Unterhaltung

"Bringt mal bitte den Müll raus" Pocher-Schläger macht weiter auf dicke Hose

Mit einer schallenden Ohrfeige streckt ein Angreifer, der sich selbst Fat Comedy nennt, Oliver Pocher am Wochenende nieder. Dass das Prügelopfer bleibende Schäden erleidet, ist nicht ausgeschlossen. Doch der Täter spielt den Coolen und verharmlost weiter seine Attacke.

Eines hat der 22-Jährige, der sich das Pseudonym Fat Comedy zugelegt hat, definitiv erreicht. Bis zum Wochenende kannte ihn so gut wie niemand. Nun jedoch ist er auf einmal in aller Munde. Ob das langfristig seiner Reputation zugutekommt, darf dann allerdings doch bezweifelt werden.

Schließlich ist er nicht durch einen besonders originellen Witz oder eine künstlerische Aktion auffällig geworden, sondern durch plumpe Gewalt. Am Rande des Boxkampfs von Felix Sturm in Dortmund schlug er dem arglosen Oliver Pocher ohne Vorwarnung derart heftig ins Gesicht, dass dieser regelrecht zur Seite kippte. Kein spontaner Wutausbruch, sondern eine kalkulierte Aktion, bei der er sich unter dem Gelächter seiner Kumpel auch filmen ließ.

Für gerechtfertigt hielt er dies, weil Pocher eben genau das macht, wozu er entgegen seiner eigenen Beschreibung anscheinend nicht fähig ist: fette Comedy. Klar, Pocher ist dabei oftmals spitzzüngig, mitunter vielleicht auch ungerecht und in der Vergangenheit sicher häufiger auch mal übers Ziel hinausgeschossen. Dass dies einen körperlichen Angriff jedoch in keinster Weise rechtfertigt, begreift der Möchtegern-Komiker auch Tage nach seiner Attacke noch immer nicht.

"Es ist Körperverletzung"

Bereits in einer ersten Reaktion brüstete sich Fat Comedy mit seiner Tat im Internet: "Weil du so einen unschönen Charakter hast, Menschen gerne erniedrigst", erklärte er in Richtung Pocher. Zugleich spielte er sich als Rächer seines Rapper-Freundes Samra auf, gegen den im vergangenen Jahr Vergewaltigungsvorwürfe laut geworden waren, die auch Pocher thematisiert haben soll.

Das Prügelopfer äußerte sich wenig später in einem langen Instagram-Video zu dem Vorfall. "Diese Nummer ist nicht nur hinterhältig und nicht lustig (...). Sie ist einfach arglistig, es ist Körperverletzung", brachte es Pocher auf den Punkt. Mehrmals habe er bereits einen Arzt aufsuchen müssen. "Und wenn ich Pech habe, habe ich irreparable Schäden", so der 44-Jährige, der Anzeige gegen den Schläger erstattet hat.

Fat Comedy, der nach Informationen der "Bild"-Zeitung auf den bürgerlichen Vornamen Omar hören soll, scheint das wenig zu jucken. Stattdessen legte er auf seiner Instagram-Seite noch mehrfach nach. "Olli, dein 14-Minuten-Video hatte keinen Sinn, weil ich nur drei Minuten auf Toilette war", ätzte er etwa. Und weiter: "An alle, die hier auf Instagram gerade Richter und Anwalt spielen: Bringt mal bitte kurz für eure Mama den Müll raus."

Hanebüchener Vergleich

In einem weiteren Clip verharmlost er die möglichen Auswirkungen seines Angriffs: "An alle, die mir schreiben: 'Ich bin feige, der war nicht vorbereitet.' Wollt ihr mir sagen, wenn er vorbereitet gewesen wäre, das hätte irgendwas an der Situation geändert? Oder wenn ich ihn gebeten hätte, aufzustehen und mit mir mitzukommen, er wäre mitgekommen?"

Wiederum an anderer Stelle rechtfertigt er die Prügelattacke mit einem hanebüchenen Vergleich: "Jede Form der Gewalt ist 'falsch', körperliche genauso wie seelische und psychische, Herr Pocher!"

Immerhin: Ein kleines bisschen Reue scheint er dann, womöglich angesichts der inzwischen eingesetzten öffentlichen Diskussion über den Fall, doch noch vorzugaukeln. "An alle Jüngeren, bitte nimmt euch kein Beispiel an dieser Aktion, Gewalt sollte nie eine Lösung sein. Habe genug andere Aktionen gemacht, wo ihr euch Beispiele dran nehmen könnt", lautet wörtlich eine seiner jüngsten Botschaften.

"Exemplarisch für Verrohung"

Schließlich hat sich sogar der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul in die Angelegenheit eingeschaltet. "Der Vorfall steht für mich exemplarisch für eine Verrohung in der Gesellschaft, um die wir uns dringend kümmern müssen", erklärte er. Pocher hofft demensprechend "auf eine maximale Strafe" und bekommt dabei in der "Bild"-Zeitung Rückendeckung vom Strafverteidiger Burkhard Benecken. Er sieht in dem Angriff einen möglichen Präzedenzfall und schlägt vor, "eine hohe Mindeststrafe von zwei Jahren anzusetzen, damit klar ist, dass es in der Regel hierfür Knast gibt".

Ob es dazu kommt, steht in den Sternen. Sicher sein sollte jedoch, dass Fat Comedy der Prozess gemacht wird. Und angesichts seiner offenbar geringen Einsichtsfähigkeit bleibt zu hoffen, dass er nicht glimpflich davonkommt.

Quelle: ntv.de

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