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Luftaufnahme von Tacloban. Ein Schiff wurde in die Stadt gespült.
Luftaufnahme von Tacloban. Ein Schiff wurde in die Stadt gespült.(Foto: REUTERS)

Liegt es am Klimawandel?: "Die Intensität der Taifune nimmt zu"

Von Hubertus Volmer

Bislang haben Klimaforscher keinen Anhaltspunkt dafür, dass die globale Erwärmung für eine Zunahme von Taifunen, Zyklonen und Hurrikans sorgt. Klar ist jedoch: Die Stürme werden heftiger.

Fassungslos dürften die meisten Menschen in Europa verfolgen, wie stark der Taifun "Haiyan" die Philippinen zerstört hat. Tacloban auf der Insel Leyte sieht aus wie nach einem Tsunami - eine Sturmflut hat Frachtschiffe Hunderte Meter ins Land gespült und nahezu alle Gebäude umgerissen. Die Stadt, die vor der Katastrophe 220.000 Einwohner hatte, ist in weiten Teilen zerstört.

Doch anders als nach einem Tsunami gibt es für diese Naturkatastrophe möglicherweise einen Verursacher: den Klimawandel. Sicher ist das nicht; "an einem einzelnen Ereignis können Sie den Klimawandel nicht nachweisen", sagt der Klimawissenschaftler Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe n-tv.de. "Der Klimawandel ist ein schleichender Prozess, da muss man sich schon die Entwicklung über längere Zeiträume ansehen."

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Eine quantitative Häufung von tropischen Wirbelstürmen sei nicht zu beobachten, sagt Gerstengarbe. Was allerdings zugenommen habe, sei die Intensität der Taifune oder Hurrikans. Stürme von der Stärke drei, vier oder fünf seien häufiger geworden. Der Taifun "Haiyan" gehörte zu Stärke fünf - der oberste Kategorie, die es bei tropischen Wirbelstürmen gibt.

Keine Taifune am Äquator

Aus Sicht der Wissenschaft ist ein Taifun - so heißt ein tropischer Wirbelsturm in Asien, in Amerika spricht man von einem Hurrikan, in den Anrainerländern des Indischen Ozeans von einem Zyklon - ein extremes Tiefdruckgebiet. Grundsätzlich entstehen tropische Wirbelstürme nur über Ozeanen, wenn deren Wassertemperatur sich auf einer Tiefe von 60 bis 90 Metern auf mehr als 26,5 Grad erwärmt. Das passiert ausschließlich in den Regionen zwischen dem 5. und 20. Breitengrad der Süd- und der Nordhalbkugel. Eine Ausnahme bildet die Region um den Äquator. Hier fehlt die sogenannte Corioliskraft, die im Norden dafür sorgt, dass Tiefdruckgebiete sich gegen, Hochdruckgebiete dagegen mit dem Uhrzeigersinn bewegen. Auf der Südhalbkugel ist es genau umgekehrt.

Die Energie der Wärme im Meer sei es, die den Prozess in Gang setze, an dessen Ende ein Taifun oder Hurrikan steht, sagt Gerstengarbe. "Wir beobachten dieses Phänomen jedes Jahr mehrfach, an sich ist das nichts Ungewöhnliches." Derzeit jedoch lägen die Meerestemperaturen in der betroffenen Region bei etwa 30 Grad und damit deutlich höher als üblich. Die Folge waren Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h. "Damit war 'Haiyan' wahrscheinlich der stärkste Taifun, der je beobachtet wurde."

"Katrina", "Sandy", "Bopha" - alle folgenlos

Ein einzelner Wirbelsturm könne zwar nicht auf den Klimawandel zurückgeführt werden, so Gerstengarbe. Klar sei jedoch, dass sich die Zahl der Extremereignisse insgesamt - dazu zählen beispielsweise auch Dürren und Überschwemmungen - in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt hat. Dies sei "ein ziemlich starkes Indiz dafür, dass dies Auswirkungen des Klimawandels sind", so Gerstengarbe.

Als der Hurrikan "Katrina" 2005 New Orleans unter Wasser setzte, identifizierte die globale Öffentlichkeit zwei Hauptverantwortliche: US-Präsident George W. Bush, dessen Regierung sowohl beim Küstenschutz wie auch bei der Evakuierung der Stadt versagt hatte, und den Klimawandel. Rund 1800 Menschen kamen durch "Katrina" ums Leben, es war einer der verheerendsten Stürme, der die USA bis dahin heimgesucht hatte. Acht Jahre später verursachte "Sandy" zwar weitaus weniger Tote, zog jedoch eine Schneise der Verwüstung durch den Osten der USA - übrigens deutlich oberhalb des 20. Breitengrades.

Weder "Katrina" noch "Sandy" hatten praktische Folgen für die Klimapolitik der USA. Anders als sein Vorgänger hat Präsident Barack Obama zwar theoretisch erkannt, dass die Erderwärmung ein Problem ist. Doch passiert ist nicht viel.

Philippinischer Diplomat tritt in den Hungerstreik

Zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Warschau verlangte eine Vertreterin der philippinischen Delegation, Alicia Ilaga, dass die "Verantwortlichen der ganzen Welt" endlich handeln. "Jedes Mal, wenn ich zu diesen Konferenzen komme, sind wir mit einer neuen Katastrophe konfrontiert." Vor einem Jahr war es der Taifun "Bopha", der auf den Philippinen mehr als 1000 Menschen getötet hatte, bevor die Klimakonferenz in Doha begann. Ilagas Delegationskollege Naderev Saño kündigte an, während des zwölftägigen Gipfels nichts zu essen, so lange keine Ergebnisse in Sicht seien.

Aussichtsreich ist dieser Appell wohl nicht. Gerstengarbe befürchtet, dass "Haiyan" wie all die anderen tropischen Wirbelstürme folgenlos bleiben wird. Er verfolge zwar die Klimakonferenz, sagt er. Aber sein Optimismus, dass sich dort etwas tut, sei "stark gedämpft".

Vor einem Jahr war Saño bei einer Rede in Doha in Tränen ausgebrochen, als er von den Auswirkungen des Taifun "Bopha" berichtete. Der ganze Saal erhob sich daraufhin und applaudierte. Genutzt hat es bekanntlich nichts.

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Quelle: n-tv.de

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