Unterhaltung

Promi-Aktion verärgert Mediziner "Haben ja sonst nix zu tun - ohne Theater"

Mit ihren Clips gegen die Corona-Politik greift die Künstlergruppe um "Tatort"-Star Jan Josef Liefers tief in die Satirekiste. Doch vielen Menschen, die derzeit in deutschen Kliniken arbeiten, bleibt beim Zusehen das Lachen im Halse stecken. Sie fühlen sich nicht ernst genommen.

Nicht nur unter Kollegen sorgt die Aktion #allesdichtmachen von mehr als 50 deutschen SchauspielerInnen für Fassungslosigkeit - auch in der Pflegebranche und bei Medizinern ist der Ärger groß. In den sozialen Netzwerken machten zahlreiche Menschen ihrem Unmut Luft. Ein Nutzer auf Twitter - nach eigenen Angaben Arzt - sprach "Tatort"-Star Jan Josef Liefers direkt an. "Lieber Herr Liefers, ich bin als Arzt enttäuscht und entsetzt, was Sie und manch anderer mit dieser Kampagne tun! Die Intensivstationen laufen über und Sie betreiben PLURV [eine Methode der Desinformation, Anm. d. Red.] in Reinform und spalten weiter die Gesellschaft! Sie sind doch nicht ganz dicht!"

Auch der Videoclip einer Wienerin, die nach eigenen Angaben in einem Covid-19-Quarantänequartier arbeitet, erhielt regen Zuspruch. In dem rund einminütigen Video wirbt sie im gleichen ironisch-satirischen Tonfall wie in den Künstler-Clips für einen "All-Inclusive-Urlaub in einem Krankenhausbett - ohne Fernseher, dafür mit Ausgangssperre und Spazierverbot". Sie bitte alle Zuschauer ihres Videos, sich nicht an die Corona-Maßnahmen zu halten und dafür zu sorgen, dass die Zimmer nicht allzu lange leer stehen. "Wir haben ja sonst nichts zu tun - ohne unsere Theater!"

Kritisch äußerte sich auch der deutsche Epidemiologe Timo Ulrichs. "Aus Sicht von allen, die daran mitarbeiten, diese Pandemie unter Kontrolle zu bringen, ist das wirklich ein Schlag ins Gesicht", sagte der Mediziner im ntv-Interview. "Dass man Dinge ins Lächerliche zieht, obwohl sie dazu beitragen, Menschenleben und auch die Gesundheit zu wahren, ist schlimm." Am Ende gehe es laut Ulrichs immer auch um die Frage, wie und bei wem so etwas ankomme. Die Aktion hatte vor allem im rechten Lager und in Querdenker-Kreisen für Begeisterung gesorgt.

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Selbst der Bundesverband Schauspiel (BFFS) erinnerte an die Menschen, die derzeit in den Kliniken und auf den Covid-19-Intensivstationen arbeiten. "Wir sind allen Menschen zutiefst dankbar, die sich der Seuche in den Krankenhäusern, Pflegestationen, Altenheimen, Schulen und Kitas in aufopfernder Weise entgegenstellen", erklärte der Bundesverband. "Auch sie werden Ängste haben und dennoch sind sie Tag für Tag, Überstunde um Überstunde für uns da - trotz schlechter Bezahlung, auch wenn die Müdigkeit sie übermannt."

Der Verband verwies zugleich auf die Situation der Künstler in der Pandemie - und warb um Verständnis. Viele lebten derzeit mit Existenzängsten. Zwei Drittel bis drei Viertel hätten nur Gastverpflichtungen an Theatern, die aktuell nicht oder kaum arbeiten könnten. Zumindest die Kritikerin aus Wien zeigte sich in den Kommentaren unter ihrer bitterbösen Antwort auf die Aktion versöhnlich. "So wichtig mir mein Job ist und so gerne ich ihn ausführe, ich hoffe, dass man ihn in dieser aktuellen Form NICHT mehr lange brauchen wird", schrieb sie unter ihren Clip. "Was wir, glaube ich, alle gemeinsam haben: Wir wollen an ein Ende kommen."

Quelle: ntv.de, jug

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