Unterhaltung

Toxisches Arbeitsklima am Set Ellen DeGeneres soll gar nicht so nett sein

imago89938000h.jpg

Doch nicht so nett, wie alle denken? Ellen DeGeneres.

(Foto: www.imago-images.de)

Ellen DeGeneres ist hauptsächlich für ihre Nächstenliebe bekannt. Täglich ruft die Talkshow-Legende ihre Gäste dazu auf, "nett" zu sein. Schenkt man einigen Mitarbeitern und Hollywood-Stars Glauben, hält sie sich selbst allerdings nicht an diese Aufforderung - im Gegenteil.

Ellen DeGeneres steht mit ihrer gleichnamigen US-Talkshow vor allem für eins: Freundlichkeit. In jeder Folge ruft sie ihr Publikum im Studio und ihre TV-Zuschauer auf: "Be kind", also "sei nett". Das kommt bestens an - "The Ellen DeGeneres Show" erfreut sich großer Beliebtheit.

Aber ist dieses Motto hinter den Kulissen nur eine Farce? Ein aktueller Angestellter und zehn ehemalige Mitarbeiter haben im Gespräch mit "BuzzFeed News" entsprechende Vorwürfe erhoben. Der Tenor: Das Arbeitsklima sei toxisch. "Dieser 'Sei nett'-Scheiß kommt nur, wenn die Kameras an sind. Es ist alles nur Show", sagt einer von ihnen. "Ich weiß, sie geben vielen Menschen Geld und helfen ihnen aus, aber es ist alles nur eine Show."

Die ehemaligen Mitarbeiter der "Ellen Show" sprechen davon, dass sie hinter den Kulissen über mehrere Monate lang Rassismus, Angst und Einschüchterung ausgesetzt gewesen seien. Manche seien sogar gefeuert worden, nachdem sie krankgeschrieben waren oder einen Urlaubstag für eine Beerdigung in Anspruch genommen hätten. Eine schwarze Frau behauptet, sie sei während ihrer Anstellung mit rassistischen Kommentaren, Aktionen und "Mikroaggressionen" konfrontiert gewesen.

Diese Anschuldigungen betreffen allerdings nicht direkt Ellen DeGeneres, sondern das Produktionsteam hinter den Kulissen. Die ausführenden Produzenten würden für die toxischen Arbeitsbedingungen verantwortlich sein. Allerdings würde sich die Moderatorin auch nicht entsprechend informieren.

Produzenten geloben Besserung

Die drei Executive Producer Ed Glavin, Mary Connelly und Andy Lassner erklärten "BuzzFeed News" in einem Statement, sie würden das Ganze "sehr ernst" nehmen. Sie seien untröstlich, sollte auch nur eine Person eine negative Erfahrung gemacht haben. "Das ist nicht, wer wir sind und nicht, wer wir sein wollen und nicht die Mission, die Ellen uns vorgibt." Sie geloben Besserung.

Die Vorwürfe wiegen offenbar so schwer, dass eine interne Untersuchung nun das Arbeitsklima bei der Talkshow prüfen soll. Das berichtet das US-Branchenblatt "Variety". Demnach sollen aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von einer externen Firma über ihre Erfahrungen am Set befragt werden.

Es ist nicht der erste Wirbel um die "Ellen Show". Mehreren US-Stars gegenüber soll sich die Moderatorin sowohl vor als auch hinter der Kamera so gemein verhalten haben, dass sie nicht gut auf die 62-Jährige zu sprechen sind. Dazu zählen unter anderem Comedian Kathy Griffin, Sängerin Cher, Schauspielerin Drew Barrymore, Moderatorin Wendy Williams und TV-Köchin Giada De Laurentiis. Letztere beleidigte sie während ihrer Show in ihrer Anwesenheit als "schlechte Köchin".

Kurz nach ihrem Outing als Transgender lud DeGeneres die Star-Youtuberin Nikkie de Jager in ihre Talkshow ein. Während des Auftritts schien es so, als ob die beiden sich prächtig verstehen würde - in einer niederländischen Talkshow fand de Jager einige Wochen später allerdings deutliche Worte zu DeGeneres. Demnach habe sich die 62-Jährige überhaupt keine Mühe gemacht, dafür zu sorgen, dass sie sich vor der Kamera wohl fühlt.

"Nicht so schön, wie ich dachte"

"Es gab auf jeden Fall einen großen Unterschied zwischen Ellens Show und dieser hier. Ich sage das zu Gunsten eurer Show. Es ist echt nett, dass ihr mich vorhin begrüßt habt - sie hat das nicht getan." DeGeneres sei kalt und distanziert, stimmte de Jager dem Moderator zu. "Es war eine große Ehre, mit Ellen auf dieser Bühne zu sein, aber es war nicht so schön, wie ich dachte". Sie habe zudem die Toilette neben ihrem Ankleideraum nicht nutzen dürfen, da diese "für die Jonas Brothers reserviert" gewesen sei.

Eine ähnliche Erfahrung machte Caitlyn Jenner nach ihrer Geschlechtsanpassung im Jahr 2015, als sie in der "Ellen Show" zu Gast war. Die Republikanerin musste sich über den Großteil der Show zu früheren Aussagen rechtfertigen, in denen sie sich gegen die Ehe für alle ausgesprochen hatte - obwohl sie mehrfach beteuerte, ihre Meinung zu dem Thema geändert zu haben. Später verriet Jenner in der "Howard Stern Show", dass sie und DeGeneres vor ihrem Auftritt am Telefon vereinbart hätten, über eben diese "Weiterentwicklung" zu sprechen. DeGeneres habe jedoch einen anderen Weg eingeschlagen und die Sendezeit dafür genutzt, um Jenner bloßzustellen.

Drehbuchautor und Schauspieler Benjamin Siemon verriet im März 2020 in einer Reihe von Tweets, DeGeneres sei nicht besonders freundlich im Umgang mit ihren Kollegen. Sie habe eine "sensible Nase", deswegen müssten alle Angestellte Kaugummi kauen, bevor sie ihr Büro betreten. "Und wenn sie findet, dass man an dem Tag riecht, wird man zum Duschen nach Hause geschickt."

Im April beschwerten sich dann 30 langjährige Crewmitglieder, dass sie keinerlei Informationen über den Status quo der Show, ihren Lohn oder sonstiges erhalten hätten. DeGeneres drehte während der Corona-Pandemie die Episoden aus ihrer Privatvilla, wofür sie ein externes Unternehmen beauftragt haben soll. Die Moderatorin hat sich bisher zu all den Vorwürfen nicht öffentlich geäußert.

Quelle: ntv.de, lri/spot