problem so lange aufgestaut hat, habe sich jetzt auch die EU-Ebene eingeschaltet.

Wenn die Versorgungslücke dann geschlossen ist, ticken die Uhren in Europas Küchen wieder richtig. Einen konkreten Termin dafür kann auch die Entso-E nicht nennen. Doch es heißt, ein paar Wochen könnte es dauern.

Quelle: n-tv.de