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Montag, 20. September 2010

Arzneistoffe und ihre Wirkung: Was machen Medikamente im Körper?

Von Andrea Schorsch

Wie eigentlich kann eine Tablette den Durchfall stoppen? Wie wirkt ein Mittel gegen Reisekrankheit? Und auf welche Weise lassen Betablocker den Blutdruck sinken? Hier einige schulmedizinische Arzneistoffe und ihre Wirkmechanismen im Überblick.

Die Ursache für den Schmerz wird durch Schmerzmittel nicht geheilt.
Die Ursache für den Schmerz wird durch Schmerzmittel nicht geheilt.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Beginnen wir mit den gängigen Schmerzmitteln: An der Wahrnehmung von Schmerz sind verschiedene Nerven, Gehirnbereiche und Botenstoffe beteiligt. Zu letzteren gehören die so genannten Prostaglandine, die verstärkt in verletztem Gewebe produziert werden. Die Prostaglandine reizen spezielle Schmerzsinneszellen, die dann das Gehirn mit elektrischen Impulsen über eine Verletzung informieren. So halten die Prostaglandine das Schmerzsignal aufrecht und ein anhaltender Schmerz ist die Folge.

Gängige Schmerzmittel nun, wie etwa Acetylsalicylsäure und Ibuprofen, hemmen die Produktion bestimmter Prostaglandine. Das geschieht, indem die Wirkstoffe ein Enzym blockieren, das für die Herstellung von Prostaglandinen unentbehrlich ist. So werden sowohl die Wahrnehmung des Schmerzes als auch seine Weiterleitung unterdrückt. Die Ursache für den Schmerz wird durch Schmerzmittel nicht geheilt. Sie bleibt bestehen.

Eine Seefahrt, die ist lustig... Unter Umständen kann einem dabei aber auch ganz schön übel werden.
Eine Seefahrt, die ist lustig... Unter Umständen kann einem dabei aber auch ganz schön übel werden.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen richten sich nur gegen diese Symptome und nicht gegen die Erkrankung, die ihnen zugrunde liegt. Das kann zum Beispiel Migräne oder ein Magen-Darm-Virus sein. Eine der häufigsten Ursachen für Übelkeit ist die Reisekrankheit, bei der durch die äußeren Bewegungen das Gleichgewichtsorgan im Innenohr gestört ist. Das Gleichgewichtsorgan sendet dann Nervensignale aus, die das Brechzentrum im Gehirn reizen. Verantwortlich für die Weiterleitung der Nervensignale ist vor allem der Botenstoff Histamin, der direkt im Brechzentrum andocken kann.

Kommt nun der Wirkstoff Dimenhydrinat zum Einsatz, werden die Bindungsstellen im Gehirn, an denen das Histamin ansetzt, blockiert. Die Nervensignale gelangen also nicht mehr bis ins Brechzentrum, und der Brechreiz wird unterdrückt.

Niesen: Häufige Begleiterscheinung bei Allergien...
Niesen: Häufige Begleiterscheinung bei Allergien...(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Histamin ist auch an Allergien beteiligt, denn allergische Reaktionen gehen mit einer Überproduktion von Histamin einher. Während Histamin im Gehirn einen Brechreiz auslöst, reizt es im Gewebe die Nerven, macht die Blutgefäße durchlässiger, und es kommt zu Juckreiz und Schwellungen. Auch dagegen kann ein Antihistaminikum eingesetzt werden. Es blockiert dann in diesem Fall die Bindungsstellen des Histamins im Gewebe.

Eine extrem hohe Menge an Histamin setzt der Körper bei Asthma frei. Wollte man dagegen mit Antihistaminika vorgehen, müsste das Medikament so hoch dosiert sein, dass es schädlich und unverträglich wäre. Bei einem akuten Asthmaanfall, der durch die Verkrampfung der Bronchien mit Atemnot und Hustenanfällen einhergeht, greift man daher zunächst auf so genannte Bronchialdilatatoren zurück. Sie entspannen die Muskulatur der Bronchien.

Da Asthma grundsätzlich auf ein chronisch entzündetes Atemwegssystem zurückgeht, können auch Wirkstoffe zum Einsatz kommen, die sich gegen die Entzündung in den Atemwegen richten. Dazu gehören die Glucocorticoide, auch Kortison genannt. Diese Hormone wirken tiefgreifend, indem sie innerhalb der Entzündungszellen die Bildung entzündungsfördernder und –hemmender Proteine beeinflussen.

Erkältung: Husten gehört meist dazu.
Erkältung: Husten gehört meist dazu.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nicht nur Asthma, auch harmlose Erkältungen sind oft von Husten begleitet. Wir kennen zum einen den trockenen Reizhusten, zum anderen den sekretreichen Husten. Gegen diesen wirken die so genannten Expectorantien. Diese Arzneimittel erleichtern das Abhusten von Bronchialschleim. Gelingt es, angesammeltes Sekret schnell aus den Atemwegen zu entfernen, wird damit den Bakterien der Nährboden entzogen. Schleimlöser wirken über unterschiedliche Mechanismen. Acetylcystein zum Beispiel spaltet bestimmte chemische Verbindungen in den Schleimmolekülen. Die Moleküle fallen auseinander, der Schleim wird weniger zähflüssig, und das Abhusten fällt in der Folge leichter.

Bei trockenem Husten gehört unter anderem das verschreibungspflichtige Codein zu den Reizstillern. Es wird vorsichtig verwendet, denn die natürliche Quelle dieser Substanz ist Opium. Hustenblocker, die nicht frei verkäuflich sind, unterdrücken den Hustenreflex im entsprechenden Zentrum des Gehirns.

So wünscht man sich das bei akutem Durchfall...
So wünscht man sich das bei akutem Durchfall...(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bleiben wir bei Opium. Wie Übelkeit ist auch Durchfall selbst keine Krankheit, sondern Zeichen für eine andere Erkrankung. Akuter Durchfall ist meist eine Schutzreaktion des Körpers, der Keime und Schadstoffe möglichst schnell wieder loswerden will. Wichtig ist es, bei Diarrhoe viel zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Freiverkäufliche Akut-Medikamente gegen Durchfall basieren oft auf dem Wirkstoff Loperamid. Wie das eben angesprochene Codein gehört auch Loperamid zu den opiumähnlichen Stoffen, den Opioiden. Es lähmt die Darmbewegungen. Unter anderem am Darm befinden sich Rezeptoren, die für Opioide empfänglich sind. Zahlreiche Opioide, wie eben auch Codein, überwinden die Blut-Hirn-Schranke und wirken deshalb auch im zentralen Nervensystem. Loperamid ist hier eine Ausnahme. Es wirkt nicht über das Gehirn, sondern lokal auf die Darmperistaltik.

Knoblauch senkt das Risiko für Herzerkrankungen durch Bluthochdruck: Seine Inhaltsstoffe werden von roten Blutzellen in Schwefelwasserstoff umgewandelt. Dieser entspannt die Blutgefäße und verbessert dadurch die Blutzirkulation im Körper.
Knoblauch senkt das Risiko für Herzerkrankungen durch Bluthochdruck: Seine Inhaltsstoffe werden von roten Blutzellen in Schwefelwasserstoff umgewandelt. Dieser entspannt die Blutgefäße und verbessert dadurch die Blutzirkulation im Körper.(Foto: picture-alliance/ ZB)

Abschließend noch ein Blick auf eine Erkrankung, die durch Medikamente zwar reguliert, aber nicht geheilt werden kann: der Bluthochdruck. Es ist ein sehr komplexes System, das den Blutdruck in unserem Körper regelt. Gefäße, bestimmte Botenstoffe und Enzyme sowie übergeordnete Zentren im Gehirn spielen hier zusammen. Verschiedene Arzneimittel greifen nun an unterschiedlichen Stellen dieses Systems ein, um den Blutdruck zu senken. Betablocker zum Beispiel sorgen dafür, dass das Stresshormon Adrenalin nicht mehr am Herzen andocken kann. Die dafür notwendigen sogenannten Beta-Rezeptoren werden durch das Medikament blockiert. Adrenalin lässt das Herz schneller schlagen und erhöht den Blutdruck. Hat es keine Möglichkeit mehr, am Herz anzugreifen, sinken Pulsfrequenz und Blutdruck.

Andere Arzneistoffe senken den Blutdruck zum Beispiel, indem sie die Gefäße erweitern. Das Blut hat dann mehr Platz und schießt mit entsprechend weniger Druck durch die Arterien.

Quelle: n-tv.de