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Will Smith so blau wie nie Mit "Aladdin" ins Land der Träume

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Für einen Dschinn hat Will Smith in "Aladdin" eine sehr gesunde Hautfarbe.

(Foto: Walt Disney)

Mit "Aladdin" bringt Disney einen seiner größten Zeichentrick-Erfolge als Realfilm auf die Leinwand. In der Rolle des guten Geistes Dschinn verdingt sich ein phänomenaler Will Smith, Regie führte Guy Ritchie. Doch gibt es noch mehr gute Gründe für einen Kinobesuch.

1992 bringt Walt Disney mit seinem Zeichentrick-Aladdin und dessen Wunderlampe nicht nur Kinderherzen zum Schmelzen. Das Märchen aus 1001 Nacht erzählt die rührende Geschichte eines Straßendiebs, der mit der Hilfe eines guten Lampengeistes das Herz einer liebreizenden Prinzessin erobern möchte. Es ist eine Fabel über Liebe, Freundschaft und Tugenden.

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Wir spulen mehr als ein Vierteljahrhundert vor, schreiben inzwischen das Jahr 2019. Der Zeichentrickfilm ist angestaubt, das Zuschauerauge hat sich längst an atemberaubende CGI-Animationen und 3D-Effekte gewöhnt. Immer mehr Disney-Klassiker finden in neuem, technisch einwandfreiem Gewand den Weg zurück in die Kinosäle. 2017 war es "Die Schöne und das Biest", zuletzt "Dumbo". Nun hat auch "Aladdin" mehr als nur ein Make-Over erfahren und kommt als Realfilm zurück auf die große Leinwand. Real sind dabei vor allem die Schauspieler, das knallbunte Drumherum ist nicht selten am Rechner entstanden.

Ritchie-Gaunerkomödie der etwas anderen Art

Der von Mena Massoud gespielte Aladdin schlägt sich gemeinsam mit Äffchen Abu in der arabischen Stadt Agrabah zwar als Dieb durch, doch hilft er immer wieder auch den Armen und den Schwachen. Unter ihnen ist Jasmin (Naomi Scott), eine Prinzessin, die sich unerkannt unter ihr Volk gemischt hat und sich als Palastangestellte ausgibt.

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Wo die Liebe hinfällt: Jasmin und Aladdin

(Foto: Walt Disney)

Aladdin verliebt sich ad hoc, stellt aber alsbald fest, wer hinter ihrer bürgerlichen Fassade steckt. Als er bei einer illegalen Stippvisite im Palast auf den machtgeilen Großwesir Dschafar (Marwan Kenzari) trifft, scheint sein Schicksal besiegelt. Dem kommt der mutige Junge aber gerade recht, denn er braucht jemanden, der ihm eine ganz besondere Lampe aus der Höhle der Wunder holt. Daran scheiterten schon viele, und auch für Aladdin wird die Mission eine knappe Kiste. Doch dann zeigt sich ihm der in der Lampe gefangene Dschinn, auf dessen Kräfte es Dschafar abgesehen hatte. Nun kann Aladdin die drei Wünsche des Geistes nutzen, um der Höhle zu entkommen und das Herz der scheinbar in weite Ferne gerückten Prinzessin zu erobern.

So weit, so bekannt. Ein wenig überraschend ist es schon, dass ausgerechnet Guy Ritchie, der bislang für schwarze Gauner-Komödien wie "Snatch" und "Bube, Dame, König, grAs" verantwortlich zeichnete, als Regisseur auf dieses Mammutprojekt angesetzt wurde. Nur noch überraschender wäre es wohl gewesen, hätte man Quentin Tarantino gefragt. Aber im weitesten Sinne sind Aladdin und Abu ja ebenfalls Gauner. Und "Aladdin" ist auch kein klassischer Ritchie, denn der Brite ordnet sich der Geschichte unter wie früher vermutlich nur seiner Ex-Frau Madonna.

Charmanter Dschinn Smith

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Auch beim Dschinn liegt Liebe in der Luft.

(Foto: Walt Disney)

Der Film überzeugt durch Leichtigkeit und Heiterkeit, und Ritchie gelingt es, bekannte Elemente aus der Zeichentrickvorlage mit neuen Ideen und den technischen Möglichkeiten der Jetztzeit zu verbinden. So erfreut der fliegende Teppich wieder mit besonders viel Menschlichkeit, die er allein durch Gestik auszudrücken vermag. Und Dschafars Papagei Jago ist ein Pointen-Feuerwerk, was die fehlenden Slapstick-Momente seines Zeichentrick-Alter-Egos zu verschmerzen hilft. Zudem bekommen Aladdin und Jasmin mehr Charakter zugestanden als im Original. Die Prinzessin rebelliert äußerst selbstbestimmt gegen ihre Rolle als angehende Ehefrau eines vom Vater ausgewählten Prinzen.

Im Zentrum der Geschichte steht aber ganz klar der Lampengeist Dschinn, in dessen Figur Will Smith in alter Form erblüht. Muss er auch oft ohne Unterleib auskommen, gelingt es dem 50-Jährigen dennoch, dem sympathischen Blaumann seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Er schwebt also nicht nur optisch ständig über allem, sondern bringt den Geist aufs nächste Level. Charmant, mit viel Herz und Witz verkörpert Smith den blauen Unterleiblosen, der Aladdin oft auch in menschlicher Gestalt zur Seite steht. Als guter Lampengeist stellt er sich voll und ganz in den Dienst seines neuen Herren und setzt alles daran, ihn und die Prinzessin einander näher zu bringen. 

Natürlich gehört die Musik zu "Aladdin" wie der Dschinn in die Lampe, und auch hier ist die Übertragung in den Realfilm gelungen, wenngleich wir nur über die englischsprachige Originalversion berichten können. Breakdance-Einlagen, große Emotionen und melancholische Momente lassen die Zeit auch für jene im Flug vergehen, die mit Musicals nicht so viel anfangen können. Wirklich authentisch ist die arabische Welt bei Disney zwar auch im Jahr 2019 nicht, doch war das wohl auch nie der Anspruch. Es geht vielmehr darum, Träume wahr werden zu lassen - auf der Leinwand, aber auch in den Augen und Herzen der Zuschauer. Und das ist bei "Aladdin" wirklich gut gelungen.

"Aladdin" läuft seit dem 23. Mai im Kino.

Quelle: n-tv.de

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