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Toxisches Klima am Set Ellen DeGeneres bittet um Entschuldigung

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"Zu denken, dass jemand von euch sich so gefühlt hat, finde ich schrecklich", schreibt DeGeneres.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die "Ellen DeGeneres Show" gehört zu den beliebtesten Talkshows der USA - umso erstaunlicher ist der Vorwurf Dutzender Mitarbeiter, dass die Zustände hinter den Kulissen toxisch seien. Die gleichnamige Moderatorin übernimmt in einem Brief an ihre Angestellten nun Verantwortung.

US-Moderatorin Ellen DeGeneres steht derzeit wegen des Arbeitsklimas ihrer gleichnamigen Talkshow massiv unter Beschuss. Mehrere Mitarbeiter werfen ihr und den Produzenten der Show angebliches Fehlverhalten und Rassismus vor. In einem Brief an ihre Mitarbeiter, aus dem verschiedene US-Medien übereinstimmend berichten, nimmt DeGeneres nun Stellung zu den Vorwürfen und bittet ihre Angestellten um Entschuldigung.

"Am ersten Tag unserer Show sagte ich allen bei unserem ersten Treffen, dass die 'Ellen DeGeneres Show' ein Ort der Freude sein würde - niemand würde jemals seine Stimme erheben und jeder würde mit Respekt behandelt", schreibt DeGeneres. "Offensichtlich hat sich etwas geändert, und es enttäuscht mich, zu erfahren, dass dies nicht der Fall war. Dafür entschuldige ich mich."

Ein aktueller und zehn ehemalige Mitarbeiter haben DeGeneres' Produzenten ein toxisches Arbeitsklima vorgeworfen. Die Moderatorin selbst würde sich allerdings nicht entsprechend informieren. Sie seien über mehrere Monate lang Rassismus, Einschüchterung und Angst ausgesetzt gewesen. Manchen von ihnen sei gekündigt worden, obwohl sie krankgeschrieben gewesen seien oder einen Urlaubstag für eine Beerdigung in Anspruch genommen hätten. Über die 62-Jährige, die ihr Publikum in jeder Folge dazu aufruft, "kind", also nett, zu sein, sagte einer: "Dieser 'Sei nett'-Scheiß kommt nur, wenn die Kameras an sind. Es ist alles nur Show. Ich weiß, sie geben vielen Menschen Geld und helfen ihnen aus, aber es ist alles nur eine Show."

Sie übernehme die Verantwortung für dieses Fehlverhalten, da die Show ihren Namen trage, und bestehe darauf, dass Schritte unternommen würden, um "die Probleme künftig zu beheben", schreibt DeGeneres nun zu den erhobenen Vorwürfen. "Ich habe auch erfahren, dass Leute, die mit mir und für mich arbeiten, in meinem Namen sprechen und falsch darstellen, wer ich bin, und das muss aufhören."

"Habe fast alles verloren, weil ich bin, wer ich bin"

"Als jemand, der verurteilt wurde und fast alles verloren hat, nur weil ich bin, wer ich bin, verstehe ich wirklich und habe tiefes Mitgefühl für diejenigen, die anders betrachtet oder ungerecht behandelt werden, nicht ebenbürtig oder - schlimmer noch - ignoriert werden. Zu denken, dass jemand von euch sich so gefühlt hat, finde ich schrecklich", heißt es von der 62-Jährigen weiter.

Mindestens 30 langjährige Mitarbeiter der Show haben zudem bekannt gegeben, während der Corona-Pandemie keinen Lohn mehr erhalten und nichts über den Status quo ihrer Anstellung gewusst zu haben. DeGeneres dreht derzeit alle Folgen aus ihren eigenen vier Wänden, wofür sie ein externes Unternehmen beauftragt hat.

Die Vorwürfe der Mitarbeiter haben zu einer internen Untersuchung geführt, die nun weitgehend abgeschlossen sein soll. Während bisher weder DeGeneres noch Warner Brothers personelle Konsequenzen angekündigt haben, teilten zwei Quellen dem Promiportal "The Hollywood Reporter" mit, dass einer der drei ausführenden Produzenten, der im Zentrum der Anschuldigungen steht, bereits entlassen worden sei. Weiteren Mitarbeitern werde voraussichtlich ebenfalls gekündigt.

DeGeneres wurde Anfang der 1980er Jahre als Comedian berühmt. Ihren größten Erfolg hatte sie mit der von ihr produzierten und nach ihr benannten Sitcom "Ellen". Nachdem Gerüchte über ihre Homosexualität aufkamen, outete sich zunächst die Serienfigur Ellen in einer Folge von 1997 als lesbisch. Als DeGeneres sich daraufhin selbst outete, sanken die Einschaltquoten drastisch und sie verlor ihre Show. Da die Jobangebote ausblieben, tourte sie zunächst wieder als Komikerin durch die USA. 2003 startete sie ihr wahnsinnig erfolgreiches Talkformat "The Ellen DeGeneres Show", für die sie bereits mehrere Emmys bekommen hat. DeGeneres ist seit 2008 mit der "Ally McBeal"-Schauspielerin Portia de Rossi verheiratet.

Quelle: ntv.de, lri